Wo das „Nein“ laut Stopp zu sagen lernt

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„Stopp - lass mich in Ruhe“, kontert der fünfjährige Marvin mit eindeutiger Geste, nachdem ihn Sicherheitstrainerin Petra Jung spielerisch provoziert hat.

Altheim ‐ „Ein großer, dicker Mann kommt und setzt sich einfach zum kleinen Nein auf die Parkpark. Das kleine Nein möchte aber lieber allein sein.“ Von Ellen Jöckel

Gespannt hören zwölf Altheimer Kindergartenkinder bei der Geschichte zu, die Petra Jung erzählt. Währenddessen zeigt die Sozialpädagogin Illustrationen vom kleinen Nein, dem immer wieder große Leute „auf die Pelle“ rücken, obwohl es doch eigentlich lieber in Ruhe seine Schokolade essen möchte.

Jung ist vom „Sicherheitstraining-Professionell“, einem Team aus Diplomsozialpädagogen, das Kurse zur Gewaltprävention an Schulen, Kindergärten und für Frauen anbietet (Infos auf der Internetseite des Sicherheitstrainings). An zwei Tagen zeigt sie insgesamt 28 angehenden Schulanfängern des Evangelischen Kindergartens Altheim, wie sich die Kinder vor Erwachsenen oder anderen Kindern behaupten können, die sie ärgern oder gar bedrohen.

„Wir möchten die Kinder stärken, selbstbewusst in Konfliktsituationen Grenzen zu ziehen“, sagt Jung. Dabei werde sehr darauf geachtet, dass die Kinder sich während des Trainings wohl fühlen. „Wir arbeiten pädagogisch und altersgerecht, ohne Ängste bei den Kindern zu erzeugen“, ergänzt die Trainerin, die in Schulen und Kindergärten des gesamten Rhein-Main-Gebiets im Einsatz ist.

Eltern bezahlen die Hälfte der Gebühr

Mit Bewegungs- und Rollenspielen werden die Kinder sensibilisiert, den eigenen Sicherheitsbereich wahrzunehmen, aber auch mitzubekommen, wenn ein anderes Kind Hilfe braucht. „Marvin, stelle dir mal vor, ich wäre dein Freund und will mal ausprobieren, ob ich den Bauklotz in dein Ohr stecken kann“, fordert die Sozialpädagogin den Fünfjährigen heraus. „Stopp – lass mich in Ruhe“, kontert Marvin sofort mit ausgestreckten Arm und erhobener Handfläche.

„Wir beobachten nachher im Kindergartenalltag immer wieder, dass die Kinder das Erlernte auch anwenden“, erzählt Kindergartenleiterin Iris Kurz-Wolf. „Wichtig ist, dass die Kinder lernen, was sie in bedrohlichen Situationen, tun können, auch wenn sie kräftemäßig unterlegen sind“, so Kurz-Wolf. Für die Eltern habe es im Vorfeld einen Informationsabend zu dem Thema gegeben. „Das Thema beschäftigt die Eltern sehr“, weiß die Leiterin.

Sie habe beobachtet, dass immer mehr Mütter oder Väter aus Angst ihre Sprößlinge lieber zur Schule begleiten. „Es kommt schon vor, dass mir die Eltern von Situationen erzählen, wo die Kinder berichtet hätten, dass sie von Fremden angesprochen worden seien“, berichtet Kurz-Wolf. Deswegen habe sie das Sicherheitstraining 2008 zum ersten Mal durchführen lassen. Finanziert wird der Kurs zum Teil von einer Spende über 500 Euro. Die Hälfte der Gebühr wird von den Eltern der teilnehmenden Kinder getragen.

Quelle: op-online.de

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