Renaturierung der Semme

Naturschutz lohnt sich für Münster

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Zum Ortstermin vor der nun anstehenden Renaturierung der Semme-Aue bei Altheim kamen Vertreter der Kommunalpolitik, des Naturschutzbundes und des Vermessungsbüros Bernd Heinen/Thilo Fischer zusammen.

Münster -  Vor über zwei Jahren erarbeitete der Naturschutzbund Münster ein Konzept zur Renaturierung der Semme-Aue bei Altheim. Zur Umsetzung der Pläne hat die Gemeinde zwischenzeitlich mehrere Grundstücke erworben. Von Thomas Meier

Bei einer Pressekonferenz erläuterten Gemeinde und Nabu ihre Ziele. Die Semme ist ein kleines, rund 23 Kilometer langes Fließgewässer, das im Bereich des Otzbergs entspringt und bei Hergershausen in die Gersprenz mündet. In der Gemarkung Altheim, zwischen der Bundesstraße 26 und der Bahnlinie, bot sich ein etwa elfeinhalb Hektar großer, naturnaher Auenbereich für das Renaturierungsprojekt an. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde plant die Nabu-Ortsgruppe, die fünf Meter breite Gewässerparzelle der Semme durch einen Uferrandstreifen mit einer Breite von 20 Metern zu erweitern. Dazu war es erforderlich, dass die Gemeinde die entsprechenden Flächen in einem Umlegungsverfahren nach dem Baugesetzbuch erwarb.

Das Bächlein Semme hat im Planungsbereich eine Länge von etwa 640 Meter. Vorgesehene Maßnahmen sind neben der Anlage eines Uferrandstreifens die Renaturierung des Fließgewässers, die Sicherung der extensiven Grünlandnutzung und die Anlage von Flutmulden,

Der Uferrandstreifen, der parallel zum Bach verläuft, soll künftig nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, erklärten Bürgermeister Gerald Frank und Nabu-Vorsitzender Dieter Günther. Wegen seiner relativen Unzugänglichkeit ist dieser Bereich ein ruhiger Lebensraum für störungsempfindliche Arten.

Es soll sich in den kommenden Jahren ein Schilfsaum am Rand des Fließgewässers entwickeln und der nötige Raum für die Entfaltung des Gewässers und der bereits vorhandenen Ufergehölze geschaffen werden. „Der Uferrandstreifen würde dann zum Lebensraum von Rohrammer, Teich- und Schilfrohrsänger“, sagt Thomas Lay, Nabu-Öffentlichkeitsbeauftragter. Zudem werde der derzeit noch gerade Gewässerverlauf und das gleichförmige Uferprofil der Semme renaturiert, weswegen man auch mit dem Wasserverband Gersprenzgebiet in Zusammenarbeit stehe.

Der Bereich der Grünlandaue soll weiterhin als Grünland mit Mahd oder Beweidung durch Schafe genutzt werden. Zusätzlich können auf den Flächen im Eigentum der Gemeinde oder des Naturschutzbundes kleinflächig flache Flutmulden geschaffen werden, die wichtige Elemente im Lebensraum von Kiebitz und Bekassine sind.

„Ziel aller Maßnahmen ist der Erhalt und die Entwicklung einer landwirtschaftlich extensiv genutzten Grünlandaue mit einer breiten Gewässerparzelle, in der Raum für die Eigendynamik des Fließgewässers vorhanden ist“, erklärt der Naturschutzbund.

Das Land honoriert Gemeinden die Unterstützung solcher Naturschutzprojekte. Und so konnte Bürgermeister Frank auch mit Zahlen aufwarten: Münster erhält vom Land über eine Million Ökopunkte für die Aktion. Ein Punkt hat einen Wert von 35 Cent, und so spüle die Renaturierung „rund 374 000 Euro in die Gemeindekasse“, freut sich der Verwaltungschef. Ausgegeben bei dem vereinfachten Umlegungsverfahren und dem Ankauf von Semme-Auenland habe die Gemeinde Münster 67 830 Euro. Frank sagt: „Fazit ist, Umweltschutz rechnet sich auch wirtschaftlich.“

Zu sehen wird auf dem üblicherweise sehr feuchten Areal zunächst erst einmal nichts sein, die Natur bleibt sich selbst überlassen. „Höchstens mal, dass im Randbereich ein Gemeindebagger oder einer von einem befreundeten Landwirt zu sehen sein wird, der eine Flutmulde anzulegen hilft“, sagt Lay. Und er ergänzt: „Aber da das natürliche Gebiet nun nicht mehr mit Dünger belastet wird, sollte man bereits im nächsten und noch mehr im übernächsten Jahr sehen, was sich an natürlichen Pflanzen und Tieren hier wieder niederlassen wird.“ Vor allem die florale Artenvielfalt werde schnell deutlich sichtbar sein.

Quelle: op-online.de

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