Nach dem Aus für „Kunst in Münster“:

Streit um Kunstschau und christliche Werte

Münster - Über Kunst darf gestritten werden. Darüber herrscht höchst wahrscheinlich Einigkeit. In Münster ist nun allerdings ein veritabler Streit zwischen Bürgermeister Gerald Frank (SPD) und der CDU um die Kunst entbrannt. Zumindest war diese der Auslöser. Von Norman Körtge 

Denn mittlerweile geht es auch um christliche Werte. Ausgetragen wird der Konflikt mit offenen Briefen und Pressemitteilungen. Der Versuch einer Chronologie. „Keine Kunst mehr zwischen der Kerb“ titelte unsere Zeitung Anfang Oktober. In dem dazugehörigen Artikel wurde die Absage der Veranstaltung „Kunst in Münster“ (KIM), die im Jahr 2000 unter dem Motto „Kunst zwischen der Kerb“ ihre Premiere erlebte, verkündet. In der Ausstellung präsentierten sich im vergangenen Jahr noch etwa 40 Künstler. Als Grund für das Streichen der Veranstaltung – zwar kurzfristig kommuniziert, aber bereits seit Längerem feststehend – nannte Bürgermeister Frank zuletzt „abgeflaute Besucherströme“, „Enttäuschung bei Ausstellern“ und auch die Kosten. Auf 8 000 Euro summierten sich diese. Damit sei KIM die für die Gemeinde teuerste Veranstaltung 2016 gewesen, so Frank. Den Künstlern sei allerdings angeboten worden, das Museum an der Gersprenz zu nutzen. Das habe der lose organisierte Künstler-Stammtisch aber angelehnt.

In einer ersten Stellungnahme kritisierte die CDU den Wegfall. „Es fehlt etwas“, meinte Fraktionsvorsitzender Thorsten Schrod. Er bekräftigte, dass für die CDU „die Förderung heimischer Kunst und Kultur wichtig“ ist und stellte in Frage, ob „wirklich alles getan wurde, um KIM zu erhalten. Schließlich sei den „aus der Region stammenden Künstlern und Kunsthandwerkern seitens der Gemeinde diese Plattform entzogen“ worden.

In einem dreiseitigen, offenen Brief an die CDU, indem es auch um das „ARThaus“ und das Schoelzke-Haus geht, wehrt sich Frank. Er sieht in den „Statements christliche Werte wie Fairness, Ehrlichkeit und Wahrheit verletzt“. Dem von der CDU angezweifelten fehlenden Zuspruch stellt Frank entgegen, dass in Auswertungsgesprächen mit den Künstlern seitens dieser selbst Unzufriedenheit und Enttäuschung über den geringen Besuch der Veranstaltung 2016 geäußert wurde. Auch, wenn eine Veranstaltung irgendwann ins Leben gerufen wurde, bedeute dies nicht, dass es sie immer geben muss, argumentiert Frank. „Mir liegt viel an Tradition. Deshalb habe ich den Künstlern mehrere Angebote unterbreitet, die Veranstaltung am Leben zu erhalten, etwa durch die Integration in den Weihnachtsmarkt. Alternativ dazu hatte ich vom Heimat- und Geschichtsverein die Zusage bekommen, unser Gersprenzmuseum als Ausstellungsort zur Verfügung zu stellen. Beide Vorschläge wurden seitens der Künstler abgelehnt“, so Frank.

Bilder: Gewerbeschau in Münster

CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Thomas Heinz bezeichnet es in einer Stellungnahme nun als Unverschämtheit, dass Frank der CDU Münster die christlichen Werte abspricht, und holt zum Gegenschlag aus: Erst vor wenigen Wochen habe Bürgermeister Frank den Gemarkungsrundgang der Gemeinde an einem Sonntagmorgen durchgeführt und damit zu einer Parallelveranstaltung zum sonntäglichen Gottesdienstbesuch eingeladen. „Dieses Verhalten ist heuchlerisch“, stellt er fest und bezichtigt Frank, die Arbeit der CDU-Gemeindevertreter zu behindern. Als Beispiel führt Heinz an, dass die jüngste Bau-Ausschusssitzung in den Herbstferien stattgefunden habe. Als Grund dafür wurde genannt, dass ein Referent nur diesen Termin wahrnehmen könne. Auf Nachfrage in der Sitzung hieß es dann vom Referenten, dass die Gemeindeverwaltung den Termin vorgegeben habe und die Sitzung auch außerhalb der Ferien hätte stattfinden können.

Quelle: op-online.de

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