„Ich würde es immer wieder tun“

Musical-Darsteller Fischer-May träumt von eigener Bühne fürs Volkstheater

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Ausdrucksstark: Marcel Fischer-May (links) hier in „Let’s Musical“ des AGV-Münster-Chors „Flame“. 

Der Lübecker, der durch seinen Partner Patrick May 2013 nach Münster zog, musste bis zu seinem Abschluss viel Schweiß vergießen.

Das künstlerische Schlüsselerlebnis von Marcel Fischer-May war im wahrsten Wortsinn bissig: Als der Münsterer im Jugendalter das Musical „Tanz der Vampire“ in Hamburg sah, wollte er fortan selbst ins Rampenlicht. „Da spielte vieles zusammen“, erinnert er sich. „Im Mittelpunkt stehen, die Reaktionen von 1 800 Leuten im Publikum spüren sowie überhaupt die Faszination, was Menschen alles leisten und auf der Bühne nach viel harter Arbeit locker-leicht erscheinen lassen können. “ Heute ist Fischer-May 31 – und ausgebildeter Musicaldarsteller.

Der Lübecker, der durch seinen Partner Patrick May 2013 nach Münster zog, musste bis zu seinem Abschluss viel Schweiß vergießen. Wegen einer Sprachbehinderung – von der heute nichts mehr zu merken ist – ging er zunächst auf die Förderschule, kämpfte sich bis zur Realschule hoch. Parallel schlüpfte er als 15-Jähriger im Jugendklub der Hansestadt in erste Rollen. „Schauspiel war mein Ding“, blickt er zurück; 2004 gab er in Szenen aus Goethes „Faust“ den Mephisto. „Es hat mir allein aber nicht ausgereicht.“

Also stieg der zierliche Mann, der in seinem Künstlersteckbrief bei 1,70 Meter gerade mal 50 Kilogramm Gewicht angibt, mit 19 in den Gesangsunterricht ein. Nach seinem Schulabschluss bewarb er sich bei Schauspielschulen. 2008 nahm ihn die Stageart Musical School in Hamburg auf – ein Etappensieg. „Vom ersten Tag der Ausbildung wurde uns gesagt, dass es schwer ist“, erzählt er aber auch.

Damit meinten die Dozenten sowohl die Ausbildung selbst als auch den späteren Broterwerb. Fischer-May erfährt das trotz eines Dutzend Engagements ab Ausbildungsende 2011 bis heute: Die finanzielle Freiheit für die Kunst gibt ihm sein Job als Speditionskaufmann. Zum anderen verlangte der Weg zum Musicaldarsteller viel Disziplin, auf und abseits der Bühne. Die 520 Euro, die ihn die Berufsfachschule monatlich kostete, bezahlte der Azubi aus eigener Tasche, putzte dafür Krankenhäuser und kellnerte.

Die ersten Früchte erntete er nach erfolgreicher Ausbildung im Theater am Tremser Teich in Lübeck - als Prinz in „Dornröschen“, als König im „Froschkönig“ oder in diversen Rollen in „Jim Knopf“. Seit seinem Umzug nach Münster kennen ihn in der Region viele als ausdrucksstarken Schauspieler und Sänger etwa in Projekten des AGV-Chors „Flame“, der Groß-Umstädter „Musical Factory“ oder aus den Stücken des Komödien & Volkstheaters Fischer-May.

Letzteres hat Marcel Fischer-May zusammen mit Patrick May gegründet und bringt seit wenigen Jahren mit ambitionierten Laiendarstellern ein Stück jährlich auf die Bretter, die zumindest ihm die Welt bedeuten. Die aktuelle Revue „Verliebt, Verlobt, Verheiratet“ wäre im Normalfall gerade zweimal in der Babenhäuser Stadthalle über die Bühne gegangen. Das Corona-Virus hat jedoch auch die Kreativen gestoppt. Anfang Juli wollte Fischer-May zudem im St.-Pauli-Musical „Heiße Ecke“ mitwirken. Auch aus den neun geplanten Aufführungen im Schlosshof Erbach wird es fürs Erste nichts.

Erhalten bleibt freilich der Traum, den Marcel Fischer-May und sein Partner fürs Komödien & Volkstheater sowie die südhessische Kulturszene hegen: eine eigene Kleinkunst-Location, räumlich und programmatisch gestaltet nach dem eigenen Gusto. Noch hat das Paar in Münster und Umgebung nichts Passendes gefunden. Langweilig würde es im Falle der Realisierung jedenfalls nicht: Fischer-May kann nicht „nur“ singen, tanzen und schauspielern; er moderiert auch, kann fechten, steppen und improvisieren.

Was neben all dieser kreativen „Hardware“ vielleicht noch wichtiger ist: Der Münsterer behält in der anspruchsvollen Musicalwelt den langen Atem und bleibt auch in Durststrecken optimistisch. „Hauptberuflich bin ich derzeit zwar Speditionskaufmann“, sagt er. Seine wirkliche Passion aber bleiben allerdings die Musicals: „Ich mache es mit Herz und Leidenschaft!“ Aktuell verfolge er das Ziel, das nächste bezahlte Engagement zu kriegen. Auf unbezahlte lässt sich der Darsteller nicht nur wegen seiner Hingebung zur Kunst immer mal wieder ein: „Es ist für mich sehr wichtig, dabei zu bleiben, weil ich sonst tänzerisch nachlasse.“

Trotz aller Herausforderungen, die die Branche vor den glitzernden Auftritt gesetzt hat, ist für den Kreativen Fischer-May mit Blick auf die eigene Karriere unterdessen klar: „Ich würde es immer wieder tun!“

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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