Kinoabend mit dem Regisseur von „Climate Warriors“

„Jeder kann ein Klimakämpfer sein“

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Regisseur Carl-A. Fechner (rechts) im Gespräch mit Bürgermeister Gerald Frank im Anschluss an die Filmvorführung von „Climate Warriors“. 

Rund 150 Zuschauer haben beim Klimaschutz-Kinoabend im Kaisersaal den Film „Climate Warriors“ von Regisseur Carl-A. Fechner verfolgt, der den Kampf von Klimaschützern auf der ganzen Welt in eindringlichen Bildern auf die Leinwand gebannt hat.

Münster – Mit im Publikum saß auch der Filmemacher, der sich im Anschluss den Fragen von Bürgermeister Gerald Frank und des Publikums stellte. Kernaussage des Films und Quintessenz des Abends war trotz der teils schockierenden Bilder und der bedrohlichen Lage, in der sich unser Planet befindet: „Die Energiewende ist tatsächlich etwas Schönes. Wir alle können und dürfen daran teilhaben. “.

Kohlekraftwerke, die pechschwarze Rauchsäulen in den Himmel blasen. Ölkonzerne, die der Erde per Fracking gewaltsam auch noch die letzten Tröpfchen des schwarzen Goldes zu entlocken versuchen. Ein US-Präsident, der seinem Land zu mehr Reichtum verhelfen will, indem er sich vom Pariser Klimaschutzabkommen verabschiedet und massiv auf fossile Brennstoffe setzt – man möchte angesichts der Bilder, die über die Leinwand im Kino Kaisersaal in Münster flimmern, den Kopf schütteln darüber, was wir unserem Planeten und den Generationen nach uns alles zumuten. Und dass die Menschheit nicht begriffen hat, wie ernst die Lage ist, bestätigten vor wenigen Tagen auch wieder Auswertungen der Internationalen Energieagentur IEA: 2018 lagen die CO2-Emissionen weltweit auf Rekordniveau. Obwohl die Zeit drängt, geht es also nicht in die richtige Richtung, sondern in die falsche.

Doch der Regisseur Fechner stellt in seinem 2018 erschienenen Dokumentarfilm „Climate Warriors“ all diesen durchaus düsteren Szenarien kleine Hoffnungsschimmer gegenüber: Die junge Mutter Joylette Portlock, die als Superheldin verkleidet und mit viel Humor als Internet-Aktivistin ein Bewusstsein für Klimathemen schafft. Den Hip-Hop-Künstler Xiuhtezcatl Martinez, der in seinen Liedern nicht Frauen und Reichtum besingt, sondern die Schönheit unseres Planeten. Schauspieler und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der vehement für eine Energiewende in den USA kämpft. Den deutschen Unternehmer, der aus Strohabfällen aus der Landwirtschaft nachhaltige Holzpellets presst. Sie alle beugen sich nicht dem Druck einer mächtigen Lobby, die die Energiewende verhindert, obwohl sie technisch und ökonomisch längst möglich wäre.

Einzeln für sich genommen wirken all diese Bemühungen angesichts der riesigen Herausforderung Klimawandel vielleicht wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zusammengenommen können sie aber viel ausrichten, werden zu einer Bewegung, einer Klimarevolution. Genau diese positive Kernbotschaft will der Film vermitteln: Jeder kann etwas zur Energiewende beitragen und das kann sogar Spaß machen.

„Es funktioniert nur über das Herz“, sagte Regisseur Fechner denn auch beim anschließenden Filmgespräch, „wir können uns noch so viele rationale Gedanken machen, aber bewegen können wir nur etwas, wenn wir mit dem Herzen dabei sind.“

Sehr mit dem Herzen dabei sind derzeit auch die vielen jungen Menschen, die bei den „Fridays for Future“ die Schule schwänzen und für den Klimaschutz demonstrieren. In ihnen sieht Fechner eine große Hoffnung für die Energierevolution. Es verwundert also nicht, dass er der Jugendbewegung seinen neuen Film widmen will: „Friday“ soll er voraussichtlich heißen und bis in etwa einem Jahr auf die Leinwand kommen. „Die Entscheidung dafür haben wir erst vor wenigen Tagen getroffen, eigentlich wollte ich ja aufhören“, so der 65-jährige Filmemacher.

Bürgermeister Gerald Frank lud ihn kurzerhand dazu ein, die Premiere des Streifens im Kaisersaal abzuhalten. Passend wäre es, schließlich hat Münster als Klimaschutzkommune bereits viele Weichen für mehr Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit gestellt, etwa mit E-Tankstellen und einem Pilotprojekt, das beim Energiemanagement der gemeindlichen Liegenschaften enormes Einsparpotenzial birgt. Auch mit dem kreisweit ersten Klimaschutzmanager hat Münster Maßstäbe gesetzt. Eric Maercker, seit Anfang 2018 im Amt, hatte den Kinoabend auf die Beine gestellt.

Im Vorfeld des Films konnten sich die Besucher im Foyer eine Klimazeugen-Ausstellung ansehen, die dokumentierte, dass bereits Millionen Menschen in den ärmsten Teilen der Welt unter den Folgen des Klimawandels und der Gier der westlichen Welt nach Rohstoffen und Reichtum zu leiden haben. Wenn nur einige der Zuschauer den Abend zum Anlass nehmen, ihren Lebensstil zu überdenken und klimafreundlicher zu gestalten, ist wieder ein winziger Baustein gelegt, um die Wende in Bewegung zu bringen. Und wenn sie erst einmal rollt, ist sie nicht mehr aufzuhalten. Oder, um es mit den Worten von Martin Walser zu sagen, die Regisseur Fechner beim Filmgespräch zitierte: „Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.“ (tm)

Quelle: op-online.de

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