Tuch zwischen Gemeinde und Träger zerschnitten

Gersprenz-Kita: AWO kündigt Trägerschaft

Für die „KiTa an der Gersprenz“ geht es zumindest bis September im ehemaligen Jugendzentrum weiter. Die rund 50 Kinder sollen später an den nächsten Übergangsstandort - ins Hallenbad - wechseln.
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Für die „KiTa an der Gersprenz“ geht es zumindest bis September im ehemaligen Jugendzentrum weiter. Die rund 50 Kinder sollen später an den nächsten Übergangsstandort - ins Hallenbad - wechseln.

Eltern fordern jetzt  Hilfe und kritisieren Betreiber und Gemeinde. Ein Umzug ins Hallenbad ist geplant.

Münster – „Unser Kindergarten braucht dringend Hilfe!“: So titelt der Elternbeirat der „Kita an der Gersprenz“ ein Schreiben an unsere Zeitung. Die AWO family gGmbH als Betreiber der Kindertagesstätte hat die Trägerschaft aufgekündigt. Darüber hat die Kita-Leitung die Eltern der rund 50 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren am Freitag informiert. Die AWO, die bis Redaktionsschluss keine Stellungsnahme abgab, begründet ihren Schritt offenbar mit unklaren Perspektiven. Auf Nachfrage schuf die Gemeinde am Montag aber mehr Klarheit.

Derzeit ist die Kita im ehemaligen Jugendzentrum (JuZ) vis-à-vis des Wanderheims untergebracht, was seit 2017 als Provisorium gedacht ist. Grundsätzlich könnte die Kita einen Neubau auf dem Frankenbach-Gelände erhalten; ein Neubau am JuZ ist Bürgermeister Gerald Frank (SPD) zufolge nicht möglich, weil es sich um Überschwemmungsgebiet handelt.

Demnächst soll für die Kita eine neue Übergangslösung geschaffen werden: Sie soll in Räume des Hallenbads umziehen, die bislang der Landkreis für die Betreuung von Kindern der Kennedy-Grundschule angemietet hat. Die AWO scheint aber Klarheit darüber zu vermissen, wann der Umzug ins Hallenbad vonstatten gehen soll und wie lange die Kita an dem neuen Standort betrieben werden kann. Schließlich soll das Hallenbad saniert und zur langfristigen Baustelle werden. Der Kita-Elternbeirat erinnert daran, dass ihm von der Gemeinde bereits für 2019 ein Neubau für die Gersprenz-Kita in Aussicht gestellt worden sei, „inklusive Erweiterung der Ü3- und U3-Betreuung“.

Doch befinde man sich auch 2020 noch im „eigentlich nicht geeigneten Gebäude, bei dem erst im vergangenen Sommer die Bar des alten JuZ entfernt wurde“. Es gibt dort „auch nur wenige Toiletten in einem Container, die für eine Gruppe nur über die Treppe erreichbar ist“. Die Erzieherinnen hätten es zwar „trotzdem geschafft, mit viel Liebe, Ideen und Engagement schöne Räume für die Kinder zu schaffen“. Nun liefen Ende Juni aber Pachtvertrag und Betriebserlaubnis für das Gebäude aus, das dann aufgrund des mangelhaften Brandschutzes nicht mehr als KiTa genutzt werden könne.

Bislang vermisst der Elternbeirat offizielle Informationen seitens der Gemeinde und auch der AWO, wie es weitergeht. Vom Umzug ins Hallenbad hätten die Eltern nur auf inoffiziellem Weg erfahren. Die dortigen Räume sieht der Elternbeirat als „geeignet“ an, wünscht sich aber mit Blick auf die eigenen Kids „ein wenig Verlässlichkeit“. Dann kam die Info der AWO-Kündigung hinzu.

Die AWO hatte bislang keine Betriebserlaubnis für die neuen Räume im Hallenbad beantragt, obwohl die Gemeinde mit der AWO über den Umzug schon seit einigen Monaten spricht. Offenbar sind definitive Aussagen über den Starttermin der Kita im Hallenbad und die Dauer des dortigen Verbleibs seitens der Gemeinde sowohl gegenüber der AWO als auch dem Elternbeirat nicht erfolgt. Die Eltern kritisieren jetzt nicht nur das Rathaus, sondern auch die AWO als (scheidenden) Träger der Kita: „Die Gemeinde sowie jetzt auch die AWO haben sich in den letzten Wochen und Monaten weder als besonders mitteilsam noch als zuverlässiger Partner erwiesen.“

Entsprechend sind die Eltern nun „in großer Sorge um die Kindergarten-Zukunft unserer Kinder“. Ein großer Teil sei erst im letzten Jahr eingewöhnt worden. Jetzt befürchte man, dass die KiTa-Gemeinschaft „auseinandergerissen“ werde. „Eine weitere Eingewöhnung für die vielen neuen Kinder wäre eine Zumutung.“

Die wichtigste Frage nun, neben jener grundsätzlichen nach notwendigen Neubau: Ab wann und durch wen werden die rund 50 Kinder der „Kita an der Gersprenz“ in der Interims-Kita im Hallenbad betreut – oder geht es doch noch ein bisschen länger im Jugendzentrum weiter? Die Eltern stehen vor einem Rätsel: „Uns wurde zwar die Weiterführung der Betreuung zugesagt, aber nicht in welcher Form. Unsere Sorge dreht sich auch um die Erzieher, die ohnehin oft gewechselt haben und die natürlich wichtige Bezugspersonen für die Kinder sind.“

Bürgermeister Gerald Frank bestätigt Gespräche zwischen Gemeinde und AWO, in denen auch geklärt werden soll, inwiefern die Belegschaft – bisher von der AWO beschäftigt – in den Dienst der Gemeinde als potenziellen neuen Träger wechseln können und wollen. Der Rathaus-Chef, der noch bis Anfang Oktober die Amtsgeschäfte führt, verspricht: „Es ist gewährleistet, dass es keine Lücke in der Betreuung gibt.“ Die Eltern hätten weiter einen Platz für ihr Kind sicher. Für den Betrieb der KiTa durch die Gemeinde spreche, „dass die Gemeinde es günstiger machen kann“.

Mit Blick aufs Kita-Kapitel im Jugendzentrum kritisiert Frank seine Vorgänger: „Es ist fürs Juz nie eine Umnutzung gemacht worden.“ Als man sich 2018 mit einem Neubau beschäftigte und sich mit der Bauaufsicht austauschte, sei herausgekommen, dass schon die Nutzung des Gebäudes als Jugendzentrum formal nicht korrekt gewesen sei. Von der AWO, die die Eltern am Freitag ohne sein Wissen über die Kita-Leiterin von der Kündigung informieren ließ, ist Frank „enttäuscht: Ich bin sprachlos, wie wenig ein Vertrauensverhältnis wert ist.“

Nun scheint das Tuch zwischen Gemeinde und Träger zerschnitten. Die Eltern, die eine „Zuschieberei der Verantwortung“ beklagen, brauchen nun klare Antworten.

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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