Wasser aus langer Leitung für Seen

Ungewöhnliche Maßnahmen wegen Folgen der Waldbrände an Muna

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„Wasser marsch“ hieß es beim Startschuss für die Auffüllung der Seen. Kläranlagen-Leiter Kilian Huther, Bernd Suderleith (ZVG), Manfred Meindl (Angelspotverein Münster), Jens Kunkel (ZVG) und Jürgen Schütz (ZVG) leiten den ersten Schwung Wasser in den Bitzensee ein.

Die Folgen des Waldbrandes in der Tongrubenschneise bei Breitefeld zwischen dem 30. Juni und 4. Juli beschäftigen die Freiwillige Feuerwehr und die Gemeinde Münster weiterhin intensiv.

Münster – Da für den Großeinsatz auch viel Wasser aus dem Bitzensee und dem See am Freizeitzentrum entnommen wurde und beide Gewässer als Löschwasser-Reservoire stets zur Verfügung stehen müssen, wird voraussichtlich über die kommenden zwei bis drei Wochen hinweg rund um die Uhr Wasser aus dem alten Wasserwerk bei Breitefeld in die Seen gepumpt. Nun heißt es: „Wasser marsch!“.

Elf Millionen Liter wurden für den Großeinsatz der Feuerwehren beim Waldbrand bei Breitefeld benötigt. Für solch große Mengen reicht das Hydrantennetz allein nicht aus. Deshalb wurden zur Feuerbekämpfung auch der Bitzensee und der See am Freizeitzentrum angezapft. „Ganze fünf Millionen Liter wurden ihnen für den Einsatz entzogen“, berichtet Gemeindebrandinspektor Florian Kisling – bis zu einem Wasserstand, bei dem sich die Pumpen von allein ausschalten, um den Fischbestand nicht zu gefährden.

Seen mit Grundwasser wiederaufgefüllt 

Da beide Gewässer im Falle eines Brandes stets als Löschwasser-Reservoire zur Verfügung stehen müssen und um den niedrigen Wasserstand zu beheben, werden die Seen jetzt mit Grundwasser wiederaufgefüllt.

Deshalb war nun erneut ein Aufgebot der Freiwilligen Feuerwehr Münster mit Unterstützung aus Griesheim und Pfungstadt im Wald im Einsatz, um die logistischen Voraussetzungen zu schaffen. Acht Fahrzeuge mit 27 Feuerwehrleuten waren angerückt, um eine über ein Kilometer lange Schlauchleitung vom alten Wasserwerk in Breitefeld bis zum Bitzensee zu verlegen. Da dabei auch ein von Radlern und Spaziergängern häufig genutzter Waldweg gequert werden musste, stellte die Feuerwehr Griesheim den Münsterer Kollegen eine Schlauchbrücke zur Verfügung.

Nicht nur Wege, sondern auch etliche bürokratische Hürden gab es zu überwinden, denn zunächst war nicht ganz klar, von wo man das Wasser für die Auffüllung der Seen entnehmen kann, zudem bedarf es dazu grundsätzlich Genehmigungen von der Oberen Forstbehörde und der Oberen Wasserbehörde. Die Gemeinde verhandelte mit den zuständigen Abteilungen des Regierungspräsidiums und des Landkreises zunächst darüber, ob Wasser aus der Gersprenz entnommen werden kann. Doch der Wasserstand dort ist extrem niedrig. Es sah also zunächst danach aus, als müsse man die Seen mit Trinkwasser wiederauffüllen, was eine teure Angelegenheit geworden wäre, denn ein Kubikmeter Trinkwasser kostet rund 1,70 Euro. Bei der benötigten Menge wären rasch über 10 000 Euro zusammengekommen.

Altes Wasserwerk hat noch funktionierende Pumpen und Zugang zu Grundwasser

Doch der Leiter der Münsterer Kläranlage, Kilian Huther, hatte eine bessere Idee: Das alte Wasserwerk in Breitefeld wurde zwar bereits 2010 stillgelegt, doch es verfügt noch über funktionierende Pumpen und direkten Zugang zum Grundwasser. Die Gemeinde spart mit dieser Lösung also nicht nur sehr viel Geld, sondern die Münsterer Feuerwehr schont auch ihre eigenen Pumpen, die sie im Falle einer Wasserentnahme aus der Gersprenz hätte einsetzen müssen. „Eine Win-Win-Situation für uns alle“, hebt Bürgermeister Gerald Frank hervor.

Seit vergangenen Donnerstag schießen nun täglich bis zu 330 Kubikmeter Wasser über die lange Leitung in den Bitzensee. Nach etwa zwei Wochen wird die Schlauchleitung verlegt, um dann den benachbarten See am Freizeitzentrum aufzufüllen.

Tatkräftige Unterstützung

„Wir sind allen Helfern der Freiwilligen Feuerwehren Münster, Griesheim und Pfungstadt, dem Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg und unserem Kläranlagen-Leiter Kilian Huther sehr zu Dank verpflichtet. Dank ihrer tatkräftigen Unterstützung kann der Löschwasser-Notstand verhindert werden“, betont Bürgermeister Frank.

Neben den beiden Seen wurden zur Feuerbekämpfung auch zwei Krater-Seen auf dem Munagelände angezapft, die nach dem Krieg durch Sprengstoff-Sprengungen entstanden sind. Diese werden jedoch nicht wieder aufgefüllt. Sie sind so tief, dass sie durch Grundwasser gespeist werden.  

tm

Quelle: op-online.de

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