Schulreform dezimiert Naturfüchse

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Bei den Naturfüchsen warteten am Sonntag diverse Bastelangebote, die gerne angenommen wurden.

Münster - Normalerweise ist englischer Rasen für Naturschützer ein Graus und eine reich blühende Naturwiese ein Gedicht. Von Michael Just

Die alles andere als naturnahe Umgebung im Gersprenzstadion ertrugen die Mitglieder des Nabu Münster jetzt aber schon deshalb problemlos, da es eine Menge zu feiern galt. Unter anderem standen das Storchenfest und der sechste Geburtstag der Naturfüchse, der Nachwuchsorganisation des Verbands, auf dem Programm.

„Wir fühlen uns im Gersprenzstadion wohl und der Platz hier dürfte Zukunft haben“, sagte Vorsitzender Dieter Günther zur Premiere in sportlicher Umgebung. Die Wahl einer geeigneten Feierstätte zeigte sich in den letzten Jahren für die Ortsgruppe, die kein Vereinsgelände besitzt, nicht immer als einfach: So wurde schon auf den Rathausplatz oder auf das Vereinsgelände des Geflügelzuchtvereins am Werlacher Weg eingeladen. Das baufällige Vereinsheim der Geflügelzüchter schob dem aber einen Riegel vor. Im letzten Jahr fiel die Feier aus.

Nabu Münster hat rund 270 Mitglieder

Zum ersten Mal feierte der NABU sein Storchenfest im Gersprenzstadion. Nach zuvor wechselnden Orten könnte damit ein Platz für die Zukunft gefunden worden sein.

Derzeit zählt der Nabu Münster rund 270 Mitglieder, die meisten davon sind fördernd. Der aktive, harte Kern umfasst gerademal acht bis zehn Leute. „Und er ist mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren nicht mehr ganz so jung“, weiß Rudi Heckwolf (72). Der ehemalige Beamte gehört zu den Aktivposten im Verein. Schon als Schüler war er dabei. Das ist nun fast sechs Jahrzehnte her. Alles was mit Natur zusammenhängt, macht dem gelernten Werkzeugmacher Spaß. Beim Schneiden der Kopfweiden, einer regelmäßigen Arbeit der Naturschutzbündler, steht er wie beim Bau von Insektenhotels in der vordersten Reihe.

Mit den großen Naturschützern feierten am Wochenende auch die kleinen. Seit nunmehr sechs Jahren gibt es die Naturfüchse, die von Hildegard Jakob gegründet wurden. Beim Storchenfest rührte die Leiterin kräftig die Werbetrommel. Unter dem Mikroskop konnten Tiere wie Libellen, Schnecken, Hummeln aber auch Pflanzen angeschaut werden, dazu lag allerlei zum Malen und Basteln aus. Beliebt waren die sehr naturnahen Karten. Dafür sammelten die Kinder Kräuter und Blüten, um sie dann aufzukleben.

Naturfüchse im Umbruch

Hatte die ehemalige Lehrerin mit ihren Naturfüchsen sonst immer eine kleine, feine Gruppe beisammen, ging die Resonanz in letzter Zeit merklich zurück. „Wir haben zwar 13 bis 15 Kinder auf der Liste, davon kommen aber nur noch wenige“, erzählt sie. So sieht sie die Naturfüchse, auch altersbedingt, im Umbruch.

Laut Jakob machen vor allem die Veränderungen an den Schulen zu schaffen, die dem Nachwuchs kaum noch Freizeit lassen. Das ist schade, denn das jährliche „Naju“-Programm stellt die Münsterin mit viel Passion zusammen. Interessant und abwechslungsreich gehören Termine wie Urwald-Erkundung, Krötenwanderung, Pilze suchen, Wildkräuter sammeln, Malen mit selbst hergestellten Erdfarben, „Tümpeln“ an der renaturierten Gersprenz, die Verarbeitung von Hollunderblüten, das Reinigen von Nistkästen und weitere zahlreiche weitere Aktionen samt Beobachtungen im Wald dazu.

„Sie kommt mal vorbei“

„Sie kommt mal vorbei“, verspricht Tatjana Wrona mit Blick auf Tochter Eileen (7), auf dass die Naturfüchse vielleicht Zuwachs bekommen. Mit ihrem Mann und dem jüngsten Nesthäkchen der Familie schaute die 37-Jährige ebenfalls beim Storchenfest vorbei. Dass Eileen schon den Hausrotschwanz oder die Amsel kennt, findet Hildegard Jakob klasse. Die Begeisterung für Vögel hat die Schülerin vom Großvater geerbt, und ein Stückweit auch von ihrer Mutter. Denn in jungen Jahren gehörte die Mama ebenfalls einer Naturschutzgruppe an. „Da bleibt natürlich was hängen“, sagt die 37-Jährige.

Die Vorteile, beim Nabu groß zu werden, kann sie kurz und bündig mit nur einem Satz beschreiben: „Neben dem Kennenlernen der Umwelt reicht es schon, einfach draußen in der Natur zu sein.“

Quelle: op-online.de

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