Prozess

Urteile nach Überfallserie auf Spielhallen und Getränkemarkt

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Urteile nach Überfallserie auf Spielhallen und Getränkemarkt

Bereits am zweiten von ursprünglich drei angesetzten Verhandlungstagen ist das Urteil im Fall der fünf vor Gericht stehenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Ober-Ramstadt, Münster und Michelstadt gefallen. 

Darmstadt/Münster/Eppertshausen/Groß-Zimmern – Die längste Strafe wurde von Richter Jens Aßling für den Münsterer ausgesprochen, der für vier Jahre und neun Monate in Haft muss. Der Groß-Umstädter bekam nach Einheitsjugendstrafrecht drei Jahre Gefängnis, der Groß-Zimmerner ebenfalls nach Einheitsjugendstrafrecht zwei, da sie beide zum Tatzeitpunkt noch minderjährig waren. Grund für die im Vergleich zu den beiden anderen Tätern hohen beziehungsweise harten Strafe ist, dass sie in der Vergangenheit bereits mehrfach auffällig geworden sind und teils auch gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben.

Der nach wie vor minderjährige Michelstädter wurde mit zwei Jahren bestraft. Die können allerdings auf Bewährung ausgesetzt werden, sofern er – wie von seinem Verteidiger vorher erklärt – ab sofort bei dem neuen Arbeitgeber anfängt, bei dem er ab August eine Lehre beginnt. Zugute kam allen vier, dass sie sich von Beginn an geständig zeigten. Der Ober-Ramstädter wurde zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt.

Beim Ober-Ramstädter war, wie berichtet, bis zuletzt unklar, ob er überhaupt an der Tat beteiligt gewesen war. Beim Überfall des Groß-Umstädters und des Groß-Zimmerners auf einen Getränkemarkt in Reinheim, in dem der Ober-Ramstädter zum Tatzeitpunkt als Kassierer gearbeitet hat, soll dieser in das Vorhaben eingeweiht gewesen sein und das Geld absprachegemäß herausgegeben haben. Richter Aßling und auch die Staatsanwaltschaft waren von seiner Beteiligung überzeugt. Dass die vier anderen ihn nur beschuldigt hätten, um „besser wegzukommen“, wie es der Verteidiger des Ober-Ramstädters vermutete, sah Aßling nicht als bestätigt: „Dann hätten sie die Schuld auch ganz auf ihn schieben können.“ Außerdem wäre es „idiotisch“ gewesen, wenn der Groß-Zimmerner jemanden überfallen hätte, der ihn erkennen könnte. Und das wäre bei ihm und dem Ober-Ramstädter, die eine Zeit lang zusammen in einer Wohnanlage gelebt haben, der Fall gewesen.

Daran änderte auch das Plädoyer des Verteidigers nichts, der die Beteiligung seines Mandanten nicht bestätigt gesehen hatte. Auch dass der Ober-Ramstädter nach dem Überfall seinen abgesprochenen Anteil nicht bekommen hatte, weil die anderen Täter „es vergessen haben“, sah er als Bestätigung der Unschuld seines Mandanten.

Der Überfall auf den Getränkemarkt war nur der erste von dreien. Während der Groß-Zimmerner und der Ober-Ramstädter sich nur an der ersten Tat beteiligt hatten, waren der Münsterer – er kundschaftete jeweils die Umgebung aus und fuhr den Fluchtwagen – und der Groß-Umstädter auch an den beiden weiteren Raubüberfällen auf Spielhallen in Eppertshausen und Groß-Zimmern beteiligt. Dabei unterstützte sie noch der Michelstädter. Insgesamt kam bei den drei Überfällen eine Beute von fast 60 00 Euro zusammen.

Zugute hielt Richter Aßling den Tätern auch, dass sie vor der Tat nicht wussten, was sie den Geschädigten angetan haben. Es sei schlimm „was mit ihnen passiert“ und appelliert dabei nicht nur an das Gewissen der Täter. Er hoffe auch, dass sich mögliche Nachahmungstäter vorher überlegen, was mit den Überfallenen psychisch passiert.

VON LARS HERD

Quelle: op-online.de

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