Abfall in der Gersprenz

Erschreckend viel Plastikmüll im Fluss

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Großeinsatz in vermüllter Gersprenz: Naturschutzbund Münster und Hergershäuser Angler sammeln mit Unterstützung einiger Flüchtlinge 20 Säcke Unrat, darunter sehr viel Plastikmüll, aus dem Fluss.

Münster - Die Gersprenz vermüllt zusehends. Das stinkt nicht nur dem Naturschutzbund Münster. In den Mitgliedern des Angelsportvereins Hergershausen fand der Ortsverein Mitstreiter beim großen Säubern des Gewässerlaufs. Von Thomas Meier 

Rund 20 Säcke Unrat, meist Plastikmüll und Glasflaschen, holten zwei Dutzend Helfer jetzt aus einem ganz kurzen Stück Gersprenz heraus. Dabei wurde die Idee geboren, in einer konzertierten Aktion auf Dauer dem Missstand zu begegnen. Eigentlich wollte der Nabu sich nochmals dem Nistkastensäubern widmen, doch war nun auch Eile beim Entmüllen der Gersprenz geboten. Der 1. März rückt rasant näher, ab diesem Datum beginnt die Setzzeit im Naturschutzgebiet und da wären bis Mitte Juni auch solche gut gemeinten Aktionen nicht nur störend, sondern verboten.

Thomas Lay, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim Nabu Münster, hatte eilends umorganisiert und die jüngste Aktion koordiniert. Denn nicht nur an ihn, auch an andere Mitglieder traten etliche Beobachter heran mit der Feststellung: „Der Müll im Fluss nimmt überhand.“ Jürgen Mader, langjähriger Naturschützer, sagt: „Ich bin daraufhin mal offenen Auges entlang des Flusses an den Hergershäuser Wiesen gegangen. Ich war sehr überrascht. Negativ. Es ist erschreckend, welch Frevel dort sichtbar wird.“ Auch Vorsitzender Dieter Günther und sein Stellvertreter Matthias Kisling, beide in Gummistiefeln und mit Spaten bewaffnet, berichten vor Ort von „unglaublichen Zuständen“.

Weil die Naturschutz-Aktivisten zwar Spaten, Sägen, Mähmaschinen und ähnliches haben, aber in ihren Gummischuhen den Gersprenzfluten kaum trotzen können, wandten sie sich zunächst an die Gersprenztaucher, die sie zur Aktion gern mit ins Boot geholt hätten. Doch hatten die bereits andere Termine. Glück für den Nabu: Bei den Anglern aus Hergershausen trafen sie nicht nur auf offene Ohren, sondern auch auf helfende Hände. Denn die Angler haben – wie die Taucher – Neoprenanzüge, in denen sie selbst bei den kalten Temperaturen ins Wasser steigen können. Und sie haben ein kleines Boot, was sich als überaus nützlich beim Flussaufräumen erwies.

Drei Angler, neun Naturbundleute plus drei in Münster lebende Flüchtlinge, die gern ihre Freizeit bei Aktivitäten des Nabu verbringen, traten zur ersten Säuberungsaktion nahe des Schöpfrades an der Gersprenz an. Unter den Helfern auch Nabu-Mitglied Wolfgang Kleinheinz, Mitarbeiter des nahe liegenden Klärwerks Münster, in das der gesammelte Müll zunächst gebracht wurde, damit ihn dort der Zentrale Abfall- und Wertstoffeinsammler (ZAW) abholt.

Europa und der Müll: Umweltproblem oder gutes Geschäft?

Eigentlich fließt die Gersprenz schnurgerade an den Hergershäuser Wiesen entlang, doch immer wieder mal bahnt sich Wurzelwerk und Geäst nahestehender Bäume den Weg ins fließende Nass. Dort verfängt sich dann schnell der Treib-Müll, wird mehr und staut sich schließlich auf. So widmeten sich die vielen Helfer im wesentlichen zunächst 15 Meter Flusslauf, den es von Unrat und Geäst zu befreien galt.

Und was es alles herauszuholen gab: Unmengen an Plastikflaschen, mindestens ebenso viele Glasbehältnisse, Plastikbälle in allen Farben und Größen, Autoreifen, und Plastiktütenfetzen. Zudem bargen die Helfer alte, ausrangierte Möbel, eine desolate Gartenzauntür und (mittlerweile leergespülte) Farbeimer. Das Geborgene ist nur die Spitze des Eisberges, denn was im Schlick des Flussgrund noch so alles schlummert, weiß niemand.

Angler und Nabu-Helfer beschlossen angesichts der frevlerischen Tatsachen, dass diese fünfstündige Aktion keine einmalige bleiben dürfe. Beide Vereine wollen ihre Gemeinden von den Zuständen unterrichten und nach weiteren Mitstreitern im Kampf gegen die Umweltverschmutzung suchen. Münsters Verwaltung hatte bereits zugesagt, die Kosten für die Entsorgung des geborgenen Treibgutes zu übernehmen. Doch ist dies wahrlich nur ein Tropfen in die vermüllte Gersprenz.

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Quelle: op-online.de

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