Naturschutzbehörde ruft Bürger um Mithilfe auf

Nagen zusammen: Biber und Nutria

+
Die Nutria tummelt sich am Reinheimer Teich, doch ist die Population des südamerikanischen Nagers auch in den Hergershäuser Wiesen heimisch.

Münster/Darmstadt-Dieburg - Seit 2008 breitet sich der Biber immer weiter entlang der Gersprenz aus und ist inzwischen auch schon in einigen Nebengewässern anzutreffen. Von Thomas Meier 

Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises möchte jetzt eine Kartierung anlegen und bittet die Bürger hierbei um Mithilfe. Und ein zweiter Nager tritt dabei auf den Plan: die Nutria. Schon seit Jahren sind seine Nagespuren verräterisch: Entlang der Gersprenz zwischen Münster und Hergershausen ist der Biber hochaktiv. Der Wasserband Gersprenz lässt kontrollieren und beseitigt die vom „Castor fiber“, so sein lateinischer Name, geschaffenen Gefahrenstellen, etwa vom Umfallen bedrohte Bäume, die an Fuß- oder Radwegen stehen. Dennoch: Für die Natur und auch für die Menschen ist der Biber ein Gewinn. Begradigte, artenarme Gewässer verwandelt er zu Auenlandschaften, auf die viele heimische Arten angewiesen sind: Fische, Molche, Libellen, sowie auch bedrohte Arten wie der Eisvogel und der Fischotter finden hier ein neues Zuhause. Gleichzeitig haben seine Bauaktivitäten eine hohe Bedeutung für den Hochwasserschutz.

Direkt zu Gesicht bekommt man den dämmerungsaktiven Biber allerdings nur sehr selten. Er hinterlässt aber seine typischen Spuren, die auf seine Anwesenheit aufmerksam machen. An Bäumen, die er teilweise sogar fällt, verrät er sich durch deutliche Nagespuren. Zwischen Ufer und Gewässer sind seine Ein- und Ausstiege zu sehen und wenn ihm der Wasserspiegel zu niedrig ist, baut er sich Dämme, die zum Teil ganze Seen entstehen lassen können. In der Winterzeit ist der Biber auf Baumrinde als Nahrung angewiesen. Die Spuren sind jetzt leicht zu beobachten, da diese nicht von der Ufervegetation überwachsen sind. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises ist jetzt mit einer ausführlichen Erfassung der aktuellen Biberspuren beschäftigt und hierbei auf die Mithilfe von Bürgern angewiesen. Melissa Stowasser, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Unteren Naturschutzbehörde absolviert, nimmt jeden Hinweis auf Spuren des Bibers, speziell in den Nebengewässern der Gersprenz, entgegen.

Meldungen von Biberspuren, Bilder und Kartenausschnitt der betroffenen Stelle können an foej@ladadi.de geschickt oder aber unter Tel.: 06151/8812220 gemeldet werden. Und noch eine Nager-Spezies macht sich in unseren gefilden immer mehr breit: die Nutria, auch Sumpfbiber, Schweifbiber oder Coypu genannt. Ist der europäische Biber in Deutschland als einheimisches Säugetier, welches nicht dem Jagdrecht nach dem Bundesjagdgesetz unterliegt, durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, gilt dies nicht für den sehr ähnlich aussehenden Nager, den es aus Südamerika über den „Großen Teich“ zu uns verschlagen hat. Die Nutria ist eine eingebürgerte Tierart, die wir der Fellzucht zu verdanken haben.

Und nicht genug mit der Verwechslungsgefahr: Oft gibt es Schwierigkeiten, vor allem aus der Entfernung, ein Nutria zu erkennen und man hält sie für Bisamratten; oder auch umgekehrt: man denkt, es ist ein Biber. Unser Bild zeigt eine Nutria, die kürzlich am Reinheimer Teich aufgenommen wurde. Zu erkennen ist sie „an der nutriatypischen Färbung“ und Kopfform. Aus der Unteren Naturschutzbehörde heißt es auf Nachfrage: „Im Biberrevier des Landwehrgrabens, der vom Reinheimer Teich in Richtung Groß-Zimmern geht, ist auch eine Nutria-Familie bekannt, die hier heimisch ist. Im vergangenen Jahr hatten sie Junge und sind durch das warme Wasser der Kläranlage im Landwehrgraben auch gut durch den Winter gekommen. Da sie ursprünglich aus Südamerika stammen, machen ihnen kalte Winter normalerweise zu schaffen.“

Auf Biber-Safari in der Eifel

Interessant ist für die amtlichen Beobachter, dass es weder am Reinheimer Teich noch in den Hergershäuser Wiesen größere Konflikte zwischen Biber und Nutria zu geben scheint: „Im vergangenen Winter gab es eine Beobachtung mit Biber und Nutria: Die Nutria ist dem Biber einfach ein wenig ausgewichen.“ Eine friedliche Koexistenz scheint sich in heimischen Gefilden etabliert zu haben. Wo die Nutrias im Gersprenzland genau herkommen, ist auch im Landratsamt unbekannt: „Unseres Wissens gab es keine Pelztierzucht in der näheren Umgebung.“ Es könne aber davon ausgegangen werden, dass es sich trotzdem um Nachkommen von „Gefangenschaftsflüchtlingen“ handelt, die über die Gersprenz eingewandert sind. Nutria sind auch oft recht zahm, da sie öfter von Besuchern gefüttert werden. Dadurch können sie sich an manchen Stellen stark ausbreiten.

Aus Sicht der Wasserwirtschaft ist es positiv, dass Nutrias die ebenfalls eingebürgerten Bisamratten (die erhebliche Schäden an den Wasserwegen verursachen) zurückdrängen, auch sind ihre Bestände gut kontrollierbar. Verbreitete Ansicht ist, dass es in Mitteleuropa keinen Grund gibt, sie grundsätzlich zu bekämpfen. Dennoch ist die Nutria in die Liste invasiver gebietsfremder Arten aufgenommen worden, was die weitere Einfuhr und Zucht verbietet.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare