Gebäude laut Gutachter maroder als zunächst angenommen

Rathaus sanieren oder doch gleich neu bauen?

Die Elektrik marode, der Brandschutz mangelhaft: Im Rathaus gibt’s viel zu tun. Foto: Th. Meier

Münster – Die Umgestaltung des Rathauses nebst dazugehöriger Schaffung neuer Büroräume wird sich noch um einige Zeit hinziehen. Von Thomas Meier

Und ob die vor Jahren bereits einmal begonnene energetische Sanierung überhaupt in einen zweiten Bauabschnitt gelangt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch längst nicht sicher. Vielleicht lohnen Investitionen in das alte, vor Jahrzehnten errichtete Gebäude überhaupt nicht mehr, denn die bislang ermittelten Sanierungskosten betragen allein für das Notwendigste 4,3 Millionen Euro, mit Abriss des Foyers und Errichtung eines zweigeschossigen Anbaus an dieser Stelle gar rund 5,6 Millionen.

Eine bereits formulierte Beschlussvorlage zur Vorgehensweise einer Sanierung wurde von Bürgermeister Gerald Frank wegen der mannigfaltig aufgetauchten Ungewissheiten in der vergangenen Sitzung des Bauausschusses zurückgezogen. Und auch gestern Abend auf der Sitzung der Gemeindevertreter stand nur zur Debatte, das Projekt zurück in den Ausschuss zu verweisen, um sich mit dem Gutachter über die neue Lage und sämtliche Alternativen nochmals gründlich zu beraten. Frank sagt: „Als Bürgermeister will ich keine Alleingänge und auch nicht vorgeben, wie mit dem Rathaus verfahren werden soll. Das zu beschließen, möglichst einmütig, ist Sache der 37 Gemeindevertreter.“

Allein die Revitalisierung des Bestandsgebäudes schlägt sich mittlerweile mit weit über vier Millionen Euro nieder. Das Hauptgebäude des Rathauses wurde in den frühen 1960er Jahren erbaut und am 4. Januar 1965 seiner Bestimmung übergeben. Es kostete damals 450 000 D-Mark. Den ersten Umbau und Anbau – die Erweiterung um den Sitzungssaal – gab es dann 1979. Der Anbau des heutigen Foyers erfolgte Anfang der 90er Jahre (Fertigstellung 1993).

Und heute würde es allein eine halbe Million Euro kosten, einzig die technische Grundausstattung zu erneuern. Also die Stromkabel nebst Steckdosen an die Sicherheitsbestimmungen anzupassen. Wollte man es richtig machen, also alles mit neuen Leitungen versehen, die benötigt werden, verteuerte sich allein diese Maßnahme um 300.000 Euro.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Doch zur Revitalisierung des bestehenden Rathauses einschließlich technischer Sanierung gehört neben der Elektroinstallationen noch viel mehr: Heizungs-, Sanitärinstallationen, Einbau von Lüftungsanlagen, die brandschutztechnische Ertüchtigung, der Abschluss der energetischen Sanierung des Gesamtgebäudes einschließlich Foyer und Sitzungssaal sowie deren baulichen Begleitmaßnahmen.

Von außen sieht das bald 65 Jahre alte Rathaus noch gut aus, und auch die sichtbaren Mängel lassen nicht erschrecken. Doch die Gutachter schauten in die Tiefen. Allein das Brandschutzproblem ist nicht nur teures, sondern auch behinderndes. Dort, wo im Anbau die Sitzungssäle untergebracht sind, dürften sich nach den neuen Bestimmungen eigentlich nur zehn Leute aufhalten. Ein unhaltbarer Zustand.

Bürgermeister Frank denkt daran, eine Projektgruppe zu bilden aus Politikern und Planern und eventuell sachkompetenten Bürgern, um die grundsätzliche Vorgehensweise zu eruieren. Das kann schnell soweit gehen, dass man vor der Entscheidung steht, Sanierung oder gleich Neubau.

Lesen Sie auch: Rathaus-Umbau und Aufzeichnung der Sitzung

Quelle: op-online.de

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