Auch Przewalski-Pferde sollen auf das Gelände

Wisente ab 2019 in der Muna

Münster - Im Frühjahr 2019 soll es so weit sein, das ehemalige Militär-Gelände Muna in Münster-Breitefeld wird wieder genutzt. Auf 250 Hektar sollen dann Wisente und Przewalski-Pferde angesiedelt werden. Von Lars Herd 

Kaum zu glauben: An dieser Stelle, an der nun ein Teich ist, stand früher mal ein Bunker. Fünf solcher Tümpel – vier große, ein kleiner – sollen den Wisenten und Przewalski-Pferden bald als Trinkquelle dienen.

Bei den Pferden – erstmal eine kleine Herde mit fünf Tieren – sind zunächst lediglich Hengste vorgesehen, bei den Wisenten sind ein männliches und sechs weibliche angedacht. Schließlich sollen sie sich in diesem Areal fortpflanzen, auf dem seit 1939 Munition gelagert und gesprengt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten die US-Streitkräfte die Muna zu einem ihrer wichtigsten Munitionsnachschublager in Europa aus. 1995 zogen die US-Soldaten ab.
Bei einem gestern stattgefundenen Pressetermin mit Rundgang durch das Muna-Areal erklärte Matthias Pollmeier, stellvertretender Betriebsleiter Bundesforstbetrieb Schwarzenborn, dass die Tiere bereits bei der Erhaltungszucht von Wisenten in Hardehausen bestellt worden sind und quasi nur noch darauf warten, endlich in der Muna einziehen zu dürfen. „Wir wollen keine Wisente aus der Freiheit in ein Gehege bringen, sondern eher darauf aufbauen, dass wir sie einmal in die Freiheit entlassen können“, betonte Pollmeier und ergänzte: „Das dauert aber noch einige Zeit.“

Die Abrissarbeiten auf dem Muna-Gelände sind in vollem Gange. Matthias Pollmeier vom Bundesforstbetrieb erklärt, dass einige Bunker erhalten bleiben, um als Aussichtsplattformen zu dienen.

Einige Zeit dauert es auch noch, bis die Tiere in ihr neues Großraumgehege einziehen können. Anderthalb Jahre müssen sie sich noch gedulden. Zunächst werden die baufällig gewordenen militärischen Gebäude abgerissen – auch der Wachturm. Zu gefährlich sind die Gebäude. Auch, weil sie in der Vergangenheit einen großen Anreiz für Jugendliche und Kinder boten, wie zahlreiche Graffitis zeigen. Außerdem werden die vorhandenen Bunker umgebaut. Geplant ist, in den Bunkern auf dem Gelände etwa das Ansiedeln von Fledermäusen. Die Bunker am Geländerand sollen zu Aussichtsplattformen, als Forscherstation, für Ausstellungen und auch als Besucherzentrum genutzt werden.

Wichtig ist nach wie vor die fortlaufende Entmunitionierung des Geländes. Seit 2004 wurde diese kontinuierlich vorangetrieben. Derzeit läuft das Ganze allerdings nur noch im Rahmen des Rückbaus der Gebäude. Geschätzte Gesamtkosten: zehn Millionen Euro.

Nicht so teuer soll laut Pollmeier die Ansiedlung der Tiere und das Fertigstellen des Geländes werden. Rund zwei Millionen Euro betragen die Kosten für die Abrisse, die Beseitigung militärischer Hinterlassenschaften sowie die fachgerechte Entsorgung des Bauschutts. Noch einmal 1,5 bis zwei Millionen Euro kosten die für 30 Jahre geplante Ansiedlung der Wisente, stabile Elektrozäune und entsprechende Behandlungsstände.

Die Planungen für die Ansiedlung laufen schon seit rund sieben Jahren (wir berichteten). Zunächst mussten viele Fragen geklärt werden – finanzielle, aber auch rechtliche. In Kooperation arbeiten der Bundesforst, die Gemeinde Münster und DB Netz zusammen. Der Bundesforst kümmert sich vornehmlich um die Konzeption und das Durchführen, die Gemeinde etwa um Partner – zu denen in Zukunft auch das Weltkulturerbe Grube Messel zählen soll – oder die Öffentlichkeitsarbeit. DB Netz nennt Pollmeier als wichtigen Partner, da sie sich zu großen Teilen um die Finanzierung des Projektes kümmern.

Am Rande: Ursprünglich träumte der Bundesforst von der Ansiedlung von Elchen, doch nach einigen Absprachen, unter anderem mit dem Naturschutzbund, kamen sie gemeinsam zu dem Schluss, dass das Gelände besser für Wisente und Wildpferde geeignet sei

Munagebiet zwischen Sprayern und Tümpeln

Für Besucher ist das Betreten des Geländes – wie schon die ganze Zeit – auch in Zukunft verboten. Lediglich bei geplanten Besucherführungen oder Fotosafaris mit kleineren Gruppen und mit berechtigten Personen sollen die Tiere auch aus der Nähe zu sehen sein.

Das einzige, das dem Projekt theoretisch noch im Wege stehen könnte, wären hohe Schadstoffkonzentrationen in den Tümpeln, aus denen die Tiere trinken sollen. Dieses Wasser wird derzeit getestet. Und wenn einer dieser Teiche belastet wäre, würde man erst einmal prüfen, ob man diesen absperren und sichern könne. Doch dem blickt Pollmeier zuversichtlich entgegen. „Ich gehe nicht von einer Belastung aus.“

Quelle: op-online.de

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