Pontius, Pilatus, Parlament

Tom Volkert sucht nach Verwaltungstour Rat bei Politikern

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Am vom Einsatz tonnenschweren Radladers beschädigten Zaun: Bürger Tom Volkert suchte Rat bei den Gemeindevertretern, weil er im Rathaus mit seinem Anliegen nicht weiter kam.

Wie verzweifelt muss ein Bürger sein, der, weil er mit einem Anliegen bei den Bediensteten im Rathaus seit Monaten nicht weiter kommt, die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung im Rathaus aufsucht, um um Hilfe zu bitten?

Münster – Ein Novum zur jüngsten Parlamentssitzung machte sich Tom Volkert zunutze. Erstmals war die Bürgerfragestunde nicht am Ende aller Debatten angesiedelt, sondern auf die vorderen Plätze verschoben worden. Gleich nach den Mitteilungen des Bürgermeister übergab der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Klaus Rainer Bulang (SPD), das Wort an die Bürger, um Fragen an die Politiker zu stellen. Und Volkert packte seine vermeintliche Chance beim Schopfe.

Er habe seit Ende November Probleme mit einem Feldweg an seinem Grundstück Auf der Beune. Gleich nach dem Malheur habe er sich direkt ans Ordnungsamt gewandt, beteuerte Volkert – und sah erste Augen bei einigen Politikern rollen. Unberechtigt, führte Volkert aus, sei ein 19 Tonnen schwerer Radlader auf dem stets feuchten Weg entlanggebrettert, um den Erdaushub beim Nachbarn zu befördern.

Tom Volkert dokumentierte das Geschehen vor seinem Haus mit der Kamera.

Nun kam die erste Unterbrechung des Redeflusses: Dies, so der Chef der Gemeindevertreter, sei doch wohl keine Frage an die Politiker, sondern eher was für die Verwaltung. Jetzt rollte der Bittsteller die Augen, erklärend, deswegen sei er ja im Parlament. Weil er eben im Rathaus von Pontius zu Pilatus und wieder zurück geschickt worden sei, ohne dass sich etwas gerührt habe in seiner Angelegenheit.

Von der Opposition erbarmte sich der Fraktions-chef, auf die Front im Sitzungssaal deutend. Dort säßen neben dem Bürgermeister, immerhin Chef der Behörde, auch einige Verwaltungsbedienstete. An Herrn Frank oder andere Rathäusler müsse sich der Beschwerdeführer halten, nicht jedoch an die Parlamentarier, egal welcher Fraktion. Noch einmal probierte es Volkert. Da sei er doch schon überall gewesen. Vom Ordnungsamt zum Bauamt geschickt und retour. Allein: Er erntete nur – wohl auch berechtigt – Kopfschütteln. Nicht die richtigen Ansprechpartner, nicht die richtige Zeit. Und überhaupt ...

Da nutzte es auch nichts mehr, dass er einwarf, er wende sich als überzeugter Demokrat halt an die Legislative, weil die Exekutive in seinem Falle so kläglich versagt hätte. Vorbei die Redezeit für einen, der wohl ein Stück weit abgefallen ist vom Glauben an die Demokratie, wie er sie sah.

Auf Nachfrage erklärte er unserer Zeitung, was geschehen war. Als er vor 16 Jahren an der Feldrandlage der Beune baute, war ihm ein Nivellieren des Baugrundes untersagt. Er habe nicht aufschütten dürfen, wo er gern gewollt hätte, weil auf seinem Grund ein Gefälle gen Nordost sei. Dort, wo auch der immer feuchte Feldweg ist. Seine Nachbarn, die erst jetzt bauen, dürften Erdbewegungen veranlassen. Weshalb ja auch der tonnenschwere Radlader angerollt gekommen sei. Und sein Zaun, der direkt an den unbefestigten Weg gebaut ist, habe sich dem Druck gebeugt und um zehn Zentimeter gesenkt. Sofort nach der ersten Fahrt des Radladers habe er sich an die Behörden gewendet und sie vom zaunsenkenden Tun unterrichtet. Was geschah? Nichts: „Zwei weitere Tage lang grub der tonnenschwere Laster weitere Spuren in den nassen Weg am Grenzzaun.“

Vermeidbarer Schaden: 5994,63 Euro

Vermeidbarer Schaden: 5994,63 Euro. Jedenfalls laut Kostenvoranschlag vom Dieburger Draht-Weißbäcker, der den Schaden wieder richten sollte. Freilich nicht auf seine Rechnung. Doch die Nachbarn berufen sich auf die Verwaltung, die die Abfuhr via Feldweg genehmigt hatte. Die verweist darauf, nicht gewusst zu haben, dass solch schweres Gerät eingesetzt werde. Der Chef vom eingesetzten Radladerfahrer beruft sich auf seine Genehmigungen. „Und letztlich will es niemand gewesen sein“, klagt Volkert.

Und er ist froh, dass er das alles nun mal jemandem habe erzählen können. Auch wenn er wisse, dass wieder nicht der für ihn richtige Adressat zugehört habe. Wir bleiben dicht am Zaun, werden berichten, wie der Amtsschimmel zum Ende wiehert.

Von Thomas Meier 

Quelle: op-online.de

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