Als Schulleiterin

Nach 25 Jahren verlässt Helga Blitz die Regenbogenschule

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Helga Blitz umringt von Schülern: So sieht sich die erste und bislang einzige Rektorin der Regenbogenschule am liebsten. Heute feiert sie mit ihren Kindern (und vielen Gästen) Abschied.

Altheim - Abschied von einem Vierteljahrhundert: Wenn heute Nachmittag das Sommerfest der Regenbogenschule eingeläutet wird, werden nicht nur sehr viele Gäste kommen, es werden sicher auch Tränen fließen: Rektorin Helga Blitz wird nach 25 Jahren Schulleitertätigkeit in den Ruhestand verabschiedet. Von Thomas Meier 

Sie hat ein „komisches Gefühl im Bauch“, die Schulleiterin, die in Seckmauern im Odenwald das Licht der Welt erblickte. Zehn Jahre vor ihrem jüngeren Bruder, den sie zunächst bemutterte, später auch – im Spiel – beschulte. Lehrerin als Berufsziel war ihr aber damals noch nicht manifest vorgegeben, „auch Innenarchitektin hätte ich mir als Lebensweg vorstellen können“, sagt sie, die auf den Rat ihres Vaters hörte: „Werde lieber Beamtin.“ In Gießen studierte Blitz Lehramt für Grundschulen mit Hauptfach Mathematik plus Kunst und Geografie. Es folgte das Referendariat in Urberach, und dann war erst mal Schluss mit Lehren. Mutterpflichten ließen sie für ihre beiden Söhne pausieren. „In Frankfurt studierte ich damals Musikpädagogik, ich wollte ja nicht einrosten“, erinnert sich Blitz.

Ab 1990 ging es dann aber Schlag auf Schlag. Die Pädagogin trat in die Dienste der John-F.-Kennedy-Schule, allerdings in deren damaliger Dependence in Altheims Schoeltzke-Haus. Bereits Ende der 1980er Jahre wurden erste Klassen – auch auf massiven Wunsch Altheimer Eltern – ausgesiedelt ins Schoeltzke-Haus. Der Ruf nach einer eigenen Schule wurde immer lauter und von der kommissarischen Leiterin der Kennedy-Außenstelle in Altheim, eben Helga Blitz, auch kräftig unterstützt. Gleichzeitig bewarb sie sich um die Schulleiterstelle. „Am letzten Tag der Bewerbungsfrist warf ich meinen Hut in den Ring“, sagt Blitz, die vom Elternbeirat, Kollegen und der Schulamtsleiterin zu diesem Schritt ermutigt wurde. „Eigentlich wollte ich keine ganze Stelle, meiner Kinder wegen“, erklärt die Rektorin, die dennoch diesen Schritt nie bereute: „Eine Schule aufbauen und leiten zu dürfen, ist eine große Aufgabe mit hoher Verantwortung. Und sehr erfüllend.“

„So wie sich im Regenbogen alle Farben treffen, so sollen sich in unserer Schule Kinder in all ihrer Unterschiedlichkeit begegnen.“ So steht es seit 25 Jahren in der von Blitz maßgeblich mitverfassten Präambel des Schulprogramms der Regenbogenschule. Sie übernahm im Dezember 1992 die Grundschule mit fünf Klassen und verlässt sie nun mit ihren wieder fünf Klassen. Zu Hochzeiten waren es acht Klassen mit rund 160 Schülern, die in Altheim am Sportplatz beschult wurden, jetzt sind es 94. Fünf Klassenlehrer, ein Förderschullehrer, der Pfarrer und Helga Blitz unterrichten sie.

Die Anfänge im Neubau waren nicht leicht, und auch später war ein steter Kampf um Verbesserungen für die Schüler der Rektorin täglich’ Brot: „Als die Schule eingeweiht wurde, gab es keine einzige Tafel im Bau, kein Waschbecken in den Klassen, keinen Schulhof.“ Und weil kurz vor der Fertigstellung des nicht unterkellerten Baus auch erst die Wende war, gab es im Westen zunächst nichts, weil alles erst mal in den Osten wanderte. Blitz blieb zäh am Ball, Dieburg und das Schulamt waren damals nah und sie wurde dort derart oft gesehen, dass Kollegen schon mal fragten, ab die Schulleiterin wohl Ambitionen auf ein Schulamtsposten hätte.

Sie organisierte wie ein Ossi. Der Hausmeister bekam seine „Villa“ zum Unterstellen seiner Utensilien, das Konrektorenzimmer wurde zur Küche, ein Archivraum Bibliothek. 2007 war große Einweihungsfeier für das Forscherhaus, das dem handlungsorientierten Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern dient. Schon von Anfang an wurde in Altheim ein Schulprogramm entwickelt und die Regenbogenler durfte aufgrund dessen am Modellprojekt „Schule mit festen Öffnungszeiten“ ab 1993 mitarbeiten. Das Projekt zerschlug sich später. „Aus politischen Gründen“, bedauert Blitz noch heute. Ihre Schule wurde eine mit musikalischem Schwerpunkt, sie hat etliche Preise gewonnen und trägt seit vielen Jahren das Gütesiegel „Hochbegabtenförderung“.

Und nach zwölfjähriger Wartezeit erfüllte sich gar noch ein Langzeitwunsch der Rektorin. Sie bekam nach endlosem Hickhack mit dem Kreis ihre Pavillons für die Nachmittagsbetreuung, die zuvor viele Jahre in Räume des benachbarten TSV Altheim ausgelagert war. Nach einem ihrer schönsten Schulerlebnisse befragt, erinnert sie sich an das Fest, das ihr das Kollegium zum 60. Geburtstag bereitete. Für sie Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls. Was ihr nicht gefällt: Die Bürokratie im Schulalltag nimmt immer mehr zu, schnürt kreative Schularbeit in ein zu enges Korsett. Was ihr immer wichtig war und bleibt: „Ich wollte immer die Schätze heben, die in jedem Kind liegen“.

40 Lehrer erlebte sie in ihren 25 Jahren des Schulleiterdaseins und viel, viel mehr Schüler. Jetzt freut sich die Ruheständlerin aufs „Wohnen“. Seit neun Jahren lebt sie in Aschaffenburg nahe des Pompejanums mit unverstelltem Blick auf den Main. Den will sie nun genießen. Denn bislang fuhr sie am frühen Morgen gen Altheim, und wenn sie abends zurück in ihrer Wohnung war, lag der Fluss im Dunkeln. Den möchte sie bei Licht und oft mit ihrem Enkel genießen. Ganz ohne Kinder wird sie also auch fürderhin nicht sein.

Quelle: op-online.de

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