Gandalf, Bard oder Frodo

„Hobbit-Tage“ in Münster - Mittelerde im Wanderheim

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Den Drachen Smaug zeigt die selbst gestaltete Wand, vor der Jens Götz und Rolf Tilly posieren. In den Händen halten sie Odo Proudfoot, das Maskottchen des Odenwälder Tolkien-Stammtischs.

Wer am Wochenende das Münsterer Wanderheim von „Frisch-Auf“ besuchte, konnte dort Gandalf, Bard oder Frodo über den Weg laufen. Erstmals fanden dort „Hobbit-Tage“ des Tolkienstammtisch statt.

Münster – Wer am Samstag auf Jessica Bauer blickt, bleibt automatisch mit seinen Augen an der 24-Jährigen hängen. Dafür sorgen ihre leuchtend rote Perücke, die im gleichen Ton gemalten Augenbrauen und am allermeisten die Ohren. Sie verlaufen – gegen die menschliche Natur – spitz nach oben. „Solche Ohren haben die Elben in Der Herr der Ringe und Der Hobbit“, erklärt die Mechatronikerin aus Mühltal bei Darmstadt. Sie selbst stellt die Wald-Elbin „Tauriel“ dar. Das dazu passende Gewand mit Fell ist zum Teil gekauft, zum Teil selbst gemacht. In den Romanen von J. R. R. Tolkien spielen Elben, Hobbits oder Trolle als menschenähnliche Wesen eine tragende Rolle. Die Verfilmungen von Peter Jackson förderte nachhaltig deren Bekanntheit und die der weiteren Hauptcharaktere.

Am Wochenende kamen die Fans des Autors und seiner Fantasiewelt Mittelerde auf dem Gelände der Münsterer Wandergesellschaft zusammen. Bis aus Worms erfolgte die Anreise, um sich bei den „Hobbit-Tagen“ auszutauschen. Wie bei den Anhängern von George Lucas‘ „Krieg der Sterne“ war Kostümierung nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Das eröffnete die einmalige Chance Gandalf, Bard oder Frodo über den Weg zu laufen.

Eingeladen hatte der Theodenwälder Tolkienstammtisch „Zum Hibbelische Gäulche“, dessen Name natürlich eine Anspielung auf das Werk des Erfolgsautors enthält. Jeweils jeden zweiten Samstag im Monat treffen sich die rund ein Dutzend Mitglieder zum Austausch im Brombachtal. Seit Gründung 2012 richtet man die „Hobbit-Tage“ aus. Das geschah zuvor auf der Veste Otzberg. Da die momentan saniert wird, ergab sich durch die Kontakte der Wanderer zu Rolf Tilly, der über Jahre die Veste betrieb und ebenfalls zum Tolkienstammtisch gehört, bei Frisch-Auf ein Ausweichquartier. Mitglieder der drei anderen Tolkien-Stammtische im Großraum Rhein-Main waren ebenso willkommen wie Fans. Auf alle warteten interessante Vorträge, ein Kostümwettbewerb, der Blick auf Sammlungen, die Möglichkeit zum Erwerb von Figuren und Fanartikel, ein Wissenquiz und weitere Spiel- und Unterhaltungsmöglichkeiten, die eine Verbindung zu den Romanen beinhalteten.

Über eine besonders reichhaltige Sammlung zum Thema verfügt der „Theodenwälder“ Jens Götz. Dazu zählen Masken, Münzen, Pfeifen, Zeichnungen und nicht zuletzt jede Menge Figuren. „Für das Geld hätte ich bestimmt auch einen Kleinwagen bekommen“, ist sich der 52-jährige Beamte aus Darmstadt sicher. Stellenweise gleicht sein Zuhause einem Museum. Mit 14 steckte er zum ersten Mal seine Nase in ein Tolkien-Buch. Sage und schreibe neunmal war er schon in Neuseeland, um die Original-Drehorte zu besuchen. Mit Rolf Tilly bewanderte er sieben Tage die Schweiz. Tolkien, der von 1892 bis 1973 lebte, holte sich einst im Alpenland Inspiration für seine Bücher. „Das Lauterbrunnental im Berner Oberland gleicht in den Beschreibungen dem Ort Bruchtal in Der Herr der Ringe“,weiß Tilly.

Ihre Begeisterung für den britischen Schriftsteller und seine „Mittelerde“ begründen Tilly und Götz damit, dass man sich dabei in Sachen Fantasie so richtig austoben kann. Das gelte sowohl für Kleidung als auch Filmgegenstände. So bauten beide ein riesiges Katapult samt Turm nach, mit dem im Buch auf den Drachen Smaug geschossen wird. Den Vorteil zu „Krieg der Sterne“ sehen sie darin, dass die Figuren bei Tolkien nicht so technisiert auftreten. Das Nachahmen der Kleidung – die dem Mittelalter-Look gleicht – sei leichter und lasse mehr Kreativität zu.

Zu den „Hobbit-Tagen“ nach Münster kamen mehrere Dutzend Besucher. Die Ausrichter vom „Hibbelische Gäulche“ bilden einen von etwa 30 Tolkien-Stammtischen in der Bundesrepublik. Sie sind im Dachverband Deutsche Tolkien Gesellschaft (DTG) mit rund 700 Mitgliedern verbunden. Die Tolkien-Tage stellen die jährliche Hauptveranstaltung dar. In Geldern am Niederrhein zogen sie dieses Jahr über 8 000 Besucher aus ganz Europa an.

Jessica Bauer alias Wald-Elbin „Tauriel“ liebt an Frodo und Co. den Tiefgang der Geschichten. Alles lässt sich nachvollziehen, was eine sehr ausgebaute und schlüssige Welt ergibt“, sagt sie. Trotzdem ist sie nicht auf J. R. R. Tolkien festgelegt. Sie fühlt sich im gesamten Fantasy-, Mystery-, Science-Fiction- und selbst im Comicbereich zuhause. Ihr Hobby sieht sie als Ausgleich zum Alltag. „Für mich passt alles, was über unsere normale Welt hinausgeht und weg von der Realität führt“, meint die 24-Jährige.

VON MICHAEL JUST

Quelle: op-online.de

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