Pures Vergnügen in drei Akten

Bei „Kriminelle Senioren“ haben Frauen von Spectaculum auch die Hosen an

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Als „kriminelle Senioren“ standen die Damen der Theatergruppe Spectaculum am Wochenende auf der Bühne.

Beim Blick auf die Geschichte der ungewöhnlichen Theatergruppe kommen sogar die Akteure selbst ins Staunen: „Nächstes Jahr gibt es uns wirklich schon 25 Jahre“, sagt Inge Fiedler. Ein Jubiläum steht also bevor, doch die Schauspielerinnen sehen es locker.

Münster – Ein Jubiläumstheaterstück ist bisher nicht geplant, denn jedes Theaterjahr ist doch irgendwie etwas ganz Besonderes.

Die Gruppe „Spectaculum“ besteht aus 14 Schauspielerinnen, sie ist also eine reine Frauensache. Auf der Bühne ist das nicht immer sofort erkennbar, denn in jedem Stück, das die Damen aufführen, gibt es auch „Hosenrollen“. Damit sind jene Rollen gemeint, die eigentlich von Männern gespielt werden sollten.

Doch die Darstellerinnen von „Spectaculum“ sind einfallsreich und schauspielerisch so begabt, dass sie auch in den Rollen eines Theo, Hans oder Oskar brillieren. Dorle Schreiber beispielsweise hat in fast jeder Aufführung die Hosen an. „Der Bart kitzelt nicht, er ist nur aufgemalt“, verrät sie am Premierenabend in einer Pause zwischen zwei Akten. Schreiber ist schon bald nach ihrer Gründung zur Theatergruppe gekommen und entsprechend bühnenerfahren.

„Damals wurde für ein Stück jemand gesucht, der sächsisch spricht, und damit kann ich dienen“, sagt sie schmunzelnd. Auch im aktuellen Stück, in dem sie Hans Mauser spielt, fehlt ihr typischer Akzent nicht. Mit Bart, Perücke und Lederjacke wirkt sie wirklich etwas burschikos. Auch Fiedler hat eine Hosenrolle in dem Stück „Kriminelle Senioren“ aus der Feder von Walter G. Pfaus.

Trügerische Idylle: Beim Sockenstricken planen die Senioren den Überfall auf einen Geldtransporter.  Fotos: zeta

Im Laufe der vergangenen 24 Jahre habe sich ein Stammpublikum gebildet, das kaum eine Aufführung verpasst. „Sie wissen, was sie erwartet, wenn sie zu unseren Aufführungen kommen“, sagt Fiedler. Also: Pures Vergnügen in drei Akten, großer Spielfreude auf der Bühne, die schnell auf die Zuschauer überspringt und ein gemeinsames, geselliges Erlebnis. Auch bei der Jugend scheinen die Auftritte von „Spectaculum“ gut anzukommen, denn bei der Premiere des aktuellen Stücks sitzen viele junge Erwachsene im Publikum.

Neben den ausschließlich weiblich besetzten Rollen gibt es weitere Besonderheiten der Theatergruppe. Beispielsweise braucht das Ensemble keinen Regisseur. „Die Regie übernehmen wir gemeinsam“, erzählt Fiedler. Jede Darstellerin achte genau auf ihre eigene, aber auch auf die Rollen der anderen Schauspielerinnen. Gemeinsam werde so lange am Stück gearbeitet, bis alles passt. Das Team sei nach fast einem Vierteljahrhundert bestens eingespielt und neue Darstellerinnen würden schnell freundschaftlich in die Gruppe aufgenommen.

Natürlich ist nach der Aufführung vor der Aufführung. Im Frühjahr suchen die Schauspielerinnen ein Stück aus, das leicht und komödiantisch sein soll. Zu viele Männerrollen darf es nicht enthalten, aber auch nicht nur mit Frauen besetzt sein. Möglichst viele der 14 Akteurinnen sollen einen Auftritt haben. Ist all das geklärt, geht es ans Proben.

Auch die Proben für die „Kriminellen Senioren“ begannen schon im Frühsommer. Das vergnügliche Theaterstück handelt von einer Gruppe rüstiger Rentner, die im Seniorenwohnheim „Sonnenbühl“ äußerst kreativ der drohenden Langeweile entgegenwirken. Die kleinen Streiche, die sie immer wieder aushecken und die von Schwester Gerda (Ulrike Korb) gegenüber der Heimleitung glattgebügelt werden müssen, sind nur das Vorspiel für den großen Coup.

Denn Laura (Anneliese Kreher), Anita (Michele Brenncke-Gosse), Sonja (Jasmina Osinski) und Arno (Brigitte Wagner) planen, einen Geldtransporter zu überfallen. Natürlich kommt alles ganz anders und freilich gibt es eine Reihe von Missverständnissen und turbulenten Irrtümern. Zwei bejubelte Aufführungen am Wochenende bewiesen, dass die Damen von „Spectaculum“ auch nach fast 25 Jahren noch für jede Menge Spektakel zu haben sind.  

zeta

Quelle: op-online.de

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