Napoleons Truppe bedient

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Bürgermeister Walter Blank und zahlreiche andere Besucher lauschten der Einführungsrede von Ernst-Peter Winter.

Münster ‐ Geschichte ist kann vieles erzählen – das unterstreicht die neue Ausstellung im Münsterer Museum. Gezeigt wird unter dem Titel „Hessen im Rheinbund 1806-1813“ eine Leihgabe mit Informationstafeln aus dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, die mit Quellen aus dem Gemeindearchiv bereichert wurden. Von Jasmin Frank

Durch dieses Konzept können sowohl Besucher, die sich für Geschichte im Allgemeinen und deren großen Zusammenhänge interessieren auf ihre Kosten kommen, als auch Gäste, deren Fokus sich speziell auf die regionale Münsterer Historie richtet.

„Es hat sich gelohnt, dass unser Archiv nicht mehr nur rein ehrenamtlich betreut wird, sondern professionell aufbereitet ist. So konnten zügig Originaldokumente gefunden werden, die für eine Darstellung wie diese gebraucht werden“, freut sich Bürgermeister Walter Blank.

Gesucht und gefunden hat die nun präsentierten Quellen Kirsten Sames, die das Archiv betreut. Sie informiert: „Da bei uns alle Akten digital erfasst sind, konnte ich einfach den Suchegriff ‚Napoleon’ eingeben, und schon hatte ich das Gesuchte zur Hand.“

Doch die Historikerin war nicht alleine zu Gange, der treibende Motor hinter der aufschlussreichen Dokumentation war Ernst-Peter Winter gewesen, der zweite Vorsitzende des örtlichen Heimat- und Geschichtsvereins. Er hielt deshalb nicht nur die Eröffnungsrede, sondern war nun auch für die zahlreichen Fachfragen der Besucher da und konnte die alten Dokumente vorlesen und erläutern. „Hier können Sie Dokumente über die Einquartierung von russischen Soldaten, die von Frankreich aus den Heimweg angetreten waren, sehen. Zu dieser Zeit durften sich die Truppen nicht mehr einfach nehmen, was sie wollten, sondern es war genau festgelegt, wer wie viel und was zu bekommen hatte“, zeigt Winter.

Einem einfachen Soldaten standen pro Tag zwei Pfund Roggen- oder Weizenbrot, wahlweise auch Zwieback oder Mehl, sowie ein Viertelpfund Hülsenfrüchte, ein Pfund Kartoffeln oder Beigemüse, ein halbes Pfund Fleisch und eine gute Portion Branntwein, Bier oder Wein zu. „Das alles mussten die Gastgeber zur Verfügung stellen und zwar, wie man hier lesen kann, fertig gekocht. Die Münsterer bekamen die Kosten dann von der Gemeindekasse erstattet. Doch eine Belastung war die Versorgung dennoch, denn die Gemeinde legte die Kosten auf alle Einwohner um, so dass die Bürger deutliche Einbußen hatten“, erläutert der Hobby-Historiker und Familienforscher.

Gerade der Bezug zu Münster kommt bei den Besuchern gut an, so meinte Helma Müller bei der Eröffnung der Schau: „Ein Thema rund um Napoleon zieht die Menschen immer an, aber zu sehen, wie sich die Weltgeschichte auf unser Ort ausgewirkt hat, ist doch besonders spannend.“ Während sich die meisten noch mit der informativen Lektüre und den zahlreichen Abbildungen beschäftigten, zog es andere schon eine Etage tiefer in das dort gelegene Café, in dem selbst gebackener Kuchen genossen werden kann.

„Sowohl der Eintrittspreis von einem Euro als auch die Einnahmen aus dem Café kommen dem Verein zu Gute. Wer sich also für Geschichte interessiert, bekommt noch eine Leckerei mit auf den Weg und wer wegen des Kuchens zu uns gekommen ist, kann sich zudem informieren“, lacht Hildegard Stumm. Wer sich nun auch über die Auswirkungen von Napoleons Politik auf Hessen und ganz speziell auf Münster informieren möchte, sollte sich die Öffnungszeiten des Museums vormerken. Gesehen werden kann die Ausstellung noch an einem Sonntag pro Monat: am 13. März, 17. April., 8. Mai und 19. Juni jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr.

Quelle: op-online.de

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