Natur pur auch ohne Storch

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Helga Blitz und die 15 Schüler der 1b der Regenbogenschule waren gestern begeistert vom Naturgarten bei Wolfgang Schwarz.

Altheim - Wolfgang Schwarz hat nichts gegen Lärm, jedenfalls nicht, wenn er von wissbegierigen Kindern stammt, die seinen rund 1500 Quadratmeter großen, ganz der Natur gewidmeten Garten in Altheim inspizieren. Von Thomas Meier

Nur gegen schräg trompetende Nachbarn reagiert er wie vergangenes Jahr allergisch, als sein direktes Gegenüber ausgerechnet in dem Moment lautstark ins trötende Horn stieß, als sich ein Adebar auf die kurz zuvor von Schwarz aufwändig auf sein Dach montierte Nisthilfe setzte. Diese Art von Tiervertreibung mag der 48-jährige Vogelkundler aus Passion überhaupt nicht. Über seinen tierischen Nachbarschaftsstreit berichteten unsere Zeitung und das Fernsehen ausführlich.

Einwandfreie Diagnose: der Wildschweinschädel hat einen Wackelzahn.

Vergessen gestern der Ärger über vogelfeindliches Gelärm, als die Klasse 1b der Regenbogenschule mit Schulleiterin Helga Blitz und Lehrerin Jennifer Hartmann zu Besuch kam, um das Brutgeschäft von Amsel, Star, Mehlschwalbe, Haussperling und Rotschwänzchen zu beobachten, das sich bei Schwarz in wahrlich rauen Mengen abspielt. Zwar schaute auch dieses Jahr ein Storch mal kurz vorbei, um jedoch nach kurzer Inspizierung der Nisthilfen in der Richer Straße schnell wieder das Weite zu suchen. Die kleineren Piepmätze indes lassen den NABU-Mann nicht im Stich. 120 weitere Nistkästen und -hilfen hat der Freizeit-Ornithologe in seinem Bio-Refugium geschaffen, in mehr als einem Viertel von ihnen sind die gefiederten Kinderstuben bereits in Betrieb.

Das Geflatter um die Nistkästen beeindruckt die Kinder ebenso stark wie die quakenden Frösche in den kleinen Tümpeln, die Eidechsen auf dem Steinhaufen, das Gewusel der Insekten an der Trockenmauer oder das Geraschel im Schilfgras. Und als der sechsjährige Josua auch noch den weißen, von der Sonne ausgeblichenen Wildschweinschädel am Teichufer entdeckte, eine Klassenkameradin beim beherzten Zugriff bemerkte, dass das Skelett am Wackelzahn leide, waren dem Entdeckertum im Wundergarten keine Grenzen mehr gesetzt.

Schwarz ließ die Kinder durch sein Spektiv in die Nisthöhlen schauen, zeigte ihnen Straußen- und Spatzeneier und berichtete von seinem Kampf gegen das Schießen auf Greifvögel in Italien, als er in den 90er Jahren die Gendarmerie holte, wenn auf die bedrohten Vögel angehalten wurde.

„Das ist so toll hier“, strahlte der siebenjährige Luca, und Mikka beantwortete die Frage des Fotografen nach dem Gefallen des Gartens nur mehr übersprudelnd: „Hast Du schon den dicken Frosch da hinten auf deinem Speicher?“

Auf der Liste haben die Pädagoginnen sicherlich bald wieder einen Besuch bei Schwarz. „Das ist so schön hier, das muss man einfach erlebt haben“, waren sich die Gäste einig.

Quelle: op-online.de

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