Fehlersuche bei falschen Tönen

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Wie funktioniert mein Instrument? Elf Personen gingen dieser Frage beim Workshop der Landesmusikjugend Hessen nach. J Foto: Just

Münster - Für Laien hat ein Blasinstrument nicht allzu viel Komplexes: Man bläst hinein und an den Öffnungen oder Klappen kommt ein Ton heraus. Doch Musiker wissen, dass ihr Instrument mehr ausmacht und oft unzählige Fragen aufwirft. Von Michael Just

Was kann ich selbst reparieren? Wie pflege ich richtig? Welche Bereiche sind besonders anfällig? Das ist nur ein kleiner Teil jener Geheimnisse, in die es Licht zu bringen gilt. In der Kulturhalle Münster ging es deshalb auf Entdeckungsreise. Unter dem Motto „Wie funktioniert mein Instrument?“ wartete ein Workshop für Holzbläser, der sich vor allem an die Besitzer von Querflöte, Klarinette oder Saxofon richtete.

Die Veranstaltung war eine Weiterbildung der Landesmusikjugend Hessen, die das Angebot nicht zuletzt deshalb nach Münster legte, da dort der Musikverein als einer der stärksten Mitglieder sitzt. Mit Norbert Zabolitzki aus Seligenstadt, Meister für Holzblasinstrumente und Besitzer einer Werkstatt für dergleichen, stand ein Fachmann dem Workshop vor, für den sich elf Personen angemeldet hatten.

Für den Dozenten war es das zweite Mal, dass er im Namen der Landesmusikjugend Aufklärung bot. „Ein richtiges Konzept für den Nachmittag gibt es eigentlich nicht“, sagte Zabolitzki überraschend. Doch die Begründung des 50-Jährigen, der seine halbe Werkstatt mit Arbeitsutensilien, wie etwa Zangen, mitgebracht hatte, war nachvollziehbar: „Je nachdem was die Leute für Anliegen haben, wird sich vieles ergeben.“ Wenn keine Fragen kämen, sei der Workshop allerdings nach einer Stunde vorbei. „Dann checken wir mal ein Instrument und ich erläutere ein bisschen was dazu“, meinte Zabolitzki.

Wissbegierige Teilnehmer

Die Teilnehmer wollten jedoch viel wissen. „Ich spiele schon länger Saxofon. Wen kleinere Reparaturen, wie etwa an den Klappen, anfallen, würde ich die gerne selbst in die Hand nehmen – oder zumindest beurteilen können“, sagte Felix Waltinger.

Das Motto „Selbst ist der Mann“ will der 21-jährige Student auch bei seinem Instrument anwenden. Außerdem würde er gerne verstehen, woran es liegt, wenn ein Ton nicht gut kommt und was sich dann für einen besseren Klang verändern lässt. Dass Reparaturen schnell anfallen können, hat Waltinger, der drei Saxofone besitzt, schon erfahren. Wie er erzählte, machte er einmal den Instrumenten-Koffer nicht richtig zu. Beim Schwung auf die Schulter lag sein Saxofon auf dem Waldboden. „Ich musste ein bisschen Erde rauskratzen, aber sonst war es zum Glück noch in Ordnung“, berichtete er.

Laut Zabolitzki ist die Fehlersuche bei falschen Tönen ein Hauptanliegen von Musikern. Nicht immer liege das Problem aber am Instrument, das sich mit Klappenaufgängen, Zwischengängen, der Deckung der Klappen, den Polstern oder der Vielzahl der verwendeten Materialien wie Leder, Kork oder Filz durchaus als komplex erweise.

Niemals einseitig informieren

„Der Musiker sollte immer mit einbeziehen, dass es vielleicht an ihm selbst liegt“, hob der Seligenstädter hervor. Ein anderes Blättchen, Mundstück oder Set Up könnte hier die Lösung bringen.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, rät der Meister, sich nie einseitig zu informieren. Das sei oft im Internet gegeben, in dem Dogmatiker in Foren das Ei des Kolumbus präsentierten. „Das Internet weiß nicht alles“, fasste Zabolitzki zusammen.

Wie beim Anblasen, den Mundstücken oder den Blättchen gebe es viele Variationen. Deshalb sollte sich der Musiker nicht darauf verlassen, was andere sagen. „Da jeder verschiedene physische und ergonomische Voraussetzungen mitbringt, heißt es vor allem die Ohren aufzusperren und den eigenen Sound und Weg zu finden“, schilderte der Experte.

Quelle: op-online.de

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