Neuanfang der „Freien“ ist Familiensache

C-Liga-Aufsteiger FSV Münster: Bis zu sechs Spieler namens Dogru in der Startelf

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Sabri Dogru coacht die FSV Münster. Vorn Neuzugang Asad Ürügen.

2015 scheiterte die Freie Sportvereinigung (FSV) Münster nur knapp am Aufstieg in die Fußball-Kreisoberliga Dieburg/Odenwald. Statt eines neuen Anlaufs stellte der Verein aufgrund eines Exodus’ an Spielern jedoch den Betrieb im Aktivenbereich zur Saison 2015/16 ein. 

Münster – Zwei Jahre später, in der Runde 2017/18, folgte bei den „Freien“ der Neuanfang in der Kreisliga D. Wiederum zwei Jahre später stehen die D-Liga-Meisterschaft und der Aufstieg des Vereins in die C-Liga Dieburg. Was wie der Neubeginn zu einem guten Stück Familiensache ist.

Denn bei der FSV, die vor allem durch ihre Ringer (einst 2. Bundesliga, derzeit in der drittklassigen Hessenliga) und die Fastnacht bekannt ist und gerade im Männer- und Junioren-Fußball seit Jahren im Schatten des deutlich größeren SV Münster steht, kommt man an einem Namen kaum noch vorbei: Dogru. Es ist der Nachname einer kurdischen Familie, die mit mehr als einem halben Dutzend Akteure im Münsterer Männerteam mitmischt. Vergangene Woche, in der ersten Kreispokal-Runde (0:2 gegen A-Ligist KSV Urberach), standen gleich sechs Dogrus in der Startelf, einer saß auf der Bank. Auch der Spielertrainer trägt den prägenden Namen: Sabri Dogru (33) leitet die Geschicke der Münsterer.

„Wir sind Brüder und Cousins“

„Wir sind Brüder und Cousins“, sagt der Coach. „Vor zwei Jahren hatten wir mit einigen Freunden Lust und Laune, was zusammen zu machen.“ Da die meisten der Dogrus in Münster wohnen, wurden sie bei der Freien Sportvereinigung vorstellig. „Dort hat man es uns ermöglicht, mit einem Team in den Spielbetrieb zu starten. Der Verein stellt uns den Platz und die Kabinen. Den Rest erledigen wir.“

Zwar würden sich viele Spieler schon länger untereinander kennen, doch als geschlossenen Kreis versteht sich das FSV-Team keineswegs. „Wir sind für alle offen und haben zum Beispiel einen Italiener dabei – und auch die Deutschen haben wir integriert“, meint Sabri Dogru augenzwinkernd. Ein Deutscher ist es auch, der die Multikulti-Truppe anführt: Torwart Maximilian Dölz ist zugleich der Kapitän. Als Co-Trainer stehen Dogru zwei Männer zur Seite: Bahattin Demir und Björn Müller.

„Dafür haben wir uns auch verstärkt“

Trotz der ziemlich souveränen D-Liga-Meisterschaft und dem lange vor Saisonende feststehenden Direktaufstieg geht die FSV Münster die neue Saison in der C-Liga, die am Sonntag (15 Uhr) mit der Begegnung bei B-Liga-Absteiger GSV Gundernhausen beginnt, nicht blauäugig an. „Ziel ist es, unter die ersten fünf zu kommen“, sagt Dogru. „Dafür haben wir uns auch verstärkt.“ Vom C-Ligisten FSV Groß-Zimmern II sind Murat Demir und Asad Ürügen gekommen. Außerdem schnürt nun Sebastian Janzen, der früher in der Jugend des SV Münster spielte, die Kickstiefel für die „Freien“. Die erhalten zudem weiter die Unterstützung ihres Hauptsponsors, eines Logistikunternehmens aus Dietzenbach.

Perspektivisch sei auch die B-Liga Dieburg drin, meint Sabri Dogru unterdessen. Seiner Ansicht nach keine Utopie, zumal die FSV jahrelang A-Ligist gewesen sei und wieder eine interessante Adresse für Fußballer aus Münster und der näheren Umgebung werden könne. Obgleich sich der Verein infrastrukturell bereits darauf vorbereitet hat, dass der Fußball wohl weiter nicht (mehr) die erste Geige spielen wird: Der Verkauf eines der beiden Rasenplätze an ein Dieburger Autohaus ist bereits in trockenen Tüchern.

Den Dogrus und ihren Teamkollegen, dazu dem Altherren-Team und den D-Juniorinnen der FSV, bleibt jedoch noch der zweite Rasenplatz direkt am Vereinsheim, an dem auch eine Sporthalle hängt. Das Geld aus dem Verkaufserlös des Geländes will die Sportvereinigung in diesen Gebäudekomplex investieren.

Jens Dörr

Quelle: op-online.de

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