Nachtigall im Staatstheater

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Der Kaiser von China und sein Gefolge wechseln bald von der Schulbühne auf die des Hessischen Staatstheaters.

Münster ‐ Asiatisch ging es am Montag in der Münsterer John-F.-Kennedy-Schule zu: Das Musical „Die chinesische Nachtigall“ wurde aufgeführt. Von Jasmin Frank

„Unsere beiden Chöre, die sich jeweils aus der ersten und zweiten beziehungsweise der dritten und vierten Jahrgangsstufe rekrutieren, haben jetzt ein Jahr lang für dieses Stück geprobt. Insgesamt sind etwa 100 Kinder mit dabei“, erzählt Schulleiterin Nicole Sabais stolz. Und das können alle Beteiligte sein, haben sie doch mit ihrer Nachtigall am Mittwoch, 16. Juni, um 15 Uhr ihren Auftritt im Hessischen Staatstheater in Darmstadt zu den Schultheatertagen 2010. Die Kennedy-Schule ist eine der ganz wenigen Grundschulen, die für solche Ehren auserkoren wurde. Seit bereits drei Jahren gehören Aufführungen der Münsterer hier zum Programm.

Neben der Sangeskunst ist bei einem Musical auch viel schauspielerisches Können gefragt, weiß Jonas Depner, der den Haushofmeister darstellt. „Mir macht das Singen genauso viel Spaß wie das Schauspiel. Schwierig war eigentlich nur, ein schönes Kostüm zu finden. Wir haben erst einige Läden abgeklappert, dann aber etwas im Internet bestellt“, erzählt der Zehnjährige, der in einem prächtigen chinesischem Anzug mit spitzen Strohhut daherkommt. Ein passendes Outfit ist für ihn wichtig, hat er doch eine der Hauptrollen ergattert und singt sogar ein kleines Solo.

Alle Kinder brillieren auf der Bühne und zeigen, was sie können. Dabei bildet das Bühnenbild einen perfekten Rahmen, aber auch die vielen chinesischen Kostüme, die zum Teil von den Eltern selbst angefertigt wurden, lassen die Illusion einer Reise nach Fernost kunstvoll Wirklichkeit werden.

Das Musical basiert auf einem Märchen von Hans Christian Andersen, die Musik stammt von Andreas Schmittberger, wobei die beiden Chorleiterinnen der Grundschule, Simone Buschmann und Odette Schleger, das Stück kindgerecht variiert haben. Die Mär handelt von wahrer Schönheit, geht es doch um den Kaiser von China, der zufrieden in seinem Palast lebt. Als er auch noch eine Nachtigall, die in seinem parkähnlichen Garten lieblich singt, sein Eigen nennen kann, scheint sein Glück vollkommen. Wäre da nicht der Kaiser von Japan, also ausgerechnet dem Land, in dem angeblich alles viel besser ist und zu dem ein Konkurrenzverhältnis besteht. Der Nachbar macht dem chinesischen Staatsoberhaupt ein Geschenk: eine künstliche Nachtigall, die zwar nur zwei Lieder kennt, dafür aber reich verziert und folglich nicht so unscheinbar ist, wie die echte chinesische. Als beide Vögel in einem Wettstreit gegeneinander antreten, scheint die Technik über die Natur zu siegen. Doch im Todeskampf des Kaisers steht ihm der unbedeutend aussehende Vogel beiseite und kann den Tod verdrängen, während die schöne Technik versagt.

„Ich finde die Geschichte einfach wunderschön und bin sehr stolz, die Rolle des Kaiser spielen zu dürfen“, erzählt Lydia Steiner, die sich gegen zwei Mitbewerberinnen durchgesetzt hat. Das Komplizierteste an ihrer Rolle sind die langen, aufgeklebten Fingernägel, die das zehnjährige Mädchen bei jedem Handgriff stören. „Aber das ist mir egal, ich finde alles andere so schön“, sagt sie.

Quelle: op-online.de

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