Kurzstreckensprinter aus Polen

Neue Züge für Dreieichbahn: Mehr Komfort, aber Unmut über Geräuschkulisse

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Ein Pesa-Sprinter rumpelt über die Gersprenzbrücke und erreicht kurz darauf den Bahnhof Münster.

Seit Anfang Februar setzt die Bahn sukzessive neue Dieseltriebzüge zwischen Dieburg, Ober-Roden und Frankfurt Hauptbahnhof ein.

Münster – Mehr Platz, mehr Power und neuen Komfort bieten die in Polen gebauten Fahrzeuge den rund 7000 Pendlern, die werktäglich auf der Strecke unterwegs sind, erklärt der RMV auf seiner Homepage.

Eine Stärke der sogenannten Pesa Link-Fahrzeuge ist ihre Antriebstechnik, die aus ihnen spurtstarke Triebzüge macht. Dies ist gerade auf eingleisigen Streckenabschnitten, wo unterwegs immer wieder die Züge kreuzen müssen, wie eben auf der Dreieichbahn von Vorteil, da sie einen stabileren Betriebsablauf gewährleisten.

Die Bahnlinie zwischen Dieburg, Ober-Roden und Offenbach wurde bereits 1896 eingeweiht. Der Streckenast von Ober-Roden bis Buchschlag konnte ab 1905 befahren werden. Somit pendelten jahrzehntelang Züge zwischen Dieburg, Münster und Offenbach und Richtung Buchschlag musste häufig umgestiegen werden. Nachdem die S-Bahn durch den Rodgau bis Ober-Roden am 14. Dezember 2003 in Betrieb ging, verlagerte sich der Durchgangsverkehr auf die Dreieichbahn und seit Juli 2016 fahren viele Züge im Berufsverkehr in rund 45 Minuten direkt zum Frankfurter Hauptbahnhof und abends zurück.

Endgültig eingesetzt werden nach der Umstellung drei zweiteilige und sieben dreiteilige Dieseltriebzüge, die bei Bedarf miteinander gekoppelt werden können. Die Innenausstattung entspricht dem heutigen Standard, der an solche Fahrzeuge gestellt wird. Das sind breite Türen und ebene Ein- und Ausstiege. Eine manuell vom Zugpersonal ausfahrbare Rampe ermöglicht auch Kinderwagen und Rollstühlen den barrierefreien Zutritt. Wesentlich mehr Platz bietet das Fahrzeug für Fahrräder. Insgesamt zwölf Stellplätze teilen sich Radler und Kinderwagen. Auch das Sitzplatzangebot ist wesentlich größer als bisher. Der zweiteilige „VT 632“ bietet 240 Plätze und der dreiteilige „VT 633“ stellt sogar 356 Plätze zur Verfügung, was gegenüber den rund 100 Plätzen in den alten Fahrzeugen eine enorme Steigerung bedeutet. Ergänzt wird dies noch durch eine geräumige WC-Kabine mit Wickeltisch.

Im April verstärken drei weitere Pesa-Links die Flotte und ab August sollen alle zehn Züge im Einsatz sein. Sie werden die Fahrzeuge älterer Bauart auf der Dreieichbahn nach und nach ablösen.

Nun ist aber schon nach den ersten Einsatzwochen der Fahrzeuge der Unmut vieler Reisender und Anwohner an der Bahnlinie laut geworden. Der Geräuschpegel vorbeifahrender Züge sei unzumutbar, so beklagen sich anliegende Bewohner und auch im Fahrzeug sei es die Klimaanlage, die einen Höllenlärm verursacht.

Diese Fahrzeuge fahren schon seit November auch im Sauerlandnetz zwischen Dortmund, Iserlohn und Winterberg. Eine Anfrage bei den Kollegen des „Sauerlandkuriers“ ergab, dass dort keine Beschwerden oder Leserbriefe über Geräusche vom Triebwagen eingegangen sind, so zumindest die Kurier-Redaktion im Kreis Olpe. Nun liegt es an den DB-Werkstätten und am polnischen Hersteller, die noch zu liefernden Fahrzeuge in einem untadeligen Zustand bereitzustellen.

Von Walter Kutscher

Lesen Sie dazu auch: Dreieichbahn - DB-Pressestelle bekundet Bedauern und gelobt Besserung - Außerdem: Kein Ende der Pannenserie bei der Dreieichbahn - Sowie: Anwohner sind von neuen Zügen genervt

Quelle: op-online.de

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