Störche, Reiher und Exoten

Zugfaule Vögel mögen warme Winter

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Imposante Flugstudie an der Gersprenz: Graugänse in großer Zahl bevölkern mit Kanada- und Nilgänsen in diesen lauen Wintertagen die heimischen Naturschutzgebiete. Auch Gäste aus dem hohen Norden sind derzeit zu beobachten.

Münster - Zwischen Altheim, Münster und Hergershausen tummeln sich bereits Störche, Reiher und Exoten aus dem Norden.  on Thomas Meier 

Sind sie schon wieder von ihrem Winterurlaub aus wärmeren Gefilden Südspaniens oder gar Afrikas zurück? Oder sind sie gar nicht erst weggeflogen, die vier Weißstörche, die seit Tagen wieder über Münsters Kläranlage und den Hergershäuser Wiesen kreisen? Eine genaue Antwort weiß auch der Vorsitzende des Naturschutzbundes in der Ortsgruppe Münster (Nabu), Dieter Günther, nicht zu geben.Zwar beobachteten er und viele der heimischen Mitglieder das Geschehen genau, doch sei es noch keinem gelungen, eine Beringung der Adebare auszumachen. Doch vielerlei andere Beobachtungen der heimischen Naturschützer sind in diesem lauen Winter möglich.

Sie alle können bestätigen: „Je nach Art haben sich bis zu zehnmal mehr Tiere als gewöhnlich nicht auf den Weg in den Süden gemacht.“ Dies sagt Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) mit Sitz in Echzell bei Gießen. Und Günther vom Nabu hat beobachtet, das vor allem sogenannte Teilzieher zugmüde seien. Das sind Vogelarten, bei denen im Winter immer ein Teil an Ort und Stelle bleibt, während der andere in wärmere Regionen fliegt. Jedes Verhalten hat Vorteile. Ist der Winter sehr hart, überleben die, die in den Süden geflogen sind. Ist der Winter jedoch mild, bekommen jene, die dageblieben sind, die besseren Brutreviere ab.

Futter satt finden auch diese Kormorane, die sich in Baumwipfeln an der Gersprenz das Gefieder trocknen lassen.

Die vier Weißstörche, die derzeit wohl zwischen Hergershäuser Wiesen bei Altheim und den Reinheimer Teichen „pendeln“, schauen bereits nach Brutplätzen. Die Nisthilfe an der Kläranlage Münster – unter steter Beobachtung von Nabu-Mitglied Wolfgang Kleinheinz – wird jedenfalls immer wieder mal neugierig von den großen Vögeln inspiziert. Zugfaule Vögel seien nichts Ungewöhnliches, wissen die Beobachter. Es gehe letztlich immer um die bessere Strategie. Erfolgreich ist immer der, der am Ende mit möglichst geringem Energieaufwand optimal den Nachwuchs päppelt.

Bestens für ihren Nachwuchs sorgen können wohl auch die rund 250 in Münsters Naturschutzgebieten überwinternden Gänse. Kanada-, Grau- und Nilgänse tummeln sich in großen Gruppenverbänden rund um die Wasserstellen und kleinen Teiche im Auengebiet der Hergershäuser Wiesen. Insbesondere an der Düne „Am Sand“ zwischen Altheim und Münster lassen sich die gut genährten Schnatterer vom Nabu-Beobachtungsstand aus bei ihrem lebhaften Wintertreiben zuschauen. Das Sozialverhalten der Gänse ist sehr ausgeprägt, ständig ist hier etwas los.

Rund 200 auf einen Blick

Das Geschehen von oben beobachten ist auch eine Sache der Kormorane. „Ein halbes Dutzend und mehr beziehen immer wieder gern einen Ausguck auf den hohen Pappeln an der Gersprenz“, weiß Günther. Erst schlügen sie sich den Bauch am nahe Hergershausen gelegenen Fischweiher voll, doch trockneten sie unweit der Münsterer Kläranlage auf den Baumwipfeln in der Wintersonne ihr Gefieder.

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Günther hat diesen milden Winter auch Exotisches in der Auenlandschaft ausgemacht: Singschwäne tauchten bereits vor etwa vier Wochen auf. Sie suchten die Nähe der in den Wiesen übers ganze Jahr sich tummelnden Höckerschwäne. Doch die Singschwäne sind echte Zugvögel, die aus dem hohen Norden zu uns kommen, wenn es dort zu unwirsch wird. Günther, der als Wolfsrudelbeobachter kürzlich erst wieder in der Lausitz weilte, hatte dort „rund 200 auf einmal im Blick“. Bis in Münsterer Breiten kämen sie allerdings eher selten. Der Unterschied dieser ebenfalls weißgefiederten Langstreckenflieger zu Höckerschwänen: Sie sind etwas kleiner und haben einen gelben Schnabel ohne den auffälligen Höcker, den ihre rotschnabeligen Verwandten im Gesicht tragen.

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Auch Blessgänse sind derzeit zu Gast im Südhessischen. Sehen kann man zwischen Münster und Altheim neben den seit etwa zehn bis 15 Jahren ganzjährig hier bleibenden Graureihern auch die schmucken Silberreiher. Eine Handvoll von ihnen überfliegt in diesen Tagen die Wiesen. Günther vermutet, es seien wohl „Junggesellen“. Auch sie sind Pendler zwischen Rein- und Altheim.

Unter den außergewöhnlichen Standvögeln an den Hergershäuser Wiesen haben Nabu-Mitglieder vor einiger Zeit auch den Eisvogel ausgemacht. „Er profitiert von der guten Wasserqualität und ist mit ein bis zwei Brutpaaren vertreten“, verraten die Münsterer Naturschützer, stolz auf diesen Gast.

Quelle: op-online.de

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