Munitionsfund bei Renaturierung

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Was steckt noch an Munition im Erdreich im alten Flusslauf der Gersprenz? Dort, wo schon bald die Fischtreppe entstehen soll, stießen die Bauarbeiter beim Trockenlegen und Ausschachten fürs Fundament auf Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg, Infanteriegeschosse aus deutscher und amerikanischer Produktion.

Münster - „Die Bauarbeiter waren schon sehr überrascht. Damit hatte keiner gerechnet, damit konnte niemand rechnen“, sagt Gerhard Gossens vom Kampfmittelräumdienst beim Regierungspräsidium Darmstadt. Von Thomas Meier

Ein nicht unerheblicher Munitionsfund im begradigten Verlauf der Gersprenz verzögert derzeit die Renaturierungsarbeiten am Ortsausgang Münster in Richtung Eppertshausen. Bei den vorbereitenden Fundamentarbeiten für den Einbau der geplanten Fischtreppe unweit der Landesstraße 3095 stießen die Bauarbeiter beim Trockenlegen und Ausschachten auf jede Menge Infanteriemunition – und zwar aus deutscher und amerikanischer Produktion. Das Regierungspräsidium und der Kampfmittelräumdienst wurden umgehend eingeschaltet, die ersten Eimer voller Munitionsreste sind bereits von einer Spezialfirma entsorgt worden.

Jetzt wird der Bereich des alten Flussbetts, auf dem die Fischtreppe entstehen soll, trockengelegt. Am Montagvormittag rückt der Kampfmittelräumdienst an, dann wird der betroffene Bereich ausgebaggert, die Lehm- und Lettschichten gesiebt und die sicher noch in Mengen im Erdreich schlummernden Munitionsrückstände entsorgt. „Man wird sicher nicht jede einzelne Granate finden können“, sagt Gossens, der wie andere Experten nicht weiß, was alles zutage treten kann. Aber: „Jede Patrone ist, wenn unsachgemäß damit umgegangen wird, gefährlich und gehört entsorgt.“

Woher genau die Munition im Fließgewässer stammt, wissen weder Bürgermeister Walter Blank noch der eingeschaltete Kampfmittelräumdienst zu sagen. Sicher ist, die aufgefundene Infanteriemunition stammt aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Doch ob sie aus der Muna kommt? Ob bei der Begradigung der Gersprenz in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch den Reichsarbeitsdienst Erdreich und Schrott aus der ehemaligen Munitionsfabrik, die einst im heutigen Ortsteil Breitefeld betrieben wurde, als Befestigungsmaterial verwendet wurde? Niemand vermag heute hierauf Antworten zu geben. Weil auch US-Munition im Flusslauf gefunden wurde, sind auch spätere Einlagerungen des hochbrisanten Sondermülls denkbar.

Keine Gefahr für Anwohner

Für die Anwohner an der benachbarten Heinrich-von-Kleist-Straße, deren Gärten bis fast ans Ufer der Gersprenz heranreichen, bestand und besteht laut Aussage der Verwaltung keine Gefahr. Die Munitionsreste lagern in den tieferen Schichten des alten Flusslaufs, und zwar ziemlich in der Mitte. Die Ufer des Flusses waren beim Begradigen einst teilweise gar mit Beton befestigt worden, wie sich jetzt herausstellte.

Die Renaturierung der Gersprenz sowie die damit verbundene Herstellung einer „ökologischen Durchgängigkeit von zwei Sohleschwellen“ wurde bereits Ende 2009 beschlossen. Ende letzten Jahres stand endlich das Geld, immerhin 460 000 Euro kostet das ehrgeizige Projekt, bereit. Das Hessische Umweltministerium hat es immerhin in die „Priorität I.“ eingestuft und bezuschusst es mit knapp 370 000 Euro. Den Rest steuert der Wasserverband Gersprenzgebiet bei.

Ob und wie sehr der unerwartete Fund die laufende Renaturierung verteuert, muss sich erst noch zeigen. Am Montagmorgen rückt die beauftragte Spezialfirma des Darmstädter Kampfmittelräumdienstes an und sondiert das Terrain. Dann wird man weiter sehen.

Quelle: op-online.de

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