„Ein Konzert ist immer gefährlich“

Stargeigerin Vilde Frang stellt sich in Aue-Schule den Schülerfragen

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Das Schulorchester begrüßte den Stargast aus Norwegen mit der Sinfonia in LG von Domenico Gallo.

Münster – Aufregende Zeiten durchlebt derzeit die Klasse G10a der Schule auf der Aue. Auf ihren gestrigen großen Moderatoren-Auftritt in der Alten Oper Frankfurt bereiteten sich die 22 Schüler mit Musiklehrerin Cornelia Krones das letzte halbe Jahr intensiv vor. Von Thomas Meier

Und einen Tag vor dem großen Konzertereignis hatten die Schüler auch noch Stargeigerin Vilde Frang zu Gast in der Mensa ihrer Schule. Sie durften dem einstigen Wunderkind mit Traumkarriere aus Norwegen vorspielen, sie interviewen und ihrem virtuosen Geigenspiel lauschen.
Die Schule ist „Spielzeitschule“ des Hessischen Rundfunks und die Klasse G10a bereitete für das eigens hierzu initiierte Konzert des HR-Sinfonieorchesters eine multimediale Präsentation vor (wir berichteten). Vor einem Vierteljahr waren HR-Moderatorin Ariane Wick und Techniker Jochen Doufrain zu Gast, um in mediale Techniken einzuführen, und auch Moderatorencoach Stefan Hoffmann kam extra aus Zürich angereist, um über klassische Gala- und Tagungsmoderation zu referieren.

Vilde Frang stand den gut vorbereiteten Schülern der G10a in der Mensa Rede und Antwort.

Doch überstrahlte der Besuch der 32-jährigen Stargeigerin dies bei weitem. Gestern Abend war die seit ihrem vierten Lebensjahr mit der Violine vertraute Geigerin ein Höhepunkt des Konzerts in der Alten Oper, in dem sie das zweisätzige 1. Violinkonzert des ungarischen Komponisten Béla Bartók intonierte. Eine schwierige Partitur, und eine sehr intime, ergreifende und von den Interpreten viel verlangende, wie Vilde Frang im Interview tags zuvor in der Mensa berichtete. Dorthin kam sie mit Jochen Doufrain vom Hessischen Kultusministerium, um eine Stunde Rede und Antwort zu ihrer Person, ihrer Berufung und ihrem Werdegang zu stehen. Man konnte es den vielen Musikschülern, die sich in der Mensa drängten, ansehen, wie gespannt sie auf diese zarte Lichtgestalt klassischer Musik waren.

Die Stargeigerin spielt auf ihrer Violine von Jean-Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1866.

Dass sie trotz allen Ruhms als Wunderkind und gefeierter Star so nahbar für die Schüler war, freute auch Schulleiterin Sabine Behling und einige Lehrer, die das Geschehen verfolgten. Anastasia Stoss und Johanna Kiesbauer hatten ein Interview vorbereitet. Sie unterhielten sich auf englisch mit dem Gast. Englischlehrerin Doris Becht übersetzte für die Zuhörer. Doch spätestens nachdem die Runde eröffnet, die Schülerschaft selbst Fragen auf deutsch stellen durfte, wurde klar, dass die Künstlerin auch in der deutschen Sprache durchaus zu parlieren versteht. Und sie vorbehaltlos und direkt auch auf die persönlichsten Fragen der Jugendlichen einzugehen vermochte.

Die vorbereiteten Fragen der G10a waren sehr spezifisch, drehten sich um Ausbildung, Violintechniken und Lieblingskomponisten (Schubert, Beethoven, Tschaikowsky und Bach). Doch die jüngeren Schüler interessierte anderes: „Wie sind Sie so berühmt geworden?“ Und da rollten doch so manchen Auge, als sie hören mussten, dass dies ein wenig mit Talent, aber ganz viel mit Disziplin und üben, üben und nochmals üben zu tun hat. Wann ihr erstes Konzert war, wusste die Solistin nicht mehr so genau, aber „sicher war es in einer Kirche“.

Die Schüler hatten zuvor gehört, dass Frank mit zehn Jahren ihr erstes solistisches Konzert zusammen mit dem Norwegischen Rundfunk-Orchester gegeben hatte. Sie wussten aus dem Lehrbuch, dass Frang mit vier Jahren nach der Suzuki-Methode mit dem Geigenspiel begann. Was neu war: „Als mich meine Eltern fragten, was ich für ein Instrument spielen möchte, wollte ich unbedingt einen Kontrabass. Doch keine Chance. Nicht nur ich war zu klein fürs große Instrument. Auch das Auto von meinem Papa, ein kleiner Volkswagen, passte nicht.“ So sei es zunächst eine kleine „Spielzeuggeige“ geworden. „Und ich hasste sie“, bekannte der Star vor der jungen Fangemeinde. Erst nach einem Jahr widerwilligen, mithin aber wohl erfolgreichen Übens habe sie „eine echte, richtige Violine“ bekommen. „Und ich habe mich sofort in das wunderbare Instrument verliebt.“ Heute spielt die Frau mit Professur an der Norwegischen Musikhochschule eine Violine von Jean-Baptiste Vuillaume aus 1866.

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Keine Sekunde zögerte die Geigerin auch bei der Frage, was sie denn in ihrer Freizeit so für Musik hört: „Ich mag Flamenco, die Beatles und Jazz.“ Was sie nicht so berühre, seien Pop und Rock: „Ich habe eher den Geschmack einer Oma“, so die 32-Jährige, die Pop und Rock als „Fast-Food der Musik, ohne echten Nährwert“ erachtet. Staunend nahmen die Kinder auch dies zu Kenntnis

Ob sie Angst vor einem Konzert hat? „Ein bisschen Lampenfieber ist für mich auch eine wichtige Ingredienz. Ich glaub, man braucht dies zur Einstimmung und Konzentration aufs Vorspiel.“ Und ob sie sich schon mal verspielt habe auf der Bühne? „Oh ja“, bekannte Frang laut lachend. Schon oft. Aber davor dürfe man keine Angst haben. Und sie warnte die an ihren Lippen klebenden Kinder: „Merkt euch: Ein Konzert ist immer gefährlich“.

Quelle: op-online.de

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