Beziehung, die nur aus Tinte bestand

Musical „Bonhoeffers große Liebe“ in evangelischer Kirche aufgeführt

Münster: Musical „Bonhoeffers große Liebe“ in evangelischer Kirche
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Münster: Mit dem Bild ihres Verlobten in der Hand sinniert Maria von Wedemeyer (Miriam Küllmer-Vogt) darüber, wer Bonhoeffers große Liebe war, sie oder doch Gott?

Die Martinsgemeinde in Münster bot ihren Mitgliedern und Anhängern wieder etwas Besonderes, ein Musical. Keines mit großer Besetzung dennoch wurde Großartiges geboten.

Münster – Miriam Küllmer-Vogt überzeugte als verliebter Backfisch der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, denn Maria von Wedemeyer war 18 Jahre alt, als sie sich mit dem doppelt so alten Dietrich Bonhoeffer verlobte. Aus altem, preußischen Adel stammend, achtete ihre Verwandtschaft auf Einhaltung der „guten Sitten“. So kam es, dass sie nur selten gemeinsame Zeiten mit ihren Verlobten verbringen konnte. Das tat ihrer Liebe zueinander jedoch keinen Abbruch.

Kurz nach der Verlobung wurde Bonhoeffer von den Nazis inhaftiert, ihm wurde „Landesverrat“ wegen Beteiligung an den Vorbereitungen an Attentaten auf Hitler vorgeworfen. Ihre Verzweiflung und das Bangen um das Leben des inhaftierten Geliebten wird von Küllmer-Vogt verdeutlicht, indem sie die Zellengröße auf dem Fußboden der Martinskirche absteckt, in dem Geviert von zwei mal drei Meter auf und ab läuft und sich fragt, wie er es nur schaffen würde, auf diesem engen Raum Sport zu treiben. Sie stellt für sich fest „Dietrich ist so frei, ich bin so getrieben“.

Münster: Musical „Bonhoeffers große Liebe“ in evangelischer Kirche - Historisch

Nicht alles, was in diesem Musical erzählt wird, kann historisch belegt werden, aber alles hätte so sein können. Es soll 1967 gewesen sein, als ein junger Jesuitenpater Maria von Wedemeyer um einen Bericht über ihr Leben mit Bonhoeffer bat. Darum rankt sich der Inhalt des Stückes, erdacht von Fabian Vogt. Belegbare Erkenntnisse über Bonhoeffers Leben, ergänzt durch dessen Gedicht- und Liedtexte ließ den fiktiven Bericht der Maria von Wedemeyer über „eine Beziehung, die nur aus Tinte bestand“ entstehen. Sie gipfelt in der Erkenntnis, dass nicht sie, Maria von Wedemeyer, Bonhoeffers große Liebe war, sondern dass er sich für Gott entschieden hat.

Berichte über eine im Gefängnis entstandene kleine, kirchliche Gemeinde gehörten ebenso zu dieser Erkenntnisgewinnung wie das Wissen um eine Fluchtvorbereitung, der sich Dietrich nicht angeschlossen hat, weil er seine Gemeinde nicht im Stich lassen wollte. Zu Weinachten 1944 schrieb er seine letzten Zeilen an seine Verlobte, und fügte „ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen“ als „Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister“ an.

Münster: Musical in evangelischer Kirche - Publikum wurde überzeugt

Obwohl als Weihnachtsgruß bezeichnet, nimmt der Text keinen Bezug auf die Geburt Jesu, sondern blickt auf die Jahreswende und die ungewisse Zukunft voraus, die von Gottes Vorsehung und Liebe bestimmt wird.

Das Vertrauensbekenntnis zu den „guten Mächten“, mit denen Gott die Glaubenden bergend umgibt und tröstet, wurde von mehr als 70 Komponisten vertont. Mit der Melodie von Otto Abel von 1959 wurde das Lied unter der Nummer 65 (Zur Jahreswende) in den Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen und zum Abschluss der Vorstellung vorgetragen.

Premiere hatte in Münster Pianist Peter Krausch als Sänger einzelner Soli in diesem Stück, denn ansonsten werden alle Lieder von Miriam Küllmer-Vogt gesungen. Eine starke Erkältung der Künstlerin sorgte für diese gesangliche Ergänzung. Sowohl als Solo-Sänger als auch als Duett-Partner wusste Krausch zu überzeugen. Die vom lebhaft applaudierenden Publikum geforderte Zugabe wurde ebenfalls als Duett gesungen, in Form des bekannten Liedes über die Liebe, „Die Rose“.

Von Peter Panknin

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