„Wir verstehen uns da als Avantgarde“

Seit einem Jahr bringt sich Klimaschutz-Manager in Münster ein

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Eric Maercker, seit einem Jahr Klimaschutz-Manager in Münster, mit einer der Kameras, die im Rahmen des Entega-Pilotprojekts LoRaWAN ständig die Daten von Strom- und Gaszählern filmen und die Daten an den Computer funken. In der Folge weiß die Gemeinde etwa fürs Rathaus genau, zu welcher Stunde wie viel verbraucht wird.

Die Gemeinde Münster hat, was anderen Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg fehlt – oder was sie wie in Dieburg gerade erst bekommen: einen Klimaschutz-Manager. Vor einem Jahr trat Eric Maercker seine zu 65 Prozent aus Bundesmitteln geförderte Vollzeitstelle im Rathaus an. Von Jens Dörr

Münster – Seither hat der 34-Jährige – flankiert vom schon länger bestehenden Münsterer „Energietisch“ – einiges in die Wege geleitet. Für mindestens vier weitere Jahre ist sein Einsatz in der Gersprenzgemeinde vorgesehen.

Die Voraussetzung für den erfolgreichen Förderantrag beim Projektträger Jülich hatte Münster vor 2018 mit seinem Klimaschutz-Konzept erfüllt. Anfang vergangenen Jahres nahm Maercker seine Arbeit auf. Der Groß-Umstädter studierte zunächst Energiewirtschaft an der Hochschule Darmstadt, sattelte später seinen Master („Zukunftssicher bauen“) an der FH Frankfurt drauf und arbeitete als Energieberater bei der Bayrischen Gesellschaft für Weinanbau sowie als Klimaschutz-Manager beim Odenwald-Kreis. Diese Funktion füllt er nun seit einem Jahr in Münster aus.

Der Klimaschutz solle dabei nicht als eine Art „Nice to have“ nebenher laufen, betont Bürgermeister Gerald Frank: „Das Thema war einer der Schwerpunkte in meinem Wahlkampf, deshalb ist es auch Chefsache.“ Kreisweit sei man als erste Kommune, die einen Klimaschutz-Manager eingestellt habe, Pionier: „Wir verstehen uns da als Avantgarde“, sagt der Sozialdemokrat. Mit dem lokalen Beitrag zur Energiewende beschäftigt sich die Gemeinde freilich schon länger: In der letzten Amtszeit von Franks Vorgänger Walter Blank (CDU) gründete die Gemeinde den „Energietisch“. Mit diesem Arbeitskreis setzte sich Münster etwa das Ziel, den Energiebedarf der öffentlichen Hand bis spätestens zum Jahr 2030 komplett aus erneuerbaren Energien zu decken.

Neben einem Mitglied der Münsterer Agenda-21-Gruppe und je einem Mitglied der drei Fraktionen in der Gemeindevertretung hat Rathaus-Chef Frank in Eric Maercker eine weitere Person des „Energietischs“ (der prinzipiell allen Bürgern zur Mitarbeit offen steht) ernannt. In den ersten zwölf Monaten hat der Klimaschutz-Manager einiges vorangebracht, vor allem aber wichtige Strukturen geschaffen, die so zuvor nicht existierten: „Der Klimaschutz-Prozess soll sich in den politischen Gremien und der Verwaltung verstetigen“, macht Maercker deutlich, dass er keine One-Man-Show betreiben, sondern den Klimaschutz in Münster nachhaltig implementieren möchte – auch für eine mögliche Zeit nach ihm und der Förderung.

An konkreten Projekten des ersten Jahres zählt Maercker auf: die Erstellung der Internetpräsenz www.klimaschutz-muenster-hessen.de (siehe Infokasten), die Planung der Radwege-Beleuchtung Münster-Eppertshausen, die weitere Elektrifizierung des Münsterer Fuhrparks, der Beitritt in das Klimabündnis „Hessen aktiv“, Öffentlichkeitsarbeit oder die umfangreiche Bestandsaufnahme zu den kommunalen Liegenschaften. „Vor allem mit Blick auf Fotovoltaik, Beleuchtung und Wärmeerzeugung schauen wir da, wo die Potenziale liegen“, so Maercker. „Die Analysen laufen oder sind bereits abgeschlossen.“

Werden schließlich Optimierungen durchgeführt, spare die Gemeinde nicht nur Kohlendioxid ein und leiste ihren Beitrag zum Klimaschutz. „Wir reduzieren damit auch die Betriebskosten – das ist eine Win-Win-Situation.“ Auf einem hohen Level der energetischen Effizienz bewege sich seit der jüngsten Sanierung beispielsweise die Kita „Im Rüssel“. Vor ein paar Wochen schaffte die Gemeinde ein zweites Elektrofahrzeug an, beim Hallenbad nutzt sie schon lange die Energie aus einem Blockheizkraftwerk. Der Münsterer Bauhof wird durch eine Hackschnitzelheizung erwärmt.

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Eine umfassende energetische Sanierung steht bekanntlich noch im Rathaus aus, wo das Dach schon gedämmt und teils auch neue Fenster eingesetzt wurden. „Unter anderem die Gasheizung müssen wir aber noch austauschen“, blickt Bürgermeister Frank voraus. „Um dieses Haus vollständig zu ertüchtigen, muss noch viel passieren.“ Konkret für 2019 geplant sind Heizungssanierungen im Altheimer Gustav-Schoeltzke-Haus sowie im Münsterer Friedhofsgebäude.

Eine bessere Messmethode der erwarteten positiven Auswirkungen unter anderem im Rathaus hat man derweil schon eingeführt: Weil Münster seit kurzem am Entega-Pilotprojekt „LoRaWAN“ teilnimmt, erhält es nun wesentlich detailliertere Daten, zu welcher Zeit im Rathaus wie viel Strom und Gas verbraucht wird. Früher las die Gemeinde – wie jeder Privathaushalt – lediglich einmal pro Monat die Daten von den Zählern ab. Nun werden die Zählerdaten ständig gefilmt und per Funk in den Computer übertragen. Vor dem Bildschirm zieht Klimaschutz-Manager Eric Maercker seine Schlüsse – und Münster kann wieder ein bisschen besser Energie sparen und den Gemeindesäckel schonen.

Quelle: op-online.de

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