Politik

CDU-Mann Thomas Heinz über die Rolle der Opposition : „Ich sage meine Meinung“

Seit 25 Jahren in der CDU: Thomas Heinz. Auch nach dem Wechsel des Ortsvorsitzes ist der 43-Jährige einer der wichtigsten Münsterer Christdemokraten. Foto: dörr
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Seit 25 Jahren in der CDU: Thomas Heinz. Auch nach dem Wechsel des Ortsvorsitzes ist der 43-Jährige einer der wichtigsten Münsterer Christdemokraten. 

Dass Thomas Heinz studierter Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Maschinenbau ist, glaubt er auch in seiner kommunalpolitischen Arbeit widergespiegelt zu sehen: „Ingenieure sind ja immer detailverliebt und präzise“, meint der 43-Jährige.

Münster – Seit 25 Jahren ist Heinz inzwischen Mitglied der CDU und prägt den Ortsverband Münster seit 2011 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender mit. Vier Jahre lang war er zudem Ortsvorsitzender. Seine christdemokratische Vita reicht im Grunde sogar noch weiter als ein Vierteljahrhundert zurück.

„Ich bin eigentlich schon mein ganzes Leben lang in der CDU“, scherzt Heinz, der aus Eschwege stammt. Im meist rot geprägten Nordhessen kämpfte schon sein Vater leidenschaftlich für die Schwarzen, „ich war bereits als Kind dabei, wenn er Wahlplakate geklebt hat“. Zur politischen Rebellion kam es in der Familie Heinz nicht, stattdessen stieg der Sohn peu à peu in die Fußstapfen des Vaters. 1991 trat er in die Junge Union ein, einige Jahre später in die CDU. Zunächst noch engagiert im Kreisverband Werra-Meißner, fand Thomas Heinz durch seinen Umzug nach Südhessen vor gut zehn Jahren schließlich zu Münsters Christdemokraten.

Als sich Heinz in der neuen Heimat erstmals eine Sitzung der Gemeindevertreter anschaute, sah er ein ungewohntes Bild: „In Nordhessen hat meist die SPD dominiert. In Münster habe ich damals mit der absoluten CDU-Mehrheit eine Traumsituation vorgefunden.“ Die ging ein paar Jahre später indes ebenso flöten wie das Bürgermeister-Amt. Aktuell heißt es: Opposition in der Gemeindevertretung – und neuer Anlauf auf den Rathaus-Chefsessel 2020. Dann wollen die Christdemokraten dem SPD-Bürgermeister Gerald Frank wieder das Amt abnehmen.

Mit welchem Kandidaten Münsters CDU das tut, dürfte sie frühestens diesen Herbst, vielleicht auch erst Anfang nächsten Jahres festlegen. Für Heinz ist jedenfalls klar, dass der Wahlsieg 2020 – und auch das Zurückgewinnen der absoluten Mehrheit bei den Kommunalwahlen 2022 – möglich ist: „Die CDU-Wähler sind in Münster da. Wir müssen sie nur abholen, sie mit unseren Botschaften erreichen und ihnen zeigen, dass wir es besser können.“

Seit Franks Wahl 2014 und besonders der Kommunalwahl 2017 mit der neuen Mehrheit für SPD und ALMA geht es in der Münsterer Politik recht konfrontativ zu. „Die persönlichen Angriffe gingen von der anderen Seite aus“, meint Heinz und nimmt seitens seines ziemlich forsch agierenden Fraktionschefs Thorsten Schrod „keine persönlichen Attacken“ wahr. Dass Schrod und auch er selbst von SPD und ALMA als größte Gegner in der CDU-Fraktion gesehen werden, führt Heinz darauf zurück, „dass SPD und ALMA wissen, dass wir beide uns in der Sache, mit der HGO, Gesetzen und Verordnungen auskennen, dass wir politische Erfahrung haben und ihnen somit gefährlich werden können. Mit uns lässt sich manches halt nicht so leicht machen.“

Trotzdem findet er: „Ich sage nicht nur geradeaus klar meine Meinung, sondern arbeite auch sehr sachorientiert.“ Mit der Selbstbeschreibung hält er sich ansonsten zurück, „das ist immer schwer, das sollen andere beurteilen“. Auf jeden Fall sei er „stolz darauf, nach der schwierigen Phase mit der verlorenen Bürgermeister-Wahl den Turnaround mit der CDU geschafft zu haben“. Als Erfolg wertet er den Fakt, dass die Christdemokraten 2017 die mit Abstand meisten Stimmen erhielten, auch wenn die Mehrheit im Kommunalparlament flöten ging.

Inzwischen hat Marcus Milligan den Vorsitz des Ortsverbands übernommen, Heinz ist in Münster aber weiter einer der wichtigsten CDU-Politiker. Was nicht immer der Vergnügungssteuer unterliegt, wie er es seinerzeit bei einigem Gegenwind als Vorsitzender des Akteneinsichts-Ausschusses zum „Haus der Kinder“ zu spüren bekam. Zugrunde liege aber stets der Antrieb, das Bestmögliche für die Gemeinde zu erreichen. „Dabei müssen wir immer im Blick haben, was leistbar ist“, betont Heinz mit Seitenhieb auf SPD und ALMA. „Wir nehmen in diesem Jahr fünf Millionen Euro Schulden auf. Das ist für Münster auf Dauer nicht finanzierbar.“

Zwar werde das Geld weitgehend „in Dinge gesteckt, wo wir was machen müssen“, räumt auch Heinz ein. Man dürfe aber „nicht alles Mögliche anfangen und es dann nicht fertigmachen“. Es ist neben dem vermeintlich verschwenderischen Umgang mit Geld und der zunehmenden Verschuldung Münsters einer der am häufigsten geäußerten Vorwürfe der CDU gen Bürgermeister und Koalition. Wohl wissend, dass manches zugespitzt daherkommen muss und die Wahl der verbalen Waffen nicht immer leicht fällt: „Machen wir als Opposition nichts, dann heißt es, die CDU schläft. Greifen wir an, heißt’s, die suchen Streit.“

 

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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