Ökumene

„Nacht der Kirchen“: Orgel und Glocken ziehen Publikum an

Dekanatskirchenmusiker Ulrich Kuhn geht gemeinsam mit seinen Schülern Max Sandhäger (vorne) und Alexander Kolb die vorzutragenden Stücke durch. Foto: Panknin

In der „Nacht der Kirchen“ öffneten die Kirchen verschiedener Pfarrgemeinden sich für die Besucher. Die konnten unter anderem mehr erfahren über Orgeln und Glocken.

Münster/Eppertshausen – Den Zeitgeist trifft, wer kirchlichen Gemeinschaften gar nicht erst beitritt oder sie verlässt.  Verstärkt wurde und wird der Trend nicht nur durch hausgemachte Probleme der Kirchen, auch der demografische Wandel beschert ihnen einen Mangel an Nachwuchskräften. Gleichermaßen betroffen sind katholische und evangelische Kirchengemeinden, nicht nur in Münster.

Hier entschlossen sich die Pfarrgemeinden nun zu einer ökumenischen Aktion mit Namen „Nacht der Kirchen“. Es sollte gezeigt werden, dass christliche Institutionen zusammenstehen und neben bibelbezogenen Zusammenkünften ihren Mitgliedern auch eine breite Vielfalt an anderen Veranstaltungen anbieten. Erstmals 2015 angeboten, zeigte sich, dass die eingeschlagene Richtung zu stimmen schien. 2016 schlossen sich die christlichen Konfessionen aus Eppertshausen dem Programm an. Somit konnten an einem Abend in fünf Gotteshäusern ein vielfältiges Programm wahrgenommen werden.

Die Zahl der Gläubigen und Interessierten war beachtlich. Dennoch gab es eine Pause, denn weder 2017 noch 2018 wurde zur Kirchennacht gerufen. Nun hielten die Gotteshäuser in Münster, in Altheim und in Eppertshausen am Abend wieder ihre Türen für Besucher offen.

Begonnen wurde in der evangelischen Kirche in Altheim. Bestimmendes Thema war die Orgel, das kirchliche Instrument schlechthin, das im Dezember 2017 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden war. Natürlich nicht speziell die, die Orgelbauer Johann Nikolaus Schäfer aus Hanau in Altheim 1726 eingebaut hat. Seitdem mehrfach renoviert und erweitert, bis schließlich 1967 die Orgelbaufirma E. F. Walker aus Ludwigsburg ein neues Orgelwerk in das historische Gehäuse installierte. Wie die sich „Königin der Kircheninstrumente“ in Altheim anhört, ließen nach einer Begrüßung der vielen Gäste durch Kirchenvorstandsmitglied Peter Goschier der Dekanatskirchenmusiker Ulrich Kuhn und seine beiden Schüler, Max Sandhäger aus Groß-Zimmern und Alexander Kolb aus Hergershausen, vernehmen. Den musikalischen Anfang machte die Ouvertüre zu G. F. Händels „Feuerwerksmusik“, gespielt von Kuhn. Die nächsten Glanzlichter setzten Stücke aus Klassik und Romantik, wechselweise von den Schülern vorgetragen. Wo es bei ihnen noch weiterer Schulung bedarf, kann nur ein Fachmann beurteilen.

Kurzweiliger Vortrag über Orgelbau

Für die Weiterbildung der Besucher sorgte ein kurzweiliger Vortrag über den Orgelbau, gehalten von Max Sandhäger, der kürzlich ein Praktikum bei einem Orgelbauer absolvierte. Mitgebrachte Pfeifen – natürlich nur kleine – ließ er durch die Bankreihen gehen, damit ein Eindruck vom Material gewonnen werden konnte. Musikalisch klang die erste Stunde der Nacht der Kirchen mit flotter Orgelmusik (Orgeldrehwurm), traditionellen Weisen, Gospel und rockigen Stücken aus.

Nicht wenige Besucher machten sich auf den Weg zur nächsten Station der Kirchennacht, nach Münster. Hier musste man sich allerdings entscheiden, denn zeitgleich konnte man in St. Michael etwas über die Historie der dort installierten Glocken hören, oder sich in der Martinskirche an Erfahrungen bekannter Dichter über die Liebe, das Alter und über die Vergänglichkeit erfreuen. Pfarrer Bernhard Schüpke trug unterhaltsam über die Geschichte der einzelnen Glocken vor. Jede von ihnen wurde nach der Vorstellung kurz zum Klingen gebracht, um abschließend alle gleichzeitig in einem selten zu hörenden vierstimmigen Geläut über Münsters Dächer zu ertönen. Bevor sich die Tür zum Kirchturm öffnete, vermittelte Stefanie Faust den Gästen einen Eindruck vom Wirken mitgebrachter Klangschalen. Nicht wenige, unter ihnen auch Bürgermeister Gerald Frank, wollten noch hoch hinaus und den Blick auf Münster von oben genießen. Wohl dem, der den massiven Balken über den Stiegen rechtzeitig ausgewichen ist.

Zum Thema „Alles hat seine Zeit“ reflektierte die Dieburgerin Elisabeth Förster aus Gedichten und Geschichten verschiedener Autoren über Liebe und Vergänglichkeit. Sie trug ruhig vor, gleichmäßig flossen die Worte ohne Hektik. Wehmut oder Traurigkeit kam aber auch nicht auf, eher ein stilles, inneres Schmunzeln ob vergangener Erlebnisse. Einfühlsam unterstrich Susanne Grimm mit ihrer Querflöte das gesprochene Wort musikalisch. So entspannt eingestimmt, ging es weiter nach Eppertshausen. Dort wurde es in der kleinen Friedenskirche dann ruhig. In gelebter Ökumene gestalteten der evangelische Pfarrer Johannes Opfermann und sein katholischer Kollege Harald Christian Röper einen Gottesdienst, der unter dem Motto stand, „Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden“. Für musikalische Untermalung sorgten die Gläubigen mit ihrem Gesang. Hierbei wechselten sie sich mit der Gesangsgruppe „Melelani“ aus Eppertshausen ab. Unterstützung gab allen Michael Roth am Klavier.

VON PETER PANKNIN

Quelle: op-online.de

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