Neuer naturwissenschaftlicher Trakt

Mit digitalen Unterrichtstafeln

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Die Überflur-Systeme ermöglichen, dass die Schüler an ihrem Sitzplatz experimentieren können.

Münster - Ob eine Brücke aus Papier, die bestimmte Gewichte trägt, ein Hindernisse überfahrendes Marsmobil oder eine komposttierbare Verpackung für Hamburger, Pommes oder Spülmaschinen-Tabs. Von Michael Just

Bei den Wettbewerben „Explore Science“ und „Jugend forscht“ sind die Mädchen und Jungs der Schule auf der Aue jedes Jahr mit außergewöhnlichen Erfindungen vertreten und erreichen meist vordere Plätze oder Sonderpreise. „So ist das hier verbaute Geld mit Sicherheit gut angelegt und wird weitere Früchte tragen“, ist sich Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt mit Blick auf den neuen naturwissenschaftlichen Trakt sicher. Am Mittwochnachmittag wurde das Gebäude, das in einem schicken Mint-Grün daherkommt, im Beisein zahlreicher Gäste sowie den musikalischen Klängen des Schulorchesters feierlich eingeweiht.

Die Bauzeit belief sich von Januar 2012 bis August 2013, drei Millionen Euro sind investiert worden. Das zweigeschossige Gebäude, das nur kurz als „NaWi“ bezeichnet wird, verfügt über zwei Biologie-, drei Physik- und drei Chemie-Räume. Diese sind jeweils in einen Übungs- und einen Sammlungsraum unterteilt. Hinzu kommt ein Elektroraum. Neu sind die Schülerarbeitsplätze zum selbstständigen Arbeiten und Experimentieren. Unter der Decke verlaufen Überflur-Systeme, die die notwendige Strom- und Medienversorgung bereitstellen. Die Unterrichtstafeln sind allesamt digitale Smartboards. Durch die Computerverbindung ist eine direkte Recherche im Unterricht möglich. Wird eine Doku-Kamera verwendet, können Versuche nochmal angeschaut werden. Die Bauweise des NaWi ist barrierefrei und energiesparend am Passivhaus orientiert.

Bedeutung des neuen Schultrakts

Die Bedeutung des neuen Schultrakts wurde schon daran sichtbar, dass zur Einweihung vom Kreis sowohl Landrat Klaus Peter Schellhaas als auch Schuldezernent Christel Fleischmann kamen. „Die Schule der Zukunft verlangt veränderte Räume“, machte der Landrat klar. Wie er ankündigte, werde man trotz angespannter Haushaltslage weiter an der Modernisierung der Schulen im Kreis festhalten und dafür wohl die 400-Millionen-Euro-Marke durchbrechen. „In Darmstadt wäre man froh, ein NaWi-Gebäude wie hier in Münster zu haben“, sagte Schellhaas nicht ohne Stolz. Christel Fleischmann nannte die Aue-Schule einen Schwerpunkt im östlichen Landkreis. Mit dem NaWi sei nun ein Unterricht nach modernen Gesichtspunkten möglich. „Früher hat nur der Lehrer experimentiert. Jetzt können die Schüler direkt an ihrem Platz ebenfalls Versuche machen“, so Fleischmann. Er verwies auf die neuen Schulbauleitlinien des Kreises, die bereits in Münster umgesetzt wurden. „Darin machen wir viele moderne Angebote. Leider wollen aber nicht alle Schulen und Lehrer diesen Schritt mitgehen“, bedauerte der Dezernent zum Thema Selbstlernzentrum.

Bürgermeister Walter Blank bezeichnete die Einweihung als bedeutenden Tag für Münster. Schließlich seien die Jugend und die Schulen das wichtigste Zukunftskapital. Architekt Thomas Stark aus Darmstadt sieht im Bau Funktionalität, Flexibilität und Ästhetik vereint. „Heutzutage ist an Schulen kein Frontalunterricht in Form von Hörsälen mehr gefragt“, hob er heraus. Das erfordere Schülerarbeitsplätze und die Gewähr, dass Arbeitsgruppen Räume und Möbiliar flexibel nutzen können. Schließlich würden Schulräume in der Gegenwart als dritter Lehrer gelten. Stark bedankte sich zum Schluss bei den 30 am Bau beteiligten Firmen und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Einrichtung bei den Schülern die entsprechende Wertschätzung erfährt. In gestalterischer Hinsicht kommt dem NaWi die Rolle eines Prototypen zu, denn die Fassade ist das Leitthema für die anstehende Sanierung des in die Jahre gekommenen Hauptgebäudes der Aue-Schule. Hier soll als Endergebnis ein einheitliches Bild entstehen. Wann die Sanierung genau beginnt, steht noch nicht fest. Zur Zeit geht man aber davon aus, dass es 2014 losgeht. Laut dem Schulträger soll es zumindest keine lange Wartezeit geben: „Der Anfang mit dem NaWi ist gemacht. Jetzt geht‘s gleich weiter“, kündigte Christel Fleischmann an, dass Münster schon bald eine ganz neue Aue-Schule vor Augen hat.

Quelle: op-online.de

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