Strafe

Nach Schiri-Attacke: FSV-Fußballspieler Hayri G. verurteilt

Während einem Fußballspiel schlägt der 26-jährige Hayri G. vom FSV Münster auf den Schiedsrichter ein. Jetzt wurde der Spieler des FSV Münster verurteilt.
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Während einem Fußballspiel schlägt der 26-jährige Hayri G. vom FSV Münster auf den Schiedsrichter ein. Jetzt wurde der Spieler des FSV Münster verurteilt.

Während einem Fußballspiel schlägt der 26-jährige Hayri G. vom FSV Münster auf den Schiedsrichter ein. Jetzt wurde der Spieler des FSV Münster verurteilt.

Münster- Juristisch gesehen ein Fall unter Hunderttausenden jährlich. Emotional gesehen ein ganz heißes Eisen. Vor dem Amtsgericht Dieburg wurde gestern der 26-jährige Hayri G. wegen gefährlicher Körperverletzung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Besondere an dem Fall: G. verübte die Tat als Fußballer des Kreisligisten FSV Münster: Er schlug am 27. Oktober 2019 bei einem Spiel gegen den TV Semd den Schiedsrichter k.o.. In der 85. Spielminute.

Millionen Fernsehzuschauer sahen das Handyvideo des brutalen Faustschlags gegen die linke Schläfe des Unparteiischen. Das Reinheimer Sportgericht ahndet den Vorfall einen Monat später mit dem Höchstmaß einer dreijährigen Sperre für den Spieler, mit sechs Monaten für den FSV. Der hatte die betroffene Mannschaft ohnehin schon abgemeldet.

Nun musste sich der zur Zeit arbeitslose G. auch vor dem heimischen Strafgericht verantworten. Um die Corona-Abstandsregeln zu ermöglichen, hat Richter Christian Meisinger die Verhandlung in das längliche Foyer vor dem sonst üblichen Saal 116 verlegt. In der Mitte die Prozessbeteiligten hinter Plexiglasscheiben, rechts und links davon 24 belegte Sitzplätze zwischen dicken Säulen für die maskierte Öffentlichkeit. Knapp die Hälfte davon sind Medienvertreter. Ex-Schiedsrichter Nils Czekala vom GSV Breitenbrunn nimmt als Nebenkläger neben seinem Anwalt Platz.

Eine Schilderung des Spielnachmittags spart sich der Angeklagte, kommt gleich zum Wesentlichen: „Ich schäme mich für die Tat. Es tut mir sehr leid, auch, dass alle wegen mir hier sitzen müssen.“ Dann steht er auf und entschuldigt sich persönlich bei Czekala. Diese Geste hatte er bereits vor dem Sportgericht angekündigt. Verteidiger Heinz-Jürgen Borowsky schließt sich der Wiedergutmachung an: „Heute wird das zugesagte Schmerzensgeld über 3500 Euro überwiesen.“ Auch die Auslagen der Nebenklage von rund 4400 Euro würde sein Mandant übernehmen.

Der 22-Jährige nimmt die Entschuldigung an. Richter und Staatsanwalt loben seinen Sportgeist und zollen Respekt für die freiwillige Anwesenheit vor Gericht. Dann schildert der 22-jährige Schiedsrichter den schicksalhaften Spieltag: „Ich bin mit gutem Gefühl in die Pause gegangen, hätte nie gedacht, das die zweite Halbzeit so eine Wendung nimmt. Man merkte, das beide Mannschaften einen Konflikt austrugen.“ Nach wiederholten Fouls und aggressiver Spielweise habe er dem erst in der zweiten Halbzeit eingewechselten G. die gelbrote Karte gezeigt. Dann fehle ihm die Erinnerung. Die beginnt erst wieder im Mainzer Uniklinikum, in das ihn der Rettungshubschrauber bringt – im Krankenhaus Darmstadt war kein neurologisches Bett frei. Der Verwaltungsfachangestellte: „Ich war 15 Minuten bewusstlos, hatte die ersten Tage Kopfschmerzen, Schwindel und Kiefernsperre.“ Die Folge eines einzigen Schlags gegen den Kopf: Gehirnerschütterung, vier Tage Klinik, vier Wochen Arbeitsunfähigkeit, über drei Monate ambulante Behandlung und die Verabschiedung vom Ehrenamt. „Ich bin seit zehn Jahren Schiedsrichter, aber das war mein letztes Spiel. Ich habe mich immer schon freitags und samstags drauf vorbereitet, jetzt werde ich dabei extrem nervös. Es geht nicht mehr - aber damit fühle ich mich auch schlecht!“ Schade – gerade von Menschen wie ihm lebt der Breitensport. Für Gerichtsmedizinerin Franziska Holz ist die Frage nach der Gefährlichkeit klar: „Bei der langen Ohnmacht kann die Zunge die Atemwege verlegen, durch den Schlag kann es zu Einrissen in den Schlagadern kommen, zu Knochenbrüchen und Einblutungen im Gehirn. So ein unvorbereiteter Stoß ist generell potenziell lebensgefährlich!“

Verteidiger Borowsky zweifelt die Gefährlichkeit an, plädiert auf einfache Körperverletzung. „Zu eineinhalb Jahren auf Bewährung, wie sie der Staatsanwalt fordert, sind schon weitaus schlimmere Taten verurteilt worden!“ Er will in den nächsten Tagen mit seinem dem dato unbescholtenen Angeklagten über eine eventuelle Berufung beraten. Mit dem Bewährungsurteil sind natürlich noch ein paar Auflagen verbunden, die die Verteidigung ebenfalls für überhöht hält: dreijährige Bewährungszeit, Bewährungshelfer, Antiaggressionstraining, 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Außerdem muss der vorher in der Umzugsbranche Beschäftigte bei Wiederaufnahme einer Erwerbsarbeit noch 2000 Euro an eine gemeinnützige Organisation entrichten.

Quelle: op-online.de

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