Kritik an Informationspolitik

Linden an der Hauptmann-Straße fallen: Bürger sind sauer 

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Beim Ortstermin zur geplanten Fällaktion in der Gerhart-Hauptmann-Straße unter anderem mit Bürgermeister Gerald Frank (Mitte) bemängelten Anwohner die Informationspolitik des Rathauses.

Münster – Nach Beschwerden von Anwohnern der Gerhart-Hauptmann-Straße haben sich Bürgermeister Gerald Frank (SPD), weitere Vertreter der Verwaltung sowie Jan Stemme (ALMA) vom Gemeindevorstand mit Bürgern zum Austausch vor Ort getroffen.

Stein des Anstoßes ist nicht nur das Vorhaben der Gemeinde, im Bereich der Hauptmann-Straße zwischen Austraße und Georg-Büchner-Straße in diesen Tagen zehn Linden zu fällen. Auch die Informationspolitik des Rathauses stieß einigen Bürgern auf.

Dies wurde im Vorgespräch mit unserer Zeitung ebenso deutlich wie beim Treffen selbst. Wobei die Sachlage eindeutig ist: Die meisten der Linden stehen auf der südlichen Straßenseite – und sind dort einst über der Gas- und der Wasserleitung gepflanzt worden. Ein „Fehler aus der Vergangenheit, damals wusste man es nicht besser“, räumte Frank ein. Die Wurzeln gefährden durch ihr Wachstum allerdings nicht nur die Versorgungsleitungen, sondern haben teils auch schon das Pflaster so deutlich angehoben, dass es zu Stürzen führen kann. Auch die Gefahr von Rissen in den Wänden der benachbarten Häuser ist real.

Deshalb plant die Gemeinde, die Bäume zu entfernen. Das Umsetzen auf die Nordseite der Straße ist nicht möglich, weil dort Stromleitungen entlangführen. Die Zeit drängt: Das Fällen muss bis zum Beginn der Brutzeit an diesem Freitag, 1. März, abgeschlossen sein. Wobei die Linden zunächst nicht komplett wegkommen, sondern auf einer Höhe von 1,50 Metern abgesägt werden sollen. Die Baumstümpfe, so versprach es Frank, würden dann „im Herbst“ ebenfalls entfernt. Dann soll rund um die Bäume auch das Pflaster erneuert werden und sich so setzen, dass es nicht mehr zur Stolperfalle wird.

Dem mochten die Anwohner von der Sache her weitgehend folgen, ärgerten sich aber über das bisherige Prozedere. So wurden nur die Münsterer auf der Südseite der Hauptmann-Straße über die anstehende Maßnahme informiert, nicht aber jene auf der anderen Straßenseite. Auch werde man – nach vielen Jahren, in denen die Linden das Straßenbild maßgeblich geprägt hätten – praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt. Transparenz und Bürgernähe sähen anders aus, wurde mehrfach vorgebracht.

Der Vor-Ort-Termin war seitens der Gemeinde ursprünglich nicht vorgesehen gewesen, kam erst auf Druck der Anwohner zustande. Sinnvoll sei der Austausch aber auch ob der Frage, was denn nach den Linden komme, fanden die Anwohner. Mit dem Vorschlag der Gemeinde, Pflanzkübel mit Blumen oder Sträuchern als Ersatz aufzustellen, wollte sich vor Ort jedenfalls kaum wer anfreunden. Zum einen finde man die Aussicht auf Betonkübel vor der Haustür wenig attraktiv, zum anderen befürchte man das Entstehen „riesiger Aschenbecher“, weil rauchende Schüler der nahen Aue-Schule auf ihrem Schulweg (wie andernorts im Viertel) darin sicher ihre Kippen entsorgen würden.

Warum uns die Natur so gut tut

Wie eine Lösung, mit der sich auch die Anwohner der Gerhart-Hauptmann-Straße anfreunden können, aussehen könnte, kristallisierte sich beim Ortstermin noch nicht heraus. Frank verblieb mit seinen Mitbürgern letztlich dergestalt, dass er demnächst zu einem Workshop einladen werde, bei dem man die künftige Gestaltung der Straße gemeinsam erarbeiten könne. Er versprach zugleich, dass die Gemeinde für die bis Anfang März wegfallenden Linden neue Bäume an anderer Stelle pflanzen werde. (jd)

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Quelle: op-online.de

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