Frauenkinotag im „Kaisersaal“

Nach Radioaktivität ein Kreistanz

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Rita Heckwolf-Traub (mit Schal) bot zum Frauenkinotag meditativen Kreistanz im Storchenschulhaus an.

Münster - Die weltweite Bedeutung der Frauen im Allgemeinen, großes Kino über die Powerfrau Marie Curie und der gute alte Kreistanz standen im Mittelpunkt des Frauenkinotages im Kaisersaal. Von Jens Dörr

Der von den Münsterer „Kaisersaal“-Lichtspielen und der Gemeinde veranstaltete Frauenkinotag hat 80 Frauen in die Welt von Marie Curie eintauchen lassen. Der gleichnamige, 2016 erschienene Film über die Physikerin, Chemikerin und ersten weiblichen Träger des Nobelpreises stand im Zentrum der zwölften Auflage der Veranstaltung, die stets in der Woche des „Internationalen Weltfrauentags“ stattfindet. Erneut bettete das Kaisersaal-Team um Bettina Müller-Herzing den Frauenkinotag in zum Film passende Schlemmereien und Workshops ein.

Den Auftakt bildete ein Frühstück, für das sich 77 der 80 Frauen, die später den Film schauten, angemeldet hatten. Da es sich bei „Marie Curie“ um eine deutsch-polnisch-französische Koproduktion mit ebensolcher gemischter Besetzung handelt, kredenzte die Kaisersaal-Küche eine morgendliche Stärkung mit Zutaten aus diesen drei Ländern. Polnische Wurst lag dabei neben Croissants und französischem Käse – und Deutschland ist nicht nur ob seiner Brot- und Brötchenvielfalt ohnehin als Land mit ausgeprägter Frühstückskultur bekannt. Später am Tag, zum Mittagessen in dann nicht mehr ganz so großer Runde, reichten Müller-Herzing und Co. mit Bigos (ein Schmoreintopf besonders aus Weiß- und Sauerkraut) das polnische Nationalgericht sowie den französischen Klassiker Ratatouille (Eintopf aus geschmortem Gemüse).

Nach dem Frühstück folgte zunächst der Film. Er zeigte den Kinogängerinnen das Leben von Marie Curie (gespielt von der Polin Karolina Gruszka), die 1903 zusammen mit ihrem Mann Pierre den Physik-Nobelpreis erhielt. Ein Nobelpreis war einer Frau zuvor noch nie zugesprochen worden. Nur drei Jahre später wurde das private und professionelle Glück des Paares zerstört, als Pierre an den Folgen eines Unfalls starb. Von da an musste sich Curie als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern in einer von Männern dominierten Welt durchschlagen. Die leidenschaftliche Forscherin ließ sich jedoch – auch beruflich –nicht unterkriegen und durfte wenig später als erste Frau an der renommierten Universität Sorbonne unterrichten. Curie, 1867 in Warschau geboren, erhielt 1911 auch noch den Nobelpreis für Chemie. Eine (wie alle Kernelemente des Films tatsächlich vonstatten gegangene) Liebesgeschichte ist im Film, der sich unter anderem auf Briefwechsel, Tagebuch-Einträge und Zeitungsartikel stützt, ebenfalls eingestreut.

Im Anschluss an den Streifen nutzten noch mehr als 30 Frauen die Gelegenheit, sich in einem der vier Workshops auszuprobieren. Sie gehören zum Frauenkinotag. Münsters Rathaus unterstützt dabei im administrativen Bereich, etwa beim Sammeln der Anmeldungen; fürs inhaltliche Programm zeichnet neben Bettina Müller-Herzing auch Rita Heckwolf-Traub verantwortlich. „Der Grundgedanke ist, mit den Workshops am Frauenkinotag zu zeigen, dass es hier viele Frauen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten gibt“, erläuterte Heckwolf-Traub. Ihnen biete die Veranstaltung ein Forum. Müller-Herzing verdeutlichte, dass die Workshops zum Stoff des Films passen sollten.

Archivbilder:

Dies war der Fall. So beschäftigte sich einer der beiden Bastelworkshops mit der Gestaltung von Raumschmuck mithilfe von Reagenzgläsern. Sie wurden in Holzscheite eingearbeitet und dienen dann als schlanke und dekorative Blumenvasen. Auch Faltsterne wurden kreiert. Im Restaurant referierte in Justina Bergmann, eine aus Münster stammende Radiologieassistentin, zum Thema „Radioaktivität - gestern und heute“. Bergmann ist eine Freundin von Müller-Herzing, die angesichts des für dieses Jahr ausgesuchten Films sofort an sie dachte.

Im Storchenschulhaus lud Heckwolf-Traub zum meditativen Kreistanz ein. Der Bezug zur Physikerin und Chemikerin Marie Curie? „Sie stand ganz für ihre Wissenschaft, ist darin eingetaucht“, so Heckwolf-Traub. „Wenn ich mich beim Tanz ganz auf mich konzentriere, ist das ähnlich.“ Im Zuge der meditativen Wirkung – Hand in Hand mit den anderen Tänzerinnen – entstünden „neue Ideen für den Alltag“.

Quelle: op-online.de

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