Nur gucken, nicht stören...

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Herrliche Einblicke in ein vielfältiges Naturschutzgebiet bietet der Aussichts- und Beobachtungsstand des NABU. Auch ohne Fernglas gibt es hier viel zu entdecken.

Münster - „Schau mal auf drei Uhr, da brütet ein Kiebitzpaar!“ „Und links auf halb neun steht ein Graureiher am Ufer, hast du ihn? Der brütet am Ortsrand von Hergershausen.“ Von Thomas Meier

Dort noch eine Bekassine, da ein Kaninchen, dahinter ein Grauganspaar, am Himmel ein Milan und zwischendrin schöne, in frischem Lila blühende Orchideen. Flora und Fauna lösen wahre Begeisterungsstürme aus im kleinen, aber feinen und ganz neuen Holzverschlag, der am Mittwochnachmittag seiner Bestimmung übergaben worden ist. Ferngläser und Spektive sind gezückt oder auf Stative gesetzt, doch auch mit bloßem Auge lässt sich viel entdecken.

Einen überaus stattlichen Naturbeobachtungsstand zimmerte sich und den interessierten Spaziergängern die Ortsgruppe Münster im Naturschutzbund (NABU) am Rande des Schutzgebietes „Auf dem Sand“ zusammen. Er liegt auf einer Düne direkt an einem von Spaziergängern viel begangenen Feldweg, der von der Landesstraße 3095 zwischen Münster und Altheim in Richtung Norden zur Gersprenz hin führt.

Bau des hölzernen Ausgucks

Auf einer Düne errichtet, soll der Stand auch verhindern, dass Besucher dem Naturschutzgebiet zu nahe kommen. Die Zuwege zu den Tümpeln wurden großteils mit Hecken zugepflanzt.

Vor Vertretern von Gemeinde, Kreis und Naturschutz berichtete der zweite Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe, Matthias Kisling, von den Intentionen zum Bau des hölzernen Ausgucks. „Naturliebhaber müssen die empfindlichen Flächen des Schutzgebietes nun nicht mehr betreten, um den Ausblick über die Auenlandschaft in ihrer Vielfalt zu genießen“, erinnerte er daran, dass viele Beobachter der reichhaltigen Tierwelt in den Hergershäuser Wiesen immer wieder ganze Vogelschwärme durch plötzliches Erscheinen aufflattern lassen. Nun ermögliche der Beobachtungsstand ohne Störung der scheuen Vogelarten den Blick über die großen Wasserflächen des Naturschutzgebietes bis hinüber zur Gersprenzaue und gen Hergershausen. „Auch ohne Fernglas lassen sich Reiher, Weißstorch, Enten und Gänse beobachten, die auf Futtersuche sind“, so Kisling. Und geübte Naturbeobachter entdecken mit den optischen Hilfsmitteln auch so unauffällige Arten wie Flussregenpfeifer, Grünschenkel, Kampfläufer oder Knäkente.

Den stabilen Stand zimmerten mehrere aktive NABU-Mitglieder unter Leitung von Rudi Heckwolf in tagelanger Arbeit. „Die Gemeinde Münster stellte das Grundstück zur Verfügung und holte die notwendigen Genehmigungen ein“, würdigte Kisling vor Bürgermeister Walter Blank und Michael Mierzowski vom Bauamt deren Bemühungen. Und der Verwaltungschef bekräftigte, mit der Unterstützung solcher Bemühungen das Umweltbewusstsein fördern zu wollen. Auch sollten die Möglichkeiten der Naherholung so verbessert werden.

Die Kosten und der bürokratische Aufwand

Gemeinsam hoffen Kommune und NABU, dass die Erholungssuchenden das neue Angebot nutzen und das Schutzgebiet künftig nicht mehr betreten. Gerade jetzt, in der Brut- und Setzzeit haben Störungen durch Besucher oder gar freilaufende Hunde, die sich abseits der Wege trollen, tödliche Folgen für die Jungtiere.

Die Kosten für das Baumaterial des Standes beziffert Kisling auf rund 2000 Euro. Hinzu kommen 400 Euro für den bürokratischen Aufwand, sich die Maßnahme auch genehmigen zu lassen. So langte das Regierungspräsidium Darmstadt für die „Befreiung von den Verboten der Nutzungsgebietsverordnung“ kräftig zu.

Quelle: op-online.de

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