Elektrik, Brand- und Blitzschutz mangelhaft

Erschreckendes Gutachten zur Rathaus-Technik: Bauvorschriften lange Jahre ignoriert

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Abenteuerliche Zustände herrschen laut Gutachterbericht in den Verteilerkästen des Rathauses.

„Von Abriss bis ,nur das Nötigste’“ titelten wir zur Rathaussanierung noch in unserer Ausgabe vom 1. März.

Münster – Nun ist der erste April vorüber und die Parlamentarier müssen sich am kommenden Montag damit auseinandersetzen, dass es wirklich um viel mehr geht als nur um einen Rest aufgeschobener energetischer Sanierung. Selbst der umstrittene Anbau am Foyer ist eine Kleinigkeit zu den wichtigen Erneuerungen, die zwingend erledigt werden müssen. Davon zeugt der Gutachterbericht, der jetzt im Bau- und Planungsausschuss den Lokalpolitikern offeriert wurde.

4,3 Millionen Euro verschlingt allein die Mindestertüchtigung mit brandschutztechnischer Aufrüstung und energetischer Sanierung. Auf 5,6 Millionen kommt man, setzt man den von Bürgermeister und Mehrheit aus SPD und ALMA favorisierten zweistöckigen Anbau dorthin, wo noch der zuletzt angebaute Foyerbereich steht, der dann der Abrissbirne zum Opfer fiele. Doch schon jetzt kommen große Zweifel auf, ob die Kostenkalkulation auch wirklich ausreicht.

Im Zuge der Planungen für die Fertigstellung der schon vor einigen Jahren begonnenen energetischen Sanierung und für den beabsichtigen Um- und Anbau am bestehenden Rathaus war ein Gutachter beauftragt worden, den Stand der Haustechnik zu prüfen. Er legte nun einen ersten Bericht mit einer Reihe von Fotos vor.

Für die Alternative Liste Münster und Altheim (ALMA) fasst deren Fraktionsvorsitzender Gerhard Bonifer-Dörr es so zusammen: „Das Ergebnis der ersten Prüfung ist ein Skandal.“ Nicht nur, dass Anfang der 1990er Jahre beim bislang letzten Anbau von den Rathaus-Verantwortlichen eine Reihe von Brandschutzauflagen schlicht nicht erfüllt worden seien: „Über Jahre hinweg wurden die elektrischen Anlagen offensichtlich nicht den Vorschriften entsprechend gewartet. Stattdessen wurden zum Beispiel auf fahrlässige Weise neue Leitungen in alte Verteilerkästen gezwängt, dass es einen graust.“

Und seit Montagabend wissen die Parlamentarier auch, dass das Rathaus seit Jahren über keine funktionierende Blitzschutzanlage mehr verfügt. Vom Zustand der Brandmeldeanlage informierte Bürgermeister Gerald Frank bereits in der Februar-Sitzung die Gemeindevertreter.

„Natürlich müssen wir zu Recht diejenigen kritisieren, die in der Vergangenheit dieses Treiben zugelassen haben,“ urteilt Bonifer-Dörr nach Vorlage des Gutachter-Ergebnisses. Doch kommt er auch zu dem Schluss, dass ein Rückblick allein nichts nütze. „Wir haben auch im Akteneinsichtsausschuss zu den Baumängeln in der Kindertagesstätte an der Stettiner Straße zwar herausfinden können, dass eklatante Fehler gemacht und vertuscht wurden. Reparieren und instandsetzen mussten wir das Gebäude dann aber.“

Der ALMA-Fraktionsvorsitzende schlägt mit dem Blick auf die Tatsachen zum Rathaus wie schon in vergangener Sitzung vor, dass jetzt sorgfältig geprüft werden muss, wie mit dem maroden Gebäude umgegangen werden kann. Eine erste Kostenschätzung nur für die Beseitigung der Mängel an den elektrischen Anlagen geht bereits in Richtung einer halben Million Euro. Dabei sei der Brandschutz nicht einmal berücksichtigt.

Bürgermeister Gerald Frank ist sich sicher, dass nicht alle Gelder für die Runderneuerung der Verwaltung aus der Gemeindekasse entnommen werden müssten: „Da sind einige Förderungen möglich.“ Bei einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren seien hohe Zuschüsse für Münster möglich, verweist er etwa auf das Programm „Aktive Kernbereiche“. Dies alles müsse nun zur unabwendbaren Erneuerung und Ertüchtigung des Verwaltungsgebäudes bedacht und abgeklopft werden, sagt Frank, der nicht allein, sondern möglichst mit allen Fraktionen zu einem Konsens kommen möchte.

VON THOMAS MEIER

Quelle: op-online.de

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