300 Kursanmeldungen abgesagt

Regressansprüche zu Hallenbad prüfen

+
Gutachter Thorsten Meyer (Mitte) erläuterte Bürgermeister Gerald Frank, den Mitgliedern von Gemeindevorstand und Bauausschuss sowie den Fraktionsvorsitzenden vor Ort die Situation im Hallenbad. 

Das Hallenbad in Münster bleibt wegen gravierender sicherheitsrelevanter Mängel vorübergehend geschlossen.

Münster – Die politische Aufarbeitung beginnt direkt nach der Mängelfeststellung: Bei einer Begehung stellte der staatlich geprüfte Gutachter Thorsten Meyer Bürgermeister Gerald Frank, dem Gemeindevorstand, den Fraktionsvorsitzenden und Mitgliedern des Bauausschusses den Umfang der sichtbaren Probleme dar.

Zu bemängeln sind gleich zahlreiche Installationen, die entgegen geltenden DIN-Vorgaben im Hallenbad vorgenommen worden waren. Viele davon müssen bereits seit Jahrzehnten bestehen, so der Gutachter, doch: „in früheren technischen Prüfberichten gab es keine Beanstandungen“. Die Gemeinde Münster prüfe etwaige Regressansprüche, heißt es dazu jetzt aus dem Rathaus. Derweil richtet sich Bürgermeister Gerald Frank in einem offenen Brief mit einem dringlichen Appell schon mal an den hessischen Minister des Inneren und für Sport, Peter Beuth.

Normalerweise würden die Vorbereitungen im Hallenbad Münster derzeit auf Hochtouren laufen, um am kommenden Montag die Tore für Aquakurse, Schwimmunterricht und Breitensport nach der Sommerpause wieder öffnen zu können. Doch die Becken bleiben trocken, eine Öffnung ist aufgrund der Sicherheitsmängel nicht möglich. Bei der Begehung mit dem Sachverständigen der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main haben sich Mitglieder des Gemeindevorstandes und des Bauausschusses sowie die Fraktionsvorsitzenden vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Hinweise auf mangelnden Brandschutz

Dabei erläuterte Meyer die wichtigsten Punkte der Mängelliste. „Im Laufe der Jahrzehnte wurden etliche neue Leitungen verlegt, die alten, nicht mehr funktionstüchtigen aber oft nicht zurückgebaut. Viele Änderungen wurden nicht dokumentiert“, schilderte der Gutachter das Durcheinander. Es gab auch Hinweise auf mangelnden Brandschutz, der im Detail noch analysiert wird.

Fraglich bleibt, weshalb auf die offensichtlichen Mängel in früheren technischen Prüfungen nicht hingewiesen wurde. Ob Regressforderungen gegen die ausführenden Firmen möglich sind, lässt die Gemeindeverwaltung von einem Rechtsanwalt prüfen. Aufgrund der Mängel blieb der Gemeinde keine andere Möglichkeit, als den Schwimmunterricht und das Training sämtlicher Schulen, Kindergärten und Vereine sowie alle Kurse, für die bereits über 300 Anmeldungen vorlagen, zunächst bis Ende des Jahres abzusagen.

Wichtig ist es jetzt aber vor allem, in die Zukunft zu blicken. Mitte September – früher ließ es die Auftragslage der Handwerksbetriebe nicht zu – wird eine externe Fachfirma die Technik des Bades auf Herz und Nieren prüfen, um festzustellen, in welchem Umfang sich die notwendigen Instandsetzungsarbeiten im Detail bewegen werden, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Diese Erkenntnisse dienen dann als Entscheidungsgrundlage für die politischen Gremien, denn eine Entscheidung über die Zukunft des Hallenbades wird nicht in der Verwaltung, sondern in der Gemeindevertretung getroffen.

Erhalt verursacht enorme Kosten

Um auf die prekäre Lage des Hallenbades Münster aufmerksam zu machen, hat sich Bürgermeister Frank in einem offenen Brief an den hessischen Minister des Inneren und für Sport, Peter Beuth, gewandt und ihn zum Besuch in Münster eingeladen. „Etwa 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Schon heute haben etwa 25 Prozent der Grundschüler keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad, alle vier Tage schließt ein Bad für immer“, umreißt er darin die düstere Situation vieler kommunaler Bäder.

Die enormen Kosten, die der Erhalt des 60 Jahre alten Baus verursacht, stellen die Stadt Münster vor eine große Aufgabe. Die Schließung habe gravierende Auswirkungen auf die gesamte Region“, schreibt Bürgermeister Frank dem Minister. „Es zu erhalten und der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung zu stellen, ist unser großes Ziel. Aber hierzu brauchen wir dringend Hilfe“, leitet der Verwaltungschef sein Bittgesuch ein. Der Minister möge „den hohen Wert des Hallenbades in Münster (Hessen) für die gesamte Region anerkennen“ und einen Weg finden, um die kleine Kommune finanziell zu unterstützen.  

tm

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare