Tim Bublitz plant Projekt

Ein Treffpunkt für Hacker und Nerds

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Ein Paradies für Nerds und Hobbybastler möchte der in Münster wohnende Tim Bublitz mit dem Hackerspace Münster-Dieburg eröffnen.

Mit schwarzem Pulli, die Kapuze bis ins Gesicht gezogen, in einem dunklen, kleinen Raum vor dem Computer. Auf dem Bildschirm die Website der Deutschen Bank. So stellt man sich den fiesen Hacker vor, der an Kontodaten will.

Dieburg/Münster – Doch so wie die sogenannten Black Hat Hacker (englisch „schwarzer Hut“), die nur an die Daten und Geheimnisse der Menschen kommen wollen, sind laut Tim Bublitz nicht alle Hacker. Auch mit diesem Gerücht möchte Bublitz aufräumen. Denn er plant einen gemeinnützigen Hackerspace Münster-Dieburg, „einen Ort von und für Nerds und Hobbybastler“, erklärt der 34-Jährige. „Es soll um den Spaß am Programmieren, kreatives Schaffen wie Löten und vielseitiges Lernen gehen.“ Zentraler Bestandteil des offenen Treffs, zu dem jeder kommen kann, soll das Teilen von Wissen rund um Computer, Internet und IT-Sicherheit sein.

Noch ist Bublitz’ Idee in der Planungsphase. „Ich hoffe, dass es in diesem Jahr noch klappt.“ Dafür braucht er aber eine gewisse Grundlage an Teilnehmern, ehrenamtlichen Helfern, die mit ihm einen eingetragenen Verein aufbauen („Sechs, sieben interessierte Leute habe ich schon“) und vor allem feste, am besten kostenlose Räumlichkeiten, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Da liegt nämlich das Problem. Am liebsten würde er den Hackerspace-Standort in Münster haben, da die Gemeinde seit dem Wegfall des Jugendzentrums (dort ist nun eine Kita) kaum einen Treffpunkt für Jugendliche bietet. Die Räume hätte er gerne so, dass sie vor allem für Dieburger und Münsterer – aber auch für Groß-Zimmerner, Eppertshäuser und weitere Hobby-Hacker aus der Region – gut und einfach (am besten per Fahrrad) erreichbar sind. Die Gemeinde Münster konnte Bublitz noch nicht weiterhelfen, könnte Räume nur für bestimmte Zeit und nicht dauerhaft vermieten.

Für einen offenen Treffpunkt sind dauerhafte Räumlichkeiten aber extrem wichtig. „Wir wollen uns dort ja fest einrichten“, betont Bublitz mit Blick darauf, dass die Teilnehmer ihre Computer nicht immer wieder einpacken können. Außerdem soll der Treff auf lange Sicht jederzeit für jeden offen sein, damit man auch spontan mal vorbeikommen kann. „Am Anfang kann es natürlich sein, dass dann immer jemand aufschließen muss und mehrere Leute einen Schlüssel haben.“ Bei einem offenen Treffpunkt müsse man dann nur das Problem mit Diebstählen in den Griff bekommen. Doch darin sieht Bublitz kein Problem. „Hackerspaces gibt es in ganz Deutschland, die bekommen das ja auch alle hin.“

Ob im Keller, im Dachgeschoss, im Nebenraum einer Firma oder wo auch sonst: Wie die Räume aufgebaut sind, ist egal. Schließlich würden die meisten Hackerspaces in Wohnzimmern gegründet. „Nur zwei, drei Räume und eine Toilette wären gut“, sagt Bublitz. Und natürlich dürfen eine ausreichende Stromversorgung und eine gute Internetverbindung nicht fehlen.

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Doch ein Hackerspace ist kein Raum, in dem ein paar Nerds jeder für sich vor ihren Bildschirmen sitzen, betont der aus der Hackerspace-Geburtsstätte Hamburg kommende und nun in Münster wohnende Bublitz. Ganz im Gegenteil: „Ich habe sogar den Eindruck, dass sie viel offener und hilfsbereiter sind.“ Es sind auch nicht nur Experten, sondern auch Anfänger willkommen. „Dafür ist das ja da, damit jeder dem anderen helfen kann“, erklärt Bublitz und berichtet bei seinem Besuch in der Redaktion begeistert: „Ich habe auch schon erlebt, wie jemand, der kaum Ahnung vom Programmieren hatte, in einen Hackerspace kam und nach Hilfe gefragt hat. Dann ruft einer: ,Ich mache das immer mit dem Programm." Dann ruft wieder ein anderer etwas rein, und plötzlich arbeiten fünf Leute mit.“ Noch etwas Besonderes an diesen offenen Treffpunkten ist, dass nichts organisiert wird. „Die Leute, die da sind, finden immer irgendwie zusammen.“

Auch wenn er sich schon seit seinem 6. oder 7. Lebensjahr mit Technik beschäftigt, ist Bublitz selbst kein Experte, was das Programmieren angeht, aber es macht ihm extrem Spaß – auch deshalb will er den Hackerspace Münster-Dieburg aufbauen.

Infos

Wer Interesse hat, beim Hackerspace Münster-Dieburg mitzumachen, kann entweder der Facebook-Gruppe „Hackerspace Münster-Dieburg“ (in der Suche eingeben und dann auf „Gruppen“ klicken) beitreten oder eine Mail an info@hs-md.de schicken. VON LARS HERD 

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