Nicht nur Motocross im Naturschutzgebiet

NABU verzeichnet zahlreiche Verstöße gegen Bestimmungen in Brut- und Setzzeit

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Das Naturschutzgebiet wird hier offensichtlich mit einer Motocrossstrecke verwechselt 

Allen mehrfachen Ankündigungen über die zur Brut- und Setzzeit vor allem in Naturschutzgebieten geltenden Vorschriften zum Trotz halten sich viele Zeitgenossen nicht daran. Dem Naturschutzbund Münster fallen derzeit besonders viele Verstöße auf.

Münster – Inge Teichmann fasste zusammen, was die rund zwei Dutzend Aktiven allein in den vergangenen Wochen im Dreieck von Münster, Altheim und Hergershausen so alles erlebten.

Der Frühling lockt jedes Jahr unzählige Besucher in die sehenswerten Naturschutzgebiete zwischen Münster, Altheim und Hergershausen. Am 1. März hat zum Schutz der Tiere die sogenannte Brut- und Setzzeit begonnen, in der besondere Verhaltensmaßregeln gelten, um die Tiere beim Brüten oder bei der Aufzucht ihrer Jungen möglichst wenig zu stören. Insbesondere sollten Fußgänger und Radfahrer die öffentlichen Wege nicht verlassen. Es muss auf brütende Vögel und mit der Aufzucht von Jungen beschäftigte Tiere, beispielsweise bei der Futtersuche, allergrößte Rücksicht genommen werden. Hunde müssen im gesamten Schutzgebiet angeleint bleiben, denn sie im Naturschutzgebiet frei laufen zu lassen, ist unverantwortlich und zu Recht eine Ordnungswidrigkeit.

Wie man sich in einem Naturschutzgebiet verhalten muss, steht übrigens auf den überall angebrachten Naturschutzschildern.

Die meisten Besucher kennen die Gebote und halten sich daran. Gleichwohl waren in den vergangenen Wochen einige besonders grobe Verstöße gegen das regelgerechte Verhalten in Naturschutzgebieten zu beobachten.

So verwechselten zwei Jugendliche das Naturschutzgebiet offenbar mit einem Motocross-Übungsgelände, indem sie mit ihrem „Feuerstuhl“ unter ohrenbetäubendem Lärm quer über Äcker und Wiesen tobten: cool! – für die Bodenbrüter unter den Vögeln indessen eine Art Super-GAU. Der Vorfall ist durch Foto belegt und wurde der Polizei angezeigt.

In einem anderen Fall meinte ein Hundeschlittenfahrer wohl, mit seiner flotten und zugleich rücksichtslosen Fahrt durch das – und sei’s auch schneefreie – Naturschutzgebiet den Yukon Quest nachempfinden zu müssen. Auch seine „wilde Fahrt“ ist belegt.

Dass einige Hundebesitzer hartnäckig gegen die Anleinpflicht aufbegehren, führt alljährlich zu manch unschönem Dialog mit den NABU-Beauftragten. Kann ja sein, dass der Hund wirklich „nur spielen“ oder „nichts machen“ will, wenn er munter hinter Kiebitzen, Enten, Gänsen und Störchen über die Wiese prescht. Schade nur, dass man das den geängstigten Wildtieren nicht vermitteln kann, und noch mal schade, dass das mit dem Spielen dann oft gar nicht stimmt und der Hund Frauchen oder Herrchen schlicht außer Kontrolle gerät und auch auf lautes Rufen nicht mehr reagiert. Wie denn auch, wenn er sich inzwischen Hunderte von Metern entfernt hat …

Ohne Regeln, die nichts mehr als verständnisvolle Rücksicht auf die Natur einfordern, deren Teil wir alle sind, kann Naturschutz nicht erfolgreich sein. 

tm

Quelle: op-online.de

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