Musik als Ventil

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Der Münsterer Kevin Opp ist A-Block. In seiner Heimatstadt entstehen Titel, in denen er seine Gefühle verarbeitet.

Münster ‐ Sein neuer Song „Kiss Of Death“ hört sich professionell an, er hätte auch im New Yorker Stadtteil Brooklyn in einem Studio schwarzer Gangster-Rapper entstanden sein können. Von Niels Britsch

Doch diese Klischees kann Kevin Opp bis auf das Outfit nicht erfüllen: Seine englischsprachigen Hip-Hop-Lieder entstehen hauptsächlich im kleinen Münster und nicht im Ghetto der Weltmetropole. Doch während seine Vorbilder wie 2Pac, B.I.G. oder 50 Cent entweder schon tot oder unglaublich reich und berühmt sind, geht der junge Münsterer in die DieburgerLandrat-Gruber-Schule (LGS) und hat mit seiner Musik noch keinen Cent verdient – obwohl sich seine Lieder akustisch kaum von denen seiner Idole unterscheiden.

Dabei haben auch schon einige Radiosender die Musik von Kevin Opp gespielt, darunter ein amerikanisches Internet-Radio oder der hessische Privatsender Planet Radio. Hier nahm Kevin – dessen Künstlername A-Block ist – an der Sendung „Do It Yourself“ teil. Nachwuchskünstler schicken dem Sender ihre selbstproduzierten Lieder, die werden dann im Radio angespielt. Gefällt der Titel mehr als 50 Prozent der Hörer, wird das Lied bis zum Ende gespielt. Kevin Opps Sprechgesang begeisterte und die Hörer duften das Lied bis zum Ende hören.

Vorliebe für englische Lieder und immer Block dabei

Eine Kostprobe von Kevin Opp gibt es auf seiner Internetseite

Bereits mit zwölf Jahren begann Kevin Opp zu rappen, nachdem er angefangen hatte, sich für Hip-Hop zu begeistern – allerdings nur für englischsprachige Lieder: „Mein Onkel hat im Auto immer englische Musik gehört und ich habe die Rap-Texte mitgesungen“, erzählt A-Block. 2007 begann er, eigene Texte zu schreiben – zunächst zu bereits bestehenden Beats (Rhythmus und musikalische Untermalung im Hip-Hop) aus dem Internet oder von bekannten Künstlern. Mit einem Kumpel, der über eine entsprechend professionelle Ausrüstung verfügt, nahm er irgendwann eigene Beats auf und mischte diese mit seinen Texten ab.

Beim Internetportal myspace wurde das amerikanische Label „Black City Hustla Records“ auf das Profil von A-Block aufmerksam. Seitdem produziert er gemeinsam mit anderen Musikern der Plattenfirma Lieder. Mittlerweile arbeitet Kevin Opp auch mit einem DJ zusammen, inzwischen habe er bereits an 50 Liedern mitgewirkt, schätzt der Schüler. Seine Texte handeln von Liebe. „Die Musik ist eine Art Ventil für mich, damit drücke ich meine Gefühle und Emotionen aus.“ Wie bei jedem echten Rapper dürfen aber auch die im Hip-Hop so beliebten Schmäh-Texte nicht fehlen. Die Ideen für seine Texte nimmt Kevin aus dem Alltag: „Ich habe immer einen Block dabei, manchmal fallen mir Sachen spontan ein, die ich dann aufschreibe. Manchmal habe ich einen Titel auch schon fest im Kopf und der Text dazu entsteht wie ein Puzzle.“

Lieder gibt es kostenlos im Internet zu hören

2011 macht der Schüler der höheren Berufsfachschule für Informationsverarbeitung an der LGS seinen Abschluss. Natürlich sei es ein Traum von ihm, professionell ins Musik-Geschäft einzusteigen, sagt er. „Ich bleibe am Ball, bin aber auch Realist genug, dass ich mich keinen Illusionen hingebe“, so Kevin Opp. Zwei- bis dreimal wöchentlich nimmt sich der Münsterer Zeit für die Musik, ansonsten spielt er in seiner Freizeit Basketball, Baseball oder Fußball.

Zwar hat der Münsterer Rapper noch keine Single und erst Recht noch kein eigenes Album herausgebracht, dafür kann man sich seine Lieder jedoch kostenlos im Netz anhören – ohne befürchten zu müssen, Post von Patent-Anwälten zu bekommen.

Quelle: op-online.de

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