Jochen Stork betreut deutsche Fußballfans bei WM

Münsterer mit Endspielkarte

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Der Münsterer Jochen Stork, der auch einen brasilianischen Pass besitzt, wird bei der WM hautnah dabei sein.

Münster - Ab morgen schaut die ganze Welt nach Brasilien, wenn dort die Fußball-WM beginnt. Ein echter Kenner des südamerikanischen Landes kommt aus Münster: Jochen Stork reiste vor 25 Jahren das erste Mal nach Rio, danach wurde das Land zu seinem Zweitwohnsitz. Von Michael Just 

In Recife, einem Spielort der deutschen Mannschaft, fand er das familiäre Glück, weshalb er dort jedes Jahr viel Zeit verbringt. Für die WM hilft er nun deutschen Fans, sich in Brasilien zurechtzufinden. Wir haben Jochen Stork, der in der Baubranche tätig ist, über seine Aufgabe, die derzeitigen Proteste im Land sowie die Chancen des deutschen Teams befragt.

Wie kam der Kontakt mit der Fanbetreuung zustande?

Mein Bruder hat bei der letzten Fußball-WM in Südafrika einen offiziellen DFB-Fanbetreuer aus Leipzig kennengelernt. Als es um die nächste WM ging, sagte ihm mein Bruder, dass sich in seiner Familie jemand mit Brasilien gut auskennt. Der Sven, wie der DFB-Betreuer mit Vornamen heißt, hat mich dann kontaktiert, ob ich ihn unterstützen könnte. Dafür kam er sogar zwei Tage nach Münster.

Wie groß ist die Gruppe, die Sie betreuen werden?

Sie umfasst rund 90 Personen. Die Leute kommen aus ganz Deutschland. Aus Münster sind mein Bruder und zwei Freunde von ihm ebenfalls dabei.

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Wie sieht Ihre Aufgabe speziell aus?

Unter anderem helfe ich bei der Sprache. Wer Portugiesisch beherrscht, hat es einfacher und spart viel Geld. Fremde bezahlen schnell das Doppelte und Dreifache des normalen Preises, erst recht bei der WM, an der alle verdienen wollen. Bei der Buchung von Unterkünften, wie etwa den Pousadas in Salvador oder Recife, oder bei der Beschaffung von zwei großen Fanbussen konnte ich helfen. Vor Ort wird es dann noch Tipps von mir zum Ausgehen oder zur Sicherheit geben.

Apropos Sicherheit - In den Medien ist immer wieder von erhöhter Kriminalität in Brasilien die Rede. Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein?

Für die WM gewähren die Gastgeber ein Höchstmaß an Sicherheit. Es wird unzählige Polizisten in Uniform und Zvil geben, alle großen Straßen sind videoüberwacht. Die meisten Fans sind sicher. Bei Einbruch der Dunkelheit sollte man aber trotzdem aufpassen, wo man sich bewegt und immer mal einen Blick hinter sich werfen.

Maracana: Das WM-Stadion des Finals

Sind Sie schon einmal überfallen worden?

Ja, das ist vorgekommen. Bei Überfällen wird aber nur gedroht, niemand will einen umbringen. Für einen solchen Fall sollte man etwas Kleingeld separat bereithalten. Schlimmer kann es für jene enden, die sich wehren und unbedingt den starken Mann spielen wollen.

Wie gefährlich sind die Massenproteste und Demonstrationen für die Fans?

Sie sind weniger gefährlich, da sie sich ausschließlich gegen die Regierung richten. Viele Menschen können nicht verstehen, dass Millionen für die WM ausgegeben werden, es aber kein Geld für Krankenhäuser und Schulen gibt. Das beste Beispiel ist das Stadion im Regenwald in Manaus, das hauptsächlich nur der WM dient. Besser wäre es gewesen, statt der zwölf Spielstätten nur acht zu bauen und dafür in diesen Stadien öfter zu spielen. Zum Unmut trägt auch die Korruption im Land bei: Für die WM sollten neue Straßen gebaut werden, was aber nicht immer geschah. Das Geld ist trotzdem verschwunden.

Rechnen Sie während der WM mit weiteren Protesten?

Ja. Wer auf die Straße geht, der weiß, dass das in die ganze Welt ausgestrahlt wird. Diese Bühne dürfte nicht ungenutzt bleiben.

Sie haben selbst höherklassig Fußball gespielt: Wie groß schätzen Sie die Chancen der DFB-Elf ein?

Ich gehe davon aus, dass wir es bis ins Finale schaffen. Beim Eröffnungsspiel gegen Portugal rechne ich mit einem Sieg, schwieriger dürfte es gegen Ghana werden. Die Afrikaner werden kämpfen bis zum Umfallen, dazu haben sie bei der Hitze entscheidende Vorteile, was jetzt noch unterschätzt wird.

Da Sie Karten bis zum Endspiel haben, müssen Sie ja ohnehin optimistisch auf den Finaleinzug von Jogis Jungs sein.

Ich habe schon frühzeitig ein Kartenpaket bei der Fifa gekauft. Wenn die Deutschen nicht weiterkommen, lassen sich die Karten ab Viertelfinale zurückgeben. Der Flug nach Porto Alegre zum Achtelfinale ist ebenfalls schon gebucht. Wenn unsere Jungs nicht Gruppenerster werden, wären hier 200 Euro verloren. Das gehört zum Risiko, das viele Fußball-Fans bei so einem Turnier eingehen.

Für Kurzentschlossene: Können Sie Fans raten, noch spontan nach Brasilien zu fliegen?

Nur wenn man bereit ist, viel Geld auszugeben. Südafrika war vor vier Jahren ein Schnäppchen, da gab es die Endspielkarte für 130 Euro. Für das fußballbegeisterte Südamerika wollte der offizielle Verkauf der Fifa nun für die Finalkarte schon 520 Euro haben. Bereits letztes Jahr galt das Spiel als ausverkauft. Jetzt sind bei einer umstrittenen Ticketbörse im Internet plötzlich doch noch Karten für das Maracana-Stadion am 13. Juli aufgetaucht. Die Preise sind astronomisch: Für Kurvenplätze werden 4 000 Euro verlangt, für die Top-Kategorie bis zu 30.000 Euro.

Quelle: op-online.de

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