Werlacher Weg soll geräumt werden

Naturfüchse kämpfen um Heimat

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Was auf dem Gelände der alten Kläranlage zukünftig entstehen soll, ist noch ungewiss. In den letzten Monaten wurden das alte Becken entfernt und der Betonmantel abgetragen.

Münster - Sie werden immer wieder von den Politikern gelobt: Die Kinder- und Jugendabteilungen der Vereine leisten vor allem in sozialer Hinsicht eine wichtige Arbeit. Beim NABU Münster kommt der Nachwuchs unter dem Dach der Naturfüchse zusammen. Und hat nun ein Problem. Von Michael Just

Das Dach gibt es nicht nur im übertragenen Sinn: Mittelpunkt für die Gruppenstunden ist ein alter Bauwagen, den die Füchse einst hergerichtet und angemalt haben. Auf dem Areal der alten Kläranlage im Werlacher Weg hat er seit Jahren auf Gemeindegrund seinen Platz. Für die Neuentwicklung der Fläche gegenüber dem Gersprenz-Stadion wurde in den letzten Monaten das große Betonklärbecken entfernt.

Die Gemeindeverwaltung hat den Füchsen für die Zukunft nun einen neuen Grund und Boden für ihren Bauwagen angeboten. Der liegt gar nicht so weit weg im Wohngebiet. Doch die NABU-Kinder möchten nur ungern weichen: Der angestammte Platz bietet zu viele Vorteile, die man an anderer Stelle einbüßen würde.

Gegründet im April 2007

Die Füchse hat Hildegard Jacob im April 2007 gegründet. Für die Gruppenstunden (vorher traf man sich nur in der Natur) suchte die Lehrerin im Ruhestand einen Bauwagen, der auch als Quartier für die kalte Jahreszeit passt. Ende 2008 wurde sie fündig, als die Nachfrage bei einer Baufirma aus Frankfurt, die gerade in Dieburg arbeitete, ein positives Ergebnis brachte.

„Die hatten was für uns. Und der Wagen stand in Eppertshausen und damit gar nicht weit“, erzählt Jacob. Bezahlen musste man nichts. In der Folge wurde das gute Stück ausgebaut und mit bunten Motiven angemalt. Heute ist der Wagen eines der Aushängeschilder der Kindergruppe, die rund ein Dutzend Mitglieder zählt. Dafür spricht auch seine stattliche Länge von über sieben Metern. Zudem nutzen die Erwachsenen den Wagen bei ihren Arbeitseinsätzen im Winter zum Aufwärmen oder zum Stammtisch.

Dass der Wagen nun einen neuen Platz bekommen soll, ist auch dem NABU-Vorstand nicht recht. „Uns ist nichts bekannt, was auf dem Gelände überhaupt entstehen soll“, sagt Dieter Günther.

Ausbau der Kindergruppe

Wie Jacob sieht er direkt gegenüber dem Stadion eine Reihe von Vorteilen: Darunter fallen die Nähe zum Feld, zu den Störchen, zur Gersprenz und generell die Lage am Rand von Münster, die Kinderlärm zulässt. Dazu gebe es Strom und Wasser. Letzteres existiere auf dem neuen Gartengrundstück im Wohngebiet nicht. Mit dem Vorschlag, dass man dafür doch mal die Nachbarn fragen könnte, wollen sich die Verantwortlichen nicht abfinden.

„Wir wollen auf alle Fälle hier bleiben. Uns reichen ja nur ein paar Quadratmeter“, sagt Jacob, die nach kurzer Überlegung weitere Standortvorteile benennt.

Dazu gehört die Nähe zu den Vereinsgaragen, die sich ebenfalls auf dem Grundstück befinden. In der NABU-Box wird Arbeits- und Lehrmaterial aufbewahrt. Nicht nur durch das Kelterfest der Füchse kann sich Jacob keine andere Basis vorstellen: „Wenn man von den Naturfüchsen spricht, meint man diesen Platz samt Bauwagen hier.“

Zahlreiche Passanten würden hier tagtäglich vorbeikommen. Damit sei das ausliegende Info-Material der Füchse stets schnell vergriffen. Einen Standortwechsel würde die Pädagogin, wie sie sagt, hart treffen: „Das wäre äußerst unglücklich für uns, da wir hier schon zu sehr verwurzelt sind.“

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Den Ausbau der Kindergruppe, der jetzt im Frühjahr anstehen könnte, und die Kooperation mit anderen NABU-Gruppen im Kreis sieht Jacob wegen der zu erwartenden Nachteile als gefährdet. Sogar das eigene Weitermachen stellt sie bei einem solchen Einschnitt in Frage.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Bürgermeister Walter Blank, dass noch nicht entschieden sei, was auf das Gemeindegelände am Werlacher Weg zukünftig kommt. Zuerst werde das entstandene Loch, indem sich das einstige Klärbecken befand, wieder verfüllt. Mit den Verantwortlichen der Naturfüchse will er sich in den nächsten Tagen zusammensetzen und eine passende Lösung finden. „Die Naturfüchse machen eine tolle Arbeit. Da wird und muss es ein Ergebnis geben, das alle zufrieden stellt“, kündigt Blank an.

Quelle: op-online.de

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