Hohe Sanierungskosten für Münsters Schwimmbad

1,5 Millionen Euro für den Wellnesstempel

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Die Babyschwimmkurse sind bereits kurz nach Veröffentlichung jeweils ausgebucht, zwei gibt es pro Woche. Die Eltern sehen darin eine Bereicherung ihres Wohnortes.

Münster - Mit einer Umfrage will die Gemeinde eruieren, wo Einsparpotenziale im Hallenbad versteckt sein könnten. Von Thomas Meier

Jetzt legt die Verwaltung konkrete Zahlen auf den Tisch: Der kleine Wellnesstempel mit Sauna, Whirlpool und 25-Meter-Becken ist nicht nur Vorzeigeobjekt, sondern auch Sorgenkind der Kommune. Die Menschen in Münster und im ganzen Umland lieben es, viele Schulen brauchen es, um Kindern das Schwimmen beizubringen. Das Hallenbad trägt einen großen Teil zur Lebensqualität in Münster bei: Sportler, Vereine, Familien nutzen und profitieren von dem Angebot. Doch das Hallenbad ächzt unter hohen Kosten und einem Sanierungsstau.

Mittwochvormittag im Hallenbad: Das 25-Meter-Becken ist gut gefüllt, die Sauna beheizt, im kleinen Nichtschwimmerbecken tummeln sich die Babys. Und die Kosten laufen davon.

Ein Problem, mit dem viele Kommunen zu kämpfen haben. Daher geben immer öfter Kommunen den Betrieb ihrer Schwimmbäder auf. Die Verwaltung Münster zieht eine Zwischenbilanz in Hessen herbei:  44 Schwimmbäder haben seit 2000 dicht gemacht. „Wir kämpfen um unser Schwimmbad“, sagt Bürgermeister Gerald Frank, „angesichts geschätzter Sanierungskosten von 1,5 Millionen Euro und eines zeitweise jährlichen Zuschusses von bis zu einer halben Million ist der Betrieb des Schwimmbades für uns eine wirtschaftliche Gratwanderung. Wir müssen dringend Betriebskosten einsparen, ohne die gute Qualität des Angebots aufs Spiel zu setzen.“

Die kleine, aber feine Saunalandschaft wird dem Textilzwang zum Trotz noch immer gut angenommen.

Durch ein gutes Management habe laut Frank der Zuschuss zuletzt im Jahr 2016 auf 345. 000 Euro reduziert werden können. Im Münsterer Hallenbad haben schon Generationen von Kindergarten- und Schulkindern das Schwimmen gelernt. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr kommunale Hallenbäder aufgrund knapper Kassen schließen und auch dem vor allem bei heimischen Sportvereinen so beliebten Trainingsbad in Dieburg das Aus vor der Tür steht, kommt dem Bad in Münster eine wachsende Bedeutung zu. Genutzt wird es nicht nur von den drei ortsansässigen Schulen und drei Kindergärten, sondern auch von Klassen aus zehn Schulen benachbarter Kommunen, darunter Eppertshausen, Messel, Babenhausen und Rodgau.

Außerdem trainieren zwei Münsterer Vereine regelmäßig im Hallenbad. Und auch bei Freizeitschwimmern, Familien und Nutzern der Aqua-Kurse erfreut sich das Bad weit über die Ortsgrenzen hinaus großer Beliebtheit: Rund 60 Prozent der Besucher kommen nicht aus der Gemeinde. Insgesamt etwa 94 .000 Besucher zählte das Hallenbad im Jahr 2015. Gut für das Image der Gemeinde, weiß auch der Bürgermeister, wissen die Politiker.

Um die wirtschaftliche Effizienz weiter zu steigern und das Hallenbad noch attraktiver für Besucher zu gestalten, wird derzeit die Besucherumfrage durchgeführt (wir berichteten). Besucher können also direkte Rückmeldung geben und Anregungen mitteilen, sollen aber so auch bereits über die bestehenden Probleme mit der Finanzierung sensibilisiert werden. Das Defizit konnte zwischen 2015 und 2016 zwar von 481. 600 auf 345. 145 Euro gesenkt werden – und das trotz höherer Personalkosten – aber von einem wirtschaftlichen Betrieb ist das Bad nach wie vor weit entfernt.

„Dies ist vor allem auf Versäumnisse aus der Vergangenheit zurückzuführen“, betont Bürgermeister Frank. „Es gibt einen regelrechten Sanierungsstau: Die Investitionen vor Jahren in den Bistrobereich und die Sauna waren Fehlentscheidungen, die heute für uns schmerzlich sind.“ Zwar sei das Hallenbad vor Jahren optisch auf Vordermann gebracht worden, doch das neue Bistro und die Saunalandschaft hätten das Defizit in die Höhe schnellen lassen, sagt Frank: „Falsch investiertes Geld.“

Gespart worden sei dagegen an wichtigen technischen Neuerungen. „Die Filteranlage ist schon lange nicht mehr ausreichend“, schildert Frank, „dadurch müssen pro Badegast 70 bis 120 Liter Trinkwasser zusätzlich hinzugefügt werden, um eine ausreichend gute Wasserqualität zu erhalten.“ Hochgerechnet auf durchschnittlich 90.000 Besucher bei einer Frischwassernachspeisung von 90 Liter pro Badegast wird so jedes Jahr die unvorstellbare Summe von 8,1 Millionen Liter Wasser vergeudet, was über 150.000 Euro Wasserkosten von 2006 bis 2016 bedeutet. Dies jedoch nicht allein. Enorme zusätzliche Energiekosten fallen durch die Erwärmung des kalten zugeführten frischen Wassers an. Mit der Sanierung wird sich auch der Energiebedarf drastisch reduzieren.

„Diese längst überfälligen Sanierungen müssen wir jetzt angehen, um die Betriebskosten nachhaltig zu senken“, kündigt der Bürgermeister an. Aber nicht nur technisch geht es voran, auch personell steht das Hallenbad seit Kurzem auf neuen Füßen. Nach dem überraschenden Weggang des bisherigen Leiters hat jetzt die neue junge Doppelspitze bestehend aus Melanie Oesterling und Helmut Voigt mit viel Elan, Engagement und kreativen Ideen das Zepter in der Hand.

Badehäuser an den Kärntner Seen

Quelle: op-online.de

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