Gemarkungsrundgang auf den höchsten Punkt

+
Geballter Anstieg auf Münsters Schutthügel.

Münster - „Mir nach“, ruft Bauhofleiter Richard Ries und schickt mit einem Schmunzeln hinterher, dass ihn als „Wegmacher“ niemand überholen darf. Am Tag der deutschen Einheit lenkte er den Gemarkungsrundgang auf die richtige Strecke. Von Michael Just

Seine Gefolgschaft konnte sich sehen lassen: 230 Mitwanderer bezeugten, dass die Veranstaltung, die abwechselnd in Münster und in Altheim ausgerichtet wird, sehr gut ankommt. Treffpunkt war diesmal der Abtenauer Platz, von wo es auf die stillgelegte Bauschuttdeponie ging. Wer die gut fünf Kilometer lange Strecke absolvierte, erhielt danach bei der Feuerwehr einen Eintopf. Die Gemeinde hatte sich für die Tour erneut reichlich Mühe gemacht: So sicherten Mitglieder des freiwilligen Polizeidienstes Straßenüberquerungen ab, der Bauhof hatte zusätzlich noch Blinklichter und Achtung-Fußgänger-Schilder aufgestellt. Zur Halbzeit gab’s Getränke und Obst.

Mit dem Lautsprecher eines Feuerwehrwagens begrüßte Bürgermeister Walter Blank die Teilnehmer. Wie er sagte, müssen jene, die Neuerungen in der Gemeinde erfahren wollen, gar nicht weit laufen. „Einmal im Kreis drehen reicht“, so Blank zu der Tatsache, dass Wesentliches schon rund um den Abtenauer Platz zu sehen ist. Da wäre der erst am Samstag eingeweihte Jugendspielplatz, die vor wenigen Wochen eröffnete „Kinderinsel“ für U3, das modernisierte Feuerwehrhaus oder die Kulturhalle. Bereits eingerüstet, bekommt letztere ein neues Dach. An der Fassade geht’s im Anschluss weiter.

„Wir wohnen in Altheim und laufen gerne mit. Die Sache ist gut organisiert, dazu lernt man nette Leute kennen und trifft bekannte Gesichter“, sagt das Ehepaar Lehmann. Neuigkeiten seien für sie sekundär, die kenne man aus der Zeitung. Auch Sohn Volker (49) ist mit Tochter Leni (13) dabei. „Es ist interessant zu sehen, wo die Steuergelder hingeflossen sind“, sagt er. Als Kameramann, der beruflich viel unterwegs ist, kriegt er wenig mit. Einen Rundgang würde er sich lieber zum Thema „Muna“ wünschen. „Wem gehört das Areal überhaupt? Der Gemeinde oder dem Bund? Und was ist da unten jetzt?“, fragt er. In der Vergangenheit habe man von unterirdischen Gänge-Systemen gehört, die bis zum Flughafen reichten. Kurz nach dem Abzug der Amerikaner fand bereits ein kleiner öffentlicher Gang zur Muna statt, bei dem man streng auf den Wegen bleiben musste. Mit 500 Mitläufern erlebte dieser Tag die bisher größte Resonanz bei einem Gemarkungsgang.

Müllsünder sogar aus Frankfurt

Diesmal war aber die ehemalige Bauschuttdeponie angesagt. Anlieferungsbeginn war in den 1960er Jahren, danach wurden hier mehr als 640.000 Kubikmeter abgelagert. Die Stilllegung begann 2005, vor 13 Jahren wurde bereits abschnittsweise mit der Oberflächenabdichtung begonnen.

„Ganz früher war hier einmal das Abkippen kostenlos. Da kamen selbst Leute aus Frankfurt, um ihren Dreck loszuwerden“, erinnert sich ein Rentner. Dann habe es was gekostet, fährt er fort. Was dort unten alles liegt, möchte er lieber nicht wissen. „Einfach alles, von Autos über Fahrräder bis Altöl“, sagt er.

Rund zwei Millionen Euro steckten Münster und Eppertshausen als gemeinsame Nutzer in die drei Bauabschnitte zur Abdichtung und Rekultivierung. Zuerst wurde mit Ton versiegelt, dann nochmal mit Kunststoffbahnen nachgebessert. Für die Profilierung und damit einen schönen Berg wurden tausende Kubikmeter umgelagert. Mit Rasen versehen ist daraus heute Münsters höchste Erhebung (20 Meter) geworden.

Am Mittwoch erschien der grüne Hügel so attraktiv, dass der Wunsch nach Rodel- und Skifahren aufkam. „Das ist immer noch ein Betriebsgelände für die Wertstoffsammlung von Münster und Eppertshausen. Dazu wird das Areal vom Regierungspräsidium überwacht“, so Blank. Jährlich fänden Kontrollen zu den Spätfolgen, etwa beim Oberflächen- oder Grundwasser, statt.

Am Ende bot der Gemarkungsrundgang erneut eine Fülle von Informationen. Die machten aber nicht jeden komplett zufrieden. „Ich würde lieber wissen, was im Boden der Muna los ist“, konstatierte Volker Lehmann.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare