Naturforscher auf Fährtensuche

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Bereichert wird die Naturerkundungstour der Altheimer Kindergartenkinder durch den zufälligen Besuch von Hans Peter Ulrich, der sich wie kein anderer mit der Tier- und Pflanzenwelt im Schutzgebiet „Hergershäuser Wiesen“ auskennt.

Altheim - Gelegenheit, die Vielfalt der Natur vor der eignen Haustüre kennenzulernen, hatten die angehenden Schulanfänger des Evangelischen Kindergartens Altheim. Von Ellen Jöckel

Wetterfest angezogen und ausgerüstet mit Ferngläsern marschierten die neugierigen kleinen Naturforscher hinter der ehemaligen Geopark-Rangerin Bettina Stöter durch das nahe dem Altheimer Bahnhof gelegene Schutzgebiet „Hergershäuser Wiesen“. Stöter, die sieben Jahre lang Gruppen durch den vorderen Odenwald geführt hat, liegt es sehr am Herzen, Kindern Gelegenheit zu geben, die Natur selbst zu erforschen. „Im Zoo können sie nicht sehen, wie sich die Tiere in freier Wildbahn verhalten. Hier erkunden die Kinder die Unterschiede und Merkmale der Tiere selbst“, sagt die Mutter von drei Söhnen.

Von Altheim kommend auf der rechten Seite der Landstraße 3095 beginnt ihre Erkundungstour. Von einer Anhöhe aus lassen sich hervorragend Tiere beobachten. Kaum sind alle Ferngläser gezückt, haben die ersten Naturkundler bereits eine Ente und einen Reiher am dahinterliegenden Gewässer entdeckt. Doch der Forschergeist wird so richtig entfacht, als der sechsjährige Yannis ruft: „Dahinten hoppelt ein Hase!“ Und tatsächlich: Auf der anderen Seite der Binnendüne bewegen sich gleich mehrere kleine graue Bündel blitzschnell hin und her. „Ob das wirklich Hasen sind, müssen wir jetzt noch herausfinden“, kündigt Bettina Stöter mit vielsagendem Blick an.

Kaninchen, Dachse und Füchse

Mit ein paar Sitzmatten und einer Tafel hat sie im Nu eine Naturschule errichtet. „Wie erkennt man den Unterschied zwischen einem Hasen und einem Kaninchen?“, fragt die Naturführerin und bekommt prompt die Antwort: „An den Ohren!“ Bald darauf haben die angehenden ABC-Schützen herausgefunden, welche Dinge noch verraten, um welches Tier es sich handelt, auch wenn sich dieses nicht zeigt: Kugelrunde schwarze Hinterlassenschaften, die Kotpillen, und Fellhaare werden von den kleinen Forschern fleißig mit Schäufelchen in durchsichtigen Tütchen gesammelt. Dabei entdecken sie zahlreiche Eingänge zu unterirdischen Gängen. Mit Hilfe eines Naturkundebuches ist es dann schnell herausgefunden: Die flinken Bewohner dieses Höhlenreiches sind wilde Kaninchen. Und die Kinder erfahren, dass hier auch Dachse und Füchse zuhause sind.

Überraschend bekommt die Kindergartengruppe dann noch Besuch von einem Mann, der mehr als jeder andere über dieses Gebiet Bescheid weiß: Hans Peter Ulrich war 20 Jahre lang Vorsitzender des Naturschutzbundes Münster. Er war und ist maßgeblich an der Entstehung und Pflege des 1984 ausgewiesenen 400 Hektar großen Schutzgebietes beteiligt. Nachdem 1976 für den Bau der B 45 ein Teil der großen Binnendüne abgetragen wurde, haben Ulrich und sein Team die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und ein wertvolles Feuchtgebiet angelegt. Seitdem sind die beieinander liegenden Gebiete „Auf dem Sand“, „Auf der Hardt“ und „Die kleine Qualle“ dank der regelmäßigen Pflege durch den Naturschutzbund zu einem einzigartigen Zufluchtsort für viele Tierarten geworden.

Auch besonders seltene Arten sind hier heimisch

Besonders seltene und verschwundene Arten hat Ulrich entdeckt und damit Vogelkundler aus dem gesamten Umkreis angelockt: „Der seltene Brachpieper hat hier gebrütet, von denen es nur ein bis zwei Brutpaare in Hessen gibt. Außerdem wächst hier die Sand-Silberscharte, die bisher in Hessen nur an drei Stellen entdeckt wurde“, erzählt Ulrich, der sich in 60 Jahren ein umfangreiches ornithologisches Wissen angeeignet habe. Im Interesse der Natur sei es seiner Ansicht nach besser, wenn sich hier nicht so viele Menschen hinbegeben würden. „Normalerweise betreten wir diesen Bereich nicht. Aber für Kinder mache ich es gerne“, sagt Ulrich, während ihm der kleine Demian stolz eine gefundene Feder zeigt. „Die stammt von einem Huhn. Die hat sich wohl der Fuchs, der hier lebt, geholt“, klärt ihn der Naturkundler auf. Gleich darauf entdeckt der Knirps das tote Tier im nahen Gebüsch und ist damit um eine weitere selbstgewonnene Erfahrung reicher geworden.

Quelle: op-online.de

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