Bilanz und Ausblick

Frank hält auch Fraktionsfahne hoch

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Gerald Frank und Klaus Bulang

Münster - „Wir stehen nicht am Ende unserer Demokratie, wir fangen erst richtig an. “ Diese Parole, ausgegeben einst von Willy Brandt, macht sich jetzt die SPD-Fraktion in Münster zu eigen und zieht mit ihr in den Bürgermeister-Wahlkampf zieht. Von Thomas Meier

An ihrer Spitze trägt sie nun Gerald Frank, der als Bürgermeister-Kandidat der Genossen und ihr Ortsvereinsvorsitzender nun auch die Fraktionsspitze erklomm und Klaus Bulang ablöst, der dieses Amt seit 1996 inne hatte. Alter und neuer Fraktionschef nutzten eine von ihnen einberufene Pressekonferenz, um Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf Ziele zu geben.

Will der Neue an der Spitze, für den „Bürgernähe einen riesigen Stellenwert“ hat, die Öffnung der Partei forcieren und weiterführen, so musste der alte Lenker der Genossen eingestehen, „nicht viel bewirkt“ zu haben. Worin sich beide optimistisch geben, drückt Bulang so aus: „Mit Gerald greifen wir wieder an. Wir wollen gewinnen, Gerald will es.“ Die Neuwahl des Fraktionsvorstandes brachte im Kern nur eine Änderung, die an der Spitze. Bulang ist nun Stellvertreter, worüber sich Frank froh gibt, könne er doch auf seinen Erfahrungsschatz bauen.

Ob er damit gut beraten ist, scheint nach den Ausführungen Bulangs zumindest fragwürdig. Denn sein Resümee ist überschattet von einem großen Frust. Er kandidierte 1996/97 gegen den damaligen CDU-Favoriten Walter Blank, der einst das Erbe von Karl Grimm mit einem Wahlergebnis von 62 Prozent gegen die 32 seines Mitbewerbers für sich entschied. „Wir hatten damals gehofft, den Wechsel herbeiführen zu können“, berichtet Bulang, an die „dubiosen Umstände“ erinnernd, unter denen die Kulturhalle Mitte/Ende der 90er entstanden sei.

Mangelnde Kompromissbereitschaft im Parlament

„Heute ist die Situation eine andere“, sagt der aus Groß-Umstadt wegen seiner Kandidatur einst nach Altheim umgezogene Genosse. Nur mit einer Stimme habe die Union in Münster noch die absolute Mehrheit inne. Mit seinen politischen Vorstellungen sei er als Fraktionschef zumeist nicht weiter gekommen, weil „ich die Mehrheitsfraktion nicht habe überzeugen können“. Politischen Konsens zu finden sei in Münster schwer, macht der Sozialdemokrat auch „persönlich verhärtete Situationen“ und mangelnde Kompromissbereitschaft im Parlament verantwortlich.

Verknöcherte Fronten aufbrechen zu wollen ist so auch erklärtes Ziel von Gerald Frank. Der 54-Jährige baut dabei auf die Erfahrungen seines Vorgängers und die eigenen Fähigkeiten. Trotz des Wechsels an der Fraktionsspitze stünden dabei die Zeichen auf Kontinuität in der Arbeit der SPD in den vergangenen vier Jahren. „Wir wollen verstärkt mit den Bürgern ins Gespräch kommen und sie in die Meinungsbildungsprozesse über das, was in Münster geschehen soll, einbeziehen“, sagt Frank. Den ersten Schritt der Öffnung, so der Offenbacher, der seit 2007 in Münsters Kommunalpolitik mitmischt, habe man bereits vor der Kommunalwahl 2011 gemacht, „als wir in Workshops zusammen mit Bürgern unser Wahlprogramm erarbeiteten.“ Mehrere Veranstaltungen habe es zu den Bereichen erneuerbare Energien und demographischer Wandel gegeben, immer wieder werde die soziale Gerechtigkeit thematisiert.

Ortsverein lädt zur öffentlichen Mitgliederversammlung

Städtebauliche Entwicklungen und die Umsetzung des Projekts Sportpark Münster liegen dem OFC-Fan am Herzen. Und eben hier sieht er auch eine Zukunft verstärkter interfraktioneller Zusammenarbeit. Die jüngste öffentliche Fraktionssitzung werde keine Eintagsfliege sein, verspricht der studierte Lehrer und hauptamtliche Mitarbeiter der Stiftung deutsche Sporthilfe: „Als nächstes wird der SPD-Ortsverein am 22. November zu einer öffentlichen Mitgliederversammlung einladen, in der es um die finanzielle Situation der Kommune geht.“

Die Ortsentwicklung müsse sich nach den „drängenden Erfordernissen des demographischen Wandels“ gestalten, kommt Frank zum Stichwort barrierefreies, seniorengerechtes Wohnen. Und Familienfreundlichkeit, die unbedingt umzusetzen sei, um für junge Familien attraktiv zu sein. Frank sagt: „Hier stellt sich auch die Frage, wie wir Leben ins Zentrum bekommen. Ein trauriges Dasein fristet da der Rathausplatz.“ Für ihn fehle ein langfristiges Konzept.

Wo genau das Zentrum Münsters sei, vermag der Kandidat nicht zu sagen. Auf Nachfrage beteuert er, sowohl der Rathausplatz als auch die Hauptstraße und das Areal um den Mäusberg herum seien urban ausbaufähig und -würdig. „Wir brauchen mehr Flair in Münster, damit man sich wohl fühlen kann.“ Und dazu will er das Gespräch mit den Bürgern suchen und das Expertenwissen der Bürgerschaft abzapfen: „Wir wollen mit informierten Menschen gute Entscheidungen vorantreiben.“

Quelle: op-online.de

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