Symbole mit unbekanntem Zweck

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Manchmal fallen sie ins Auge, manchmal ist ihr Standort eher unscheinbar: Wegkreuze. Von Kreuz zu Kreuz hieß die lokale Exkursion des HGV Münster, bei der die Flurkreuze der Gemeinde im Mittelpunkt standen.

Münster - Auch in Münster gibt es sechs der steinernen Kreuze, was nun Anlass für den Heimat- und Geschichtsverein war, sich einmal näher mit diesen Zeugnissen des Glaubens zu beschäftigen. Drei von ihnen standen unter dem Titel von „Von Kreuz zu Kreuz“ auf dem Programm. Von Michael Just 

Rund 25 interessierte Münsterer liefen mit. Los ging ging es in der Langsmühle mit einer Einführung durch den HGV-Vorsitzenden Kai Herd. Wie er sagte, seien die Steinkreuze religiöse Zeichen, für deren Aufstellung es unterschiedliche Gründe gab. Zuerst seien sie natürlich ein Symbol für die Heilstaten Jesu, stünden aber auch als Mahnung oder zum Gedenken für Unfälle oder schlimme Taten, die von Mord bis Totschlag reichten. „Das Sühnekreuz ist die älteste Motivation, Kreuze im öffentlichen Raum aufzustellen“, erklärte Herd.

Dabei erinnerte er an das Sühnekreuz auf der Rückseite der Eppertshäuser Valentinuskapelle, das in einzigartiger Weise durch die Quellen Aufschluss gibt, wie man damals die Schuld durch ein Kapitalverbrechen zu mindern versuchte. Der Delinquent musste Wallfahrten leisten, Messen bestellen oder Wachs stiften. Weitere Gründe, solche Kreuz aufzustellen, waren das Wachhalten von kriegerischer Bedrohung (Schweden- und Franzosenkreuze) oder der Dank, Kriege überstanden zu haben (wie nach dem Ersten Weltkrieg). Manchmal sollten sie auch einfach nur das Böse fernhalten.

Flurkreuze wurden in den 1870ern aufgestellt

Der HGV wählte für seine Runde am Wochenende die Flurkreuze im „Fischenend“, das „Modde-Kreuz“ am Wasserweg („in den Moden“ stand früher für die dortige, feuchte Gegend) sowie jenes Exemplar an der Hauptstraße nach Eppertshausen. Allen sechs Münsterer Ausfertigungen ist gemein, dass man den genauen Grund für ihre Errichtung nicht kennt. „Es sind aber definitiv keine Sühnekreuze“, weiß Margarete Elster, die an den jeweiligen Orten kleine Gebete und Psalmen bereithielt, um auch dem religiösen Aspekt nachzukommen. Die meisten Kreuze kennt sie bereits aus ihren Kindheitstagen, als dort vor Christi Himmelfahrt regelmäßig Bittprozessionen für eine gute Ernte hinführten. Alle sechs Flurkreuze der Gemeinde wurden in den 1870er Jahren aufgestellt. Federführend dafür war Pfarrer Franz Josef Tillmann. Jene Symbole in Feld und Flur aufzustellen wurde erstmals durch Papst Leo III. im achten Jahrhundert erlaubt. In der Hochzeit von 1200 bis 1530 setzten die Christen das besonders nachhaltig um.

Die Reformation führte zu einem Einschnitt, da der Protestantismus darin eine okkulte Handlung sah, die vom wahren Glauben ablenkt. Das ist auch der Grund dafür, dass in Münster keine sehr alten Kreuze existieren. „Es war einfach nicht gewünscht“, so Herd mit Blick auf die damalige Obrigkeit, die protestantisch geprägt war. Die sechs errichteten Kreuze in den 1870er Jahren dürfen als Befreiung von diesem Zwang gesehen werden.

Interessant zeigte sich die Frage zum Schluss, wer heutzutage die Erhaltungspflicht für Flurkreuze hat. „Das ist nicht geklärt und immer noch eine schwebende Frage“, erläuterte Herd. Wie er sagte, drängen die Heimat- und Geschichtsvereine die Politik auf eine übergreifende Lösung. Bis diese kommt, seien kirchliche und private Initiativen beziehungsweise Patenschaften gefragt, sich um die Kreuze zu kümmern.

Quelle: op-online.de

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