Arreststrafe für 19-Jährige

Neue Verhandlung gegen den Schlagstock-Täter

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Symbolbild

Münster - Überraschung im Prozess gegen das junge Pärchen, das am 28. August 2017 einen Bekannten in dessen Wohnung in Münster beraubt hatte: Das Verfahren gegen den 23-jährigen David M. wurde abgetrennt und wird neu noch einmal von vorn aufgerollt. Von Silke Gelhausen 

Nachdem der junge Angeklagte am Mittag des zweiten Prozesstags im Darmstädter Landgericht seine Medikamente genommen hatte, ging es ihm so schlecht, das er nicht mehr verhandlungsfähig war. Der psychiatrische Sachverständige aus Ralf Wolf aus Hadamar bestätigte den Zustand. Er hätte eigentlich an diesem Tag sein Gutachten verlesen sollen. Der vorbestrafte M. leidet womöglich unter einer Psychose und ist drogenabhängig. Zum Tatzeitpunkt soll er aber voll schuldfähig gewesen sein, hieß es in der Verhandlung. Der Neustart ist im November geplant.

Am gestrigen dritten Verhandlungstag ging es dann ohne den Haupttäter ruckzuck zu Ende: Innerhalb einer Stunde fielen bei der zweiten Strafkammer Plädoyers und Urteil für die 20-jährige Julia H.. Die damalige Freundin von M. aus Groß-Umstadt war zur Tatzeit erst 19 Jahre jung und wird noch nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Der Vorsitzende Richter der zweiten Strafkammer, Marc Euler, zeigt sich der ehemaligen Drogenabhängigen von seiner wohlwollenden Seite: Drei Wochen Dauerarrest für besonders schweren Raub – und die hat sie mit vier Wochen Untersuchungshaft im letzten Jahr bereits verbüßt. „Unsere Entscheidung ist ein riesiger Vertrauensbonus für Sie,“ führte Euler gestern aus: „Und die U-Haft hat als Schuss vor den Bug hoffentlich gewirkt!“

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Gleich mehrere ihrer Verhaltensweisen wertet die Kammer als strafmildernd. Sie ging selbst zur Jugendgerichtshilfe, holte sich Unterstützung gegen den Drogenkonsum. Nach der vierwöchigen Untersuchungshaft suchte sie zum ersten Mal in ihrem Leben Arbeit in Form eines Minijobs. Ihr Vorstrafenregister ist bis auf zwei Verwarnungen leer. Und sie hat M. während ihrer gemeinsamen Zeit immer wieder versucht, auszubremsen. So auch am Tattag.

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Weil M. sich von seinem Bekannten E. ungerecht behandelt fühlte, überredete er die Freundin, sich bei E. „zu holen, was uns zusteht“. Mit einem Teleskopschlagstock bewaffnet drangen die beiden in seine Wohnung ein. Dabei benutzte M. seine Freundin als Türöffner: Sie musste ihren Besuch bei E. ankündigen und klingeln, M. hätte der Geschädigte womöglich nicht die Tür geöffnet. Während die junge Frau auf M.s Anweisung hin Kleidungsstücke aus der Wohnung holte, wurde der Bekannte von M. massiv mit dem Schlagstock bedroht. Er leidet heute noch unter den Folgen der Tat und musste zu seiner Zeugenaussage polizeilich vorgeführt werden – angeblich hatte er den Prozesstag verwechselt, wahrscheinlicher ist aber, dass er aus Angst vor einer Retraumatisierung oder dem aggressiven Täter den Gerichtssaal meiden wollte. Dies wird ihm nun ein zweites Mal bevorstehen.

Quelle: op-online.de

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