Luther-Ausstellung geht zu Ende

Raibacher Reformationstriptychon zieht weiter

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Kai Herd, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Münster, stellt Pfarrerin Michaela Meingast Fragen zum Inhalt des Flyers zum „Raibacher Reformationstriptychon“.

Münster - Es ist eines der Glanzstücke in der noch bis Sonntag zu sehenden Luther-Ausstellung im Heimatmuseum: das Raibacher Reformations- triptychon, das zuvor durch die Region tourte. Pfarrerin Michaela Meingast und Glaskünstlerin Heike Jäger waren nun zu Gast. Von Peter Panknin 

Kai Herd, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Münster, stellt Pfarrerin Michaela Meingast Fragen zum Inhalt des Flyers zum „Raibacher Reformationstriptychon“.

Das Raibacher Reformationstriptychon zeigt die vier Soli Luthers als Grundlage in der Beziehung zu Gott. Es besteht aus drei Teilen. Wie passen da vier Soli rein? Eine der Fragen, die es in einer Begleitveranstaltung zur Luther-Ausstellung zu beantworten galt. Pfarrerin Michaela Meingast und Glaskünstlerin Heike Jäger, beide aus dem Groß-Umstädter Stadtteil Raibach, waren dazu ins Münsterer Heimatmuseum gekommen. Um den 500. Jahrestag der Reformation auch in der Region zu würdigen, hatten sie sich bereits Jahre vor dem Jubiläum 2017 zusammengetan. Sie setzten sich mit weiteren Glaubensbrüdern und -schwestern zusammen, wobei die Anzahl der „Schwestern“ eindeutig überwog, wie Meingast mit einem Schmunzeln mitteilte. Auf dem tatsächlich leeren, weißen Blatt Papier entstanden die ersten Entwürfe, wurden erste Gedanken festgehalten. Weitere Blätter kamen hinzu, enthielten Textentwürfe und Ideen zur farbigen Gestaltung. Transportabel sollte das Ganze werden und in ein Auto passen, die Fragen der Beleuchtung waren zu klären. Ergebnisse der Planungen und deren Umsetzung stehen nun vor den Betrachtern im Museum: drei einzelne Stelen, jede beinhaltet drei Glasbilder, farblich gestaltet und mit Schriftzeichen versehen. Ein sehr interessierter Kreis hatte sich eingefunden, um mehr zu erfahren über Inhalte und Herstellung des Werkes.

„Musik von vorne“, sprich ein Vortrag von zwei Personen, sollte es nicht werden, die Interessierten arbeiteten durchaus aktiv mit bei der Gewinnung von Erkenntnissen. Zunächst nach favorisierten Bibelzitaten, die im Triptychon lesbar sind, befragt, sollten die Gäste die entsprechenden Stellen in von den beiden Frauen aus Raibach mitgebrachten Bibeln heraussuchen und nachlesen. Danach wurde ein Zusammenhang der Zitatinhalte mit den im Kunstwerk verwendeten Farben hergestellt. So sind die Grundfarben der Stele mit der Schrift „Fide“ (Sola Fide – Allein der Glaube) in grün gehalten, Kraft und Fülle des Lebens symbolisierend, für Hoffnung in die Zukunft stehend. Die zentral angeordnete Inschrift „Römer 1, 16“ steht, worauf es ankommt - auf den Glauben. Ganz in Topas, einem warmen Goldbraun, ist die Stele mit der Inschrift „Gratia“ (Sola Gratia – Allein die Gnade) gehalten und steht für die Liebe und Gnade Gottes, der uns Menschen annimmt, wie wir sind (Johannes 3, 16). Die dritte Tafel trägt die Inschrift „Scriptura“ (Sola Scriptura – allein die Schrift) und ist überwiegend in Blautönen gehalten. Blau steht für „Treue Gottes“. Gott will, dass wir im Vertrauen auf ihn leben. Blau ist auch der Himmel und unser Planet, darauf hinweisend, dass es Gott überall gibt. Die Beschreibungen sind hier sicher stark vereinfacht, sollen aber Interesse für das Werk und dessen Interpretationsmöglichkeiten für den Betrachter wecken.

Auf den Spuren Luthers quer durch Deutschland

Neben den religiösen Aspekten, die von Meingast vorgetragen und mit den Museumsgästen gemeinsam erörtert wurden, war es nun an Jäger, etwas über die handwerkliche Entstehung des Werkes zu berichten. Sie musste sich dazu mit Luther auseinandersetzen, kam zu der Erkenntnis, dass Luther für Worte steht. Wie nun die Worte ins Bild bringen? Sie schrieb die ausgewählten Texte in den Sand des Ofens, worin unter großer Hitze das Glas zum Schmelzen gebracht wurde und sich mit der Farbe untrennbar verband und auch die Worte im Sand aufnahm. Ein gesteuerter Abkühlungsprozess sorgte dafür, dass keinerlei Verspannungen im Glas auftreten würden. Im Zentrum jeder Stele wurde ein Kreuz geschaffen, in Weiß gehalten, damit es vor allen anderen Farben sichtbar bleibt. So entstand das Symbol für das vierte lutherische Soli, Solus Christus – allein Jesus Christus, das in jeder der drei Stelen enthalten ist.

Wer das Reformationstriptychon noch einmal im Museum an der Gersprenz, Bahnhofstraße 48, sehen möchte, für den ist am Sonntag, 4. März, zwischen 14 Uhr und 17 Uhr die letzte Gelegenheit gegeben. Danach wird es wieder in sakrale Gebäude zurückkehren und seine Wanderung fortsetzen.

Quelle: op-online.de

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