Gelassen in Ghana

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Sechs Monate lang halfen Nenja Niggeling (links) und Christine Eitel in einer Kindertagesstätte in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Münster - Es gilt als das Herzland Westafrikas und ist mit einer Fläche von zirka 240.000 Quadratkilometern etwa genauso groß wie Deutschland. Das war’s dann aber auch schon mit den Ähnlichkeiten. Von Corinna Hiss

Wie sehr sich die Lebensweise in Ghana von unserer unterscheidet, haben Christine Eitel und Nenja Niggeling aus Münster hautnah miterlebt. Sechs Monate unterstützten sie den Münsterer Verein Nima mit einem Praktikum vor Ort. „Nach dem Abitur wollte ich unbedingt nach Afrika gehen“, erzählt Christine Eitel. Nachdem sie sich vergeblich für einen der begehrten Weltwärtsplätze beworben hatte – dort wird der Praktikant finanziell unterstützt – stieß sie auf den Münsterer Verein Nima und deren Gründer Anna und Amin Zaaki. Nenja Niggeling absolvierte das Praktikum im Rahmen ihres Geographiestudiums in Köln.

„Ich wollte mir ein eigenes Bild von Afrika machen und Ghana bietet sich dazu an, weil es für Frauen recht sicher ist“, beschreibt Christine Eitel. Gemeinsam mit sechs weiteren Freiwilligen wohnten die jungen Frauen aus Münster in Vierer-Zimmern in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Dort unterstützt der Verein ein Waisenhaus, eine Kindertagesstätte und eine Schule. „Wir waren für die Kita eingeteilt und sollten den Kindern etwas beibringen“, erzählt Christine Eitel. Das klingt erst einmal leichter, als es war. „Die Kinder dort sind so temperamentvoll“, führt die 21-Jährige aus. „Als Weiße bist du zwar sofort interessant, aber sie müssen erst lernen, dass ich auch Autoritätsperson bin.“

Für die Freiwilligen von Nima war der Tagesablauf klar strukturiert: Morgens ging es in die Kita, nachmittags wurden die Kinder des Waisenhauses beschäftigt und abends kamen alle im Stuhlkreis zusammen, um zu singen und den Tag zu besprechen. Anfangs musste sich die Münsterin erst an die Gegebenheiten gewöhnen: Zwar war das Praktikantenhaus, in dem sie wohnen durfte, mit Strom und fließend Wasser ausgestattet, aber eine Klimaanlage gab es nicht und die Hitze drückte teilweise aufs Gemüt. „Manchmal kam auch einfach kein Wasser mehr aus der Dusche, aber dann geht man eben einfach zum Brunnen“, erzählt sie.

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Diese Gelassenheit, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen, hat sie aus Ghana mitgenommen. „Ich konnte organisieren und planen wie ich will, am Ende hat das Leben dort doch viel mit Improvisation zu tun“, gibt sie lachend zu. Als ihr bestes Erlebnis sieht sie an, dass einige der Konzepte, die sie sich überlegt hatte, von den ghanaischen Lehrern übernommen wurde. „Wir haben unserer Klasse die verschiedenen Früchte beigebracht, die sie dann auf Papier ausmalen und an die Wand hängen durften“, sagt die 21-Jährige. Ein paar Tage später sah sie, wie eine ghanaische Lehrerin Buchstaben ausmalte und ebenfalls an die Wände des Klassenraums heftete. „Das macht einen schon stolz“, erzählt sie.

Nenja Niggeling hatte sich vor ihrem Ghana-Aufenthalt wenig mit Afrika beschäftigt. Ihre Reise dorthin bereut die 24-Jährige dennoch nicht. „Es war schön zu sehen, wie wir aufgenommen wurden“, beschreibt sie. Manches lief nicht wie erhofft, so wurden beide Frauen krank, aber „das gehört nun mal dazu“, nimmt es Christine Eitel gelassen. Rückblickend bleibt sie positiv: „Ich kann Sachen schaffen, von denen ich vorher nie gedacht hätte, dass ich sie hinkriege.“

Quelle: op-online.de

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